Gab Tierarzt Freundin Xylazin im Ouzo? – Zeugen sagen aus

Vor dem Amtsgericht Neumünster findet der neue Prozess gegen den bereits einmal verurteilten Tierarzt statt. (Archivbild) Frank Molter/dpa
Vor dem Amtsgericht Neumünster findet der neue Prozess gegen den bereits einmal verurteilten Tierarzt statt. (Archivbild) Frank Molter/dpa

Neumünster (dpa/lno) –

Der Prozess gegen einen Tierarzt, der seiner Partnerin ohne deren Wissen das Tiermedikament Xylazin verabreicht haben soll, ist vor dem Amtsgericht Neumünster fortgesetzt worden. Dabei hat die betroffene Frau ausgesagt, die als Nebenklägerin auftritt. Zudem wurden zwei weitere Zeugen gehört.

Dem 60-jährigen Angeklagten wird gefährliche Körperverletzung durch Beibringung von Gift oder eines anderen gesundheitsschädlichen Stoffes vorgeworfen. Bereits 2024 war er in einem ähnlichen Fall mit einer anderen geschädigten Frau zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

In dem neuen Verfahren am Amtsgericht Neumünster wird dem Angeklagten vorgeworfen, seiner damaligen Lebensgefährtin am Abend des 14. August 2024 bei sich zu Hause das in der Tiermedizin eingesetzte Beruhigungsmittel Xylazin verabreicht zu haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Mann das Medikament in ein Glas Ouzo gemischt und der Frau zum Trinken gegeben haben. Nachdem sie davon getrunken habe, habe die Frau an Gangschwierigkeiten und Wahrnehmungsstörungen gelitten, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage. Beide hätten seit März 2024 eine Liebesbeziehung gehabt.

Bewährungsstrafe in früherem Prozess

Die Geschädigte hatte erst im September 2024 vom früheren Prozess gegen ihren Lebensgefährten vor dem Amtsgericht Rendsburg erfahren. Danach erstattete sie Anzeige und ließ ihre Haare in medizinischen Laboren auf das Tiermedikament Xylazin untersuchen. Die Sporthochschule Köln konnte schließlich das Tiermedikament in ihren Haaren nachweisen. 

Eine Arbeitskollegin und Freundin der Betroffenen sagte vor Gericht aus, dass sie vom Rendsburger Prozess erfahren hatte und ihrer Freundin davon erzählt habe. «Da ist eine Welt für sie zusammengebrochen», sagte die Zeugin. 

Vor dem Amtsgericht Rendsburg war der Angeklagte im September 2024 wegen des gleichen Vorwurfs verurteilt worden. Er soll seiner damaligen Partnerin am 12. November 2021 ebenfalls Xylazin ohne deren Wissen verabreicht haben. Das Schöffengericht verurteilte den Tierarzt damals wegen gefährlicher Körperverletzung und eines hinterlistigen Überfalls zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

Der Prozess sollte am Nachmittag mit dem Bericht einer Sachverständigen fortgesetzt werden. Die Verteidiger des Angeklagten wollen beantragen, weitere Zeugen zu hören. Wann ein Urteil fällt, steht noch nicht fest.

© dpa-infocom, dpa:260128-930-608762/1

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