Hamburg (dpa) –
Unter Vorsitz der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) hat in Hamburg ein fiktiver, drei Tage dauernder «Prozess gegen Deutschland» begonnen. Nach einer Idee und in der Inszenierung des Schweizer Starregisseurs Milo Rau verhandeln auf der Bühne des Thalia Theaters noch bis Sonntag Juristen und Juristinnen, normale Bürger und Prominente ohne vorgegebenes Textbuch über ein mögliches Verbot der rechtspopulistischen Partei AfD. Vor ausverkauften Zuschauerreihen sprachen am Freitagabend unter anderem Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), die US-amerikanische Philosophin und Direktorin des Einstein Forums in Potsdam, Susan Neiman, und der Publizist Harald Martenstein.
Rau (49), Intendant der Wiener Festwochen, bringt damit erstmals einen seiner theatralen «Prozesse» nach Deutschland. In Hamburg formulierte er sein aktuelles Anliegen in einer Vorrede. «Was genau ist die Alternative für Deutschland, die uns die AfD anbietet? Wollen wir diese Alternative, und falls nicht: Sollen wir sie dann nicht verhindern? Im Zweifelsfall durch ein Verbot, wie es der Rechtsstaat vorsieht und der Verfassungsschutz empfiehlt?», fragte Rau.
Brosda erklärte in seiner anschließenden Eröffnungsrede: «Ich hoffe, dieser Prozess wird uns helfen, uns der Bedeutung und der Schutzwürdigkeit unserer Demokratie neu zu versichern.»
Das Gerichtsszenario wird auch als Video-Livestream auf der Website des Theaters ausgestrahlt. Es bildet den Abschluss der Hamburger Lessingtage, die sich als explizit politisches Festival verstehen und in diesem Jahr von Matthias Lilienthal kuratiert wurden.
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