Genitalverstümmelung: Rund 4.000 Frauen in Hamburg betroffen

Nach Schätzungen der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ (TDF) sind rund 4.000 in Hamburg lebende Frauen und Mädchen von Genitalverstümmelung betroffen. In ganz Deutschland seien es mehr als 100.000, teilte TDF am Donnerstag mit. Potenziell gefährdet sind bundesweit der Dunkelzifferschätzung zufolge zudem bis zu rund 17.300 Mädchen – in der Hansestadt rund 550. Wie in den vorherigen Jahren sei die Zahl betroffener Frauen in Deutschland enorm gestiegen, hieß es weiter. Bei der letzten Dunkelzifferstatistik von 2020 war TDF von rund 75.000 Betroffenen ausgegangen.

Bei der weiblichen Genitalverstümmelung werden die äußeren Geschlechtsorgane von jungen Mädchen teilweise oder ganz abgeschnitten. Laut Weltgesundheitsorganisation sind weltweit rund 200 Millionen Frauen davon betroffen. Die Prozedur wird in den Herkunftsländern meist ohne Betäubung und mit nicht sterilen Gegenständen wie Rasierklingen oder Glasscherben durchgeführt.

„Diese Mädchen befinden sich mitten in unserer Gesellschaft“

„Wir brauchen dringend eine verbesserte Datenlage in Deutschland, um Mädchen durch gezielte Prävention effektiv schützen und bereits Betroffene besser versorgen zu können“, sagte Sonja Störmer von TDF. „Diese Mädchen und Frauen befinden sich mitten in unserer Gesellschaft, und wir müssen sie sichtbar machen.“

Herkunftsländer u.a. Guinea, Malaysia oder Somalia

Für die Schätzungen orientierte sich TDF an den Betroffenenzahlen in den Herkunftsländern der Frauen und Mädchen. Herkunftsländer mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sind demnach unter anderem Guinea, Malaysia und Somalia.

Dunkelziffer könnte Schätzungen noch übersteigen

Die Schätzungen der Betroffenen beziehen sich laut TDF nur auf Frauen mit der Staatsangehörigkeit ihres Herkunftslandes, die nach ihrer Geburt nach Deutschland gekommen sind. Bei den potenziell Gefährdeten seien in Deutschland geborene Mädchen mit anderer Staatsangehörigkeit berücksichtigt. Mädchen und Frauen ohne Papiere, bereits eingebürgerte Frauen und gefährdete Mädchen mit deutscher Staatsangehörigkeit seien in den Daten nicht berücksichtigt, teilte die Organisation mit. Die tatsächliche Dunkelziffer könne die Schätzungen demnach noch übersteigen.

Mit dpa

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