Hannover (dpa/lni) –
Bus und Bahn sollten in Niedersachsens Nahverkehr nach Vorstellung der Linken für alle kostenlos sein. «Nicht alle Menschen können zumBeispiel Fahrrad fahren. Gerade für Rentnerinnen und Rentner, wo wir viel Altersarmut haben, ist das ein Riesenproblem, aber auch für Auszubildende, die nicht viel Geld bekommen», sagte Linke-Landeschef Thorben Peters der Deutschen Presse-Agentur. «Deswegen sollte der Nahverkehr gleich für alle ticketfrei sein – und bis in den ländlichen Raum angebunden werden.»
Aktuell hätten lediglich rund 75 Prozent der Niedersachsen eine Bushaltestelle oder einen Bahnhof in ihrer Nähe, kritisierte Peters. «Das heißt, ein Viertel aller Niedersachsen ist nicht adäquat durch eine Bushaltestelle oder durch einen Bahnhof angebunden», sagte er. Es brauche deshalb erhebliche Investitionen in den Schienenausbau und die Reaktivierung von Bahnstrecken.
Was ein landesweit ticketfreier Nahverkehr kosten würde, konnte Peters nicht sagen. «Ich habe die Kosten für Niedersachsen nicht durchgerechnet», sagte er. Das Land müsse den Kommunen aber finanziell unter die Arme greifen. «Würden das Land und der Bund die Kommunen fair bezahlen, würde ich mich hinstellen und sagen: Liebe Kommunen, macht eure Hausaufgabe. Da ich die verschuldeten Haushalte der Kommunen aber kenne, weiß ich sehr genau, das wird ohne Hilfe des Landes den meisten Kommunen schwerfallen.»
Ministerium: «Reiner Populismus»
Das Verkehrsministerium in Hannover reagierte mit Kopfschütteln auf den Vorstoß. «Der Vorschlag ist reiner Populismus und wird von uns abgelehnt, denn: Die Linken wissen nicht, was so etwas kosten soll, und darüber hinaus wissen sie natürlich auch nicht, wie sie es finanzieren würden und können es auch nicht mit Vorschlägen für den Landeshaushalt unterfüttern», sagte ein Sprecher von Minister Grant Hendrik Tonne (SPD).
Das Prinzip «alles für alle und zwar umsonst» funktioniere im öffentlichen Nahverkehr nicht. Die Beschäftigten müssten gut nach Tarif bezahlt werden, und moderne, möglichst klimaneutrale Verkehrsmittel kosteten sehr viel Geld – all das müsse finanziert werden und gebe es eben nicht gratis.
Außerdem würde sich ein kostenfreier Nahverkehr in Niedersachsen negativ auf das Deutschlandticket auswirken, sagte der Sprecher. Das Bahnfahren in ganz Deutschland würde dadurch teurer.
Das Ministerium betonte weiter, dass sich Niedersachsen in den vergangenen Jahren immer wieder für einen kostengünstigen Nahverkehr eingesetzt habe, etwa bei den Preisdebatten zum Deutschlandticket, das das Land mit 120 Millionen Euro unterstützt. Auch der neue Zuschuss für Azubis zum D-Ticket zeige, dass die Landesregierung für einen guten und bezahlbaren Nahverkehr trotz knapper Kassenlage bis an die Grenze gehe.
Der Preis des Deutschlandtickets ist zum neuen Jahr von 58 auf 63 Euro gestiegen. Für Auszubildende gibt das Land Niedersachsen neuerdings 20 Prozent hinzu – diese können das Ticket somit für 50,40 Euro erhalten.
So steht es um die ÖPNV-Anbindung in Niedersachsen
Mit Blick auf die Anbindung in der Fläche verweist das Ministerium auf ein Gutachten von 2023, wonach 77 Prozent aller Einwohner eine Haltestelle binnen maximal fünf Minuten zu Fuß erreichen können. Länger als 15 Minuten zu Fuß benötigten demnach lediglich 2 Prozent der Niedersachsen.
Pro Quadratkilometer gebe es in Niedersachsen rechnerisch 5,6 Haltestellen – das entspreche genau dem bundesweiten Durchschnitt. Der Schienenverkehr sei zwar deutlich schlechter erreichbar. Die meisten Gebiete mit einer schlechten Schienenanbindung seien aber gut mit Bussen erschlossen.
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