Mann erstochen – Junge Frau wegen Totschlags vor Gericht

Die Angeklagte sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft. Marcus Brandt/dpa
Die Angeklagte sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft. Marcus Brandt/dpa

Hamburg (dpa/lno) –

Fünf Monate nach einem tödlichen Messerstich auf einen Mann in Hamburg-Heimfeld hat der Prozess gegen eine 21 Jahre alte Frau begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten Totschlag vor.

Die Ukrainerin soll bei einem nächtlichen Streit am 8. November vergangenen Jahres ihren Lebensgefährten mit einem Küchenmesser angegriffen haben. Der Stich mit der 20 Zentimeter langen Klinge traf den 36-Jährigen laut Anklage im Brustbereich und verletzte Herzgefäße und die Lungenschlagader. Er verblutete in der gemeinsamen Wohnung. Die Angeklagte soll bei der Tat mit 3,0 oder 3,1 Promille betrunken gewesen sein. 

«Heftiger Tatvorwurf»

«Das ist natürlich ein sehr heftiger Tatvorwurf», sagte der Vorsitzende Richter, David Vymer. Das Gericht müsse klären, was passiert und warum es passiert sei. Zugleich müsse es als Jugendkammer darauf achten, welche Hilfen und Unterstützung die Angeklagte brauche. Zur Tatzeit war die Beschuldigte erst 20 Jahre alt und damit noch Heranwachsende.

Zur Anklage äußerte sie sich zunächst nicht. Ob sie das zu einem späteren Zeitpunkt machen wird, blieb offen. Ihr Verteidiger regte an, eine frühere Mitbewohnerin aus einer Flüchtlingsunterkunft als Zeugin zu laden.

Nachbarn um Hilfe gebeten

Nach damaligen Angaben der Polizei hatte die Angeklagte nach Mitternacht bei einem Nachbarn geklingelt und um Hilfe gebeten. Dieser habe den lebensgefährlich verletzten Mann gefunden und über Notruf die Feuerwehr alarmiert. Die Rettungskräfte versuchten vergeblich, den 36-Jährigen zu reanimieren. Die Polizei nahm die Frau in der Wohnung fest. Sie sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Mutter des Opfers ist Nebenklägerin

Die Mutter des Getöteten ist in dem Prozess Nebenklägerin und wird nach Angaben ihrer Anwältin Claudia Krüger als Zeugin aussagen müssen. «Der Mutter geht es ganz, ganz schlecht», sagte Krüger. Die Frau kenne die Angeklagte. Die Urne mit der Asche ihres Sohnes habe sie in der Heimat in Lettland beisetzen lassen.

Das Gericht hat zehn weitere Verhandlungstermine angesetzt, das Urteil könnte am 17. Juni verkündet werden.

© dpa-infocom, dpa:260407-930-914161/1

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