Warum ist es so schwierig, den Buckelwal freizubekommen?

Seit Montag sitzt der Wal auf der Sandbank fest. Marcus Brandt/dpa
Seit Montag sitzt der Wal auf der Sandbank fest. Marcus Brandt/dpa

Timmendorfer Strand (dpa) –

Seit Montag wird versucht, einen in der Ostsee vor Timmendorfer Strand gestrandeten Buckelwal aus seiner Notlage zu befreien. Mehrere Versuche scheiterten. Warum ist die Rettung so schwierig und wie geht es jetzt weiter? Ein Überblick: 

Wie geht es dem Wal aktuell?

Experten weisen darauf hin, dass man in das Tier nicht hineinsehen kann. «Das ist immer das kniffelige», sagte Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Äußerlich sehe der Wal aber noch gut ernährt aus. «Wann das Tier längere Zeit nicht gefressen hätte, dann wäre es deutlich abgemagert.» Das sehe man hier nicht. 

Der Wal hat aber starke Hautveränderungen, was mit dem niedrigen Salzgehalt in der Ostsee zu tun haben kann. Wie es im Inneren des Tieres aussieht, könne man nicht sagen, so der ITAW-Experte. 

Zwar sind die Netze und Seile, die um das Tier herum waren, weitestgehend entfernt, aber ob beispielsweise noch Netzreste im Maul seien, wisse man nicht, sagte Schnitzler. Und auch über den generellen Gesundheitszustand wisse man nichts. «Nichtsdestotrotz sehen wir da eine Chance, dass das Tier noch freikommt.»

Mit welcher Methode wird nun versucht, den Wal zu befreien?

Es soll versucht werden, mit Hilfe eines großen Baggers, der auf einer Art Ponton steht, die Sandbank, die ihm den Weg zum offenen Meer versperrt, wegzubaggern. Die Maschine wurde am Mittwochnachmittag an der Strandungsstelle vor dem Ortsteil Niendorf erwartet und sollte dann aufgebaut werden. Ob der Bagger noch am Mittwoch oder erst Donnerstag zum Einsatz kommt, war zunächst unklar. 

War nicht schon einmal ein Bagger im Einsatz?

Ja. Bereits am Dienstag hat es einen Rettungsversuch mit einem kleineren Saugbagger gegeben. Es war nach Angaben der Experten vor Ort versucht worden, den Sand unter dem Tier abzusaugen, um es auf diese Weise zu befreien. Der Versuch scheiterte aber, weil der Sand zu fest war. Daher wurde der größere Saugbagger geordert.

Welche Rettungsversuche gab es noch?

Am Montag hatten Feuerwehrleute zunächst versucht, das Tier mit Hilfe eines Schlauchbootes wieder in tieferes Wasser zu bekommen. Dabei drehten sie den Wal in Richtung der tieferen Fahrrinne, frei kam er aber nicht. Auch Versuche, mit Polizeibooten Wellen zu machen, damit sich der Wal freischwimmen kann, brachten nichts. Um den Wal nicht weiter zu stressen, wurden die Versuche dann zunächst abgebrochen. Auch die Hoffnung, dass sich das Tier mit dem Hochwasser in der Nacht zu Dienstag freischwimmt, erfüllten sich nicht. 

Was für Möglichkeiten gibt es theoretisch noch?

Mit Luftkissen oder Seilen zu arbeiten, kann bei Walstrandungen eine Möglichkeit sein. Im konkreten Fall wollen die Helfer aber darauf verzichten, da die Gefahr besteht, das schwere Tier zu verletzen. «So einen Wal kann man nicht einfach wegziehen», sagte ITAW-Experte Schnitzler. Die Bänder und Muskeln seien nicht darauf ausgelegt, solchen Zugkräften zu widerstehen. «Die zerreißen dann förmlich.» 

Was macht die Rettung von gestrandeten Walen so schwierig?

Durch das große Gewicht der Säugetiere ist es sehr schwierig, Wale von einer Sandbank oder vom flachen Wasser wieder ins tiefere Wasser zu bekommen, damit er schwimmen kann. Aus eigener Kraft kommen sie oft nicht los. Anders als etwa in der Nordsee kann das Tier in der flacheren Ostsee zudem nicht von der Tide wieder zurück ins tiefere Wasser gezogen oder gespült werden.

Wenn der Wal nun freikommen sollte – ist er dann gerettet?

Leider nicht abschließend. Laut Experten besteht die Gefahr, dass der Wal sich erneut festschwimmt oder aus der Ostsee nicht wieder herausfindet. Die Ostsee stelle ein Nadelöhr dar, sagte Jan Hermann, Tierarzt und Wal-Experte aus Wilhelmshaven. «Den Ausgang muss man wieder finden, und das ist nicht ganz sicher, dass das in der Navigation der Buckelwale so angelegt ist.»

ITAW-Experte Schnitzler sagte, der Wal müsse sicherlich begleitet werden, damit er herausfinde. «Und dann hoffen wir mal, dass das Tier dann halt kluge Entscheidungen trifft, denn so richtig leiten kann man es nicht.»

© dpa-infocom, dpa:260325-930-865157/1

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