Wie Kreise auf der Straße Motorradfahrer schützen sollen

Runde Markierungen sollen in Südniedersachsen Motorradfahrer vor schweren Verletzungen schützen. Swen Pförtner/dpa
Runde Markierungen sollen in Südniedersachsen Motorradfahrer vor schweren Verletzungen schützen. Swen Pförtner/dpa

Scheden (dpa/lni) –

Auf den ersten Blick könnte man sie für Schmierereien halten: Runde Markierungen säumen die Fahrbahn der Bundesstraße 3 im südniedersächsischen Scheden südwestlich von Göttingen. Tatsächlich haben sie aber einen ernsten Hintergrund: Die Markierungen sollen Motorradfahrer vor schweren Verletzungen schützen. Was hat es damit auf sich?

Die auch als Eifel-Ellipsen bezeichneten Markierungen befinden sich jeweils im Innenbereich der äußeren Fahrspuren in Kurven. So sollen Motorradfahrer und -fahrerinnen bei Kurvenfahrten dazu angehalten werden, Kurven nicht zu schneiden und stattdessen eine sichere – vom Mittelstreifen entfernte – Kurvenlinie zu wählen. Die Kurvenmarkierungen sollen von Zweiradfahrern entsprechend nicht überfahren werden. 

«Auf Motorradstrecken, die durch eine Vielzahl von Serpentinen und enge, unübersichtliche Kurven geprägt sind, besteht ein erhöhtes Unfallrisiko durch Zusammenstöße mit dem Gegenverkehr», teilte die Samtgemeinde Dransfeld im vergangenen Jahr mit, als die Markierungen angelegt wurden. Zu den Unfällen kommt es nicht nur, wenn Kurven geschnitten werden, sondern auch, wenn Motorradfahrer sich so weit in die Kurve legen, dass ihr Kopf oder Oberkörper in den Gegenverkehr ragen.

Kurvige Straßen im Weserbergland sind beliebt, aber gefährlich

Laut ADAC kam es in den sogenannten Schedener Kurven in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen. Sie liegen mitten im bei Motorradfahrern beliebten Weserbergland. Ein ähnlicher Unfallhotspot in der Region findet sich etwas weiter nördlich auf einer Landstraße zwischen Uslar und Relliehausen, wo die Markierungen ebenfalls auf die Fahrbahn aufgebracht wurden. 

 

Auch wenn noch keine Daten vorliegen, sei das Konzept, das auch in Nordrhein-Westfalen erprobt wird, vielversprechend. Der Automobilclub bewertet es bereits als erfolgreich. Das Projekt mit den Markierungen habe eine Vorreiterfunktion. Die Unfallkommission der niedersächsischen Straßenbau- und Verkehrsbehörde will bereits im Mai darüber beraten, ob das Konzept ausgeweitet wird. Flächendeckend sollen die Markierungen aber nicht zum Einsatz kommen.

Alternativen: Geschwindigkeitsbegrenzungen, bessere Leitplanken

Ein Allheilmittel seien die Eifel-Ellipsen aber auch nicht, heißt es vom ADAC. Je nach örtlichen Gegebenheiten brauche es verschiedene Schutzvorkehrungen für Motorradfahrer, aber auch für Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer. Weitere Möglichkeiten seien etwa Leitplanken, unter denen man bei einem Sturz nicht hindurchrutschen könne, oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Darüber entscheide die Unfallkommission. 

Darüber hinaus sei auch die Qualität der eigenen Ausrüstung für den Schutz von Motorradfahrern wichtig. Gerade zu Beginn der Motorradsaison macht darauf auch die Polizei aufmerksam, etwa mit Aktionstagen. Auch im weiteren Verlauf des Sommers gebe es immer wieder Kontroll- und Präventionseinsätze der Beamten.

© dpa-infocom, dpa:260424-930-986171/1

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