Neues Zentrum erforscht Wege aus der Bildungsmisere

In Studien schnitten die Schülerinnen und Schüler bundesweit zuletzt schlechter ab. (Symbolbild) Michael Brandt/dpa
In Studien schnitten die Schülerinnen und Schüler bundesweit zuletzt schlechter ab. (Symbolbild) Michael Brandt/dpa

Hannover (dpa/lni) –

Ein neues Forschungszentrum in Niedersachsen soll Antworten liefern, warum die Leistungen von Schülerinnen und Schülern nachlassen und wie die Bildung wieder besser werden kann. Das Land fördert dafür gemeinsam mit der Volkswagenstiftung die Einrichtung eines Zentrums für empirische Bildungsforschung, das am Standort Lüneburg von der dortigen Leuphana Universität sowie der Leibniz Universität Hannover getragen wird.

Über sechs Jahre stellen Land und Stiftung dafür rund 5,8 Millionen Euro bereit. Hinzu kommen 4,1 Millionen Euro aus dem gleichen Topf für begleitende Forschungsprojekte, an denen neben der Leibniz Universität die Technische Universität Braunschweig und die Universität Hildesheim beteiligt werden.

«Wir brauchen Daten»

Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) sagte, über Bildung werde häufig aus dem Bauch heraus diskutiert – etwa bei der Diskussion über das schriftliche Dividieren an den Grundschulen. Zwar gebe es Studien wie den IQB-Bildungstrend, demzufolge die Leistungen von Schülerinnen und Schülern in ganz Deutschland schlechter werden, das Warum erforsche das IQB aber nicht. 

Deshalb sei es wichtig, wissenschaftlich zu erforschen, welche Veränderungen sich wie auswirkten, sagte Hamburg. «Wir brauchen Daten, wir brauchen Erkenntnisse», ergänzte Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD).

Uni-Präsident erwartet unangenehme Debatten

Leuphana-Präsident Sascha Spoun sagte, das langfristige Interesse des neuen Zentrums sei erstens, dass weniger Schülerinnen und Schüler die Schule ohne einen Abschluss verließen. «Da haben wir leider große Steigerungen in den letzten Jahren gehabt. Da müssen wir dagegen arbeiten.»

Zweitens solle der Bildungserfolg weniger von den familiären Voraussetzungen abhängen. Besonders wichtig seien dafür Kenntnisse der deutschen Sprache sowie der Fächer Mathematik und Englisch – und eine gezielte Förderung bestimmter Schulen. «Wir werden zu unangenehmen Entscheidungen kommen müssen», sagte Spoun. «Wir müssen Schulen in kritischen Gebieten mit Schülerschaften, die Herausforderungen stellen, anders fördern können, damit wir genau diese Entkoppelung vom Elternhaus langfristig erreichen können.»

Das Forschungszentrum in Lüneburg soll seine Arbeit zum Wintersemester im nächsten Oktober aufnehmen. Zum Sommer 2027 könnten dann erste Hypothesen stehen, die in den Schulen untersucht werden solle. «Wir gehen dahin, wo Schule stattfindet», kündigte Uni-Präsident Spoun an.

© dpa-infocom, dpa:260206-930-651608/1

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