Verden (dpa/lni) –
Im Prozess um einen tödlichen Messerangriff gegen seine Ex-Partnerin schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen. Der 34-Jährige habe «aus Wut und Hass» seine ehemalige Lebensgefährtin erstochen, sagte der Staatsanwalt zu Prozessbeginn am Landgericht Verden. Er wirft dem Angeklagten Mord aus niedrigen Beweggründen vor.
Laut Anklage soll der Syrer die Trennung von seiner Partnerin nicht verkraftet haben. Dass die 37-Jährige ihn nach wenigen Wochen Beziehung verlassen habe, sei gegen sein «Selbstbild als Mann» gegangen. Schon vor der Tat soll er ihr mehrfach gedroht haben, wie der Staatsanwalt weiter ausführte. Der Angeklagte habe angekündigt, «mit seiner Ex-Frau Scheiße zu machen» und dass er sie «unter die Erde bringen» werde.
Sohn vor Gericht: «sehr gezielt» vorgegangen
Sie suchte Hilfe bei der Polizei und zeigte den Mann an – doch das schützte sie nicht vor dem Tod. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte seine Drohungen am 12. Mai 2025 in die Tat umsetzte: Demnach soll er die fünffache Mutter auf einem Parkplatz in Nienburg an der Weser abgepasst haben. Vor den Augen ihres Sohnes und ihrer zehnjährigen Tochter soll er mehrfach mit einem Messer auf sie eingestochen haben.
Der Sohn schilderte vor Gericht das brutale Verhalten des mutmaßlichen Täters. Er sei wortlos, «sehr aggressiv und sehr gezielt» vorgegangen, berichtete der 19-Jährige. «Seine Augen waren sehr rot, sie haben auch getränt.»
Der 19-Jährige erzählte, wie er den Angeklagten noch zu stoppen versuchte. «Ich hab’ ihn angeschrien: Er soll weggehen, er soll sich verpissen», sagte der Sohn. Er habe ihn auch mit der Faust geschlagen, doch der bewaffnete 34-Jährige habe sich immer wieder bedrohlich genähert. «Ich wusste wirklich nicht: Geht er jetzt auf mich zu?»
37-Jährige starb am Tatort
Irgendwann habe der Angeklagte von seiner Mutter abgelassen. «Ich hab’ ganz laut ihren Namen geschrien, sie hat nicht reagiert», sagte der Sohn mit brüchiger Stimme. «Ihr Körper war voller Blut.» Für die 37-Jährige kam jede Hilfe zu spät, sie starb noch am Tatort an ihren Stichverletzungen.
Die zehnjährige Tochter musste alles mit ansehen. «Sie hat geweint. Sie hat alles miterlebt», sagte der 19-Jährige. Inzwischen trainiere seine Schwester Kampfsport, weil sie stärker werden wolle. Auch ihn lasse die Tat nicht los. «Es gibt immer noch Nächte, wo das Thema hochkommt und ich nicht schlafen kann.»
Schon zweites Gerichtsverfahren
Der mutmaßliche Täter floh mit seinem Wagen, wenig später nahm ihn die Polizei fest. Zunächst ging das Gericht davon aus, dass der Angeklagte so starke psychische Probleme hat, dass nur eine Unterbringung in einer Psychiatrie infrage kommt.
Doch während des Sicherheitsverfahrens kam ein Gutachter zu dem Schluss, dass der 34-Jährige schuldfähig sei. Das Gericht verhandelt den Fall nun noch einmal neu – und dem Angeklagten droht eine jahrelange Gefängnisstrafe. Ein Urteil könnte Ende Februar fallen.
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