Land und DB wollen Bahnverkehr nach Sylt robuster machen

Mit einem neuen Fünf-Punkte-Plan wollen das Land Schleswig-Holstein und die Bahn den seit Jahren störungsanfälligen Betrieb auf der Marschbahnstrecke von und nach Sylt jetzt leistungsfähiger und robuster machen.  Lea Albert/dpa
Mit einem neuen Fünf-Punkte-Plan wollen das Land Schleswig-Holstein und die Bahn den seit Jahren störungsanfälligen Betrieb auf der Marschbahnstrecke von und nach Sylt jetzt leistungsfähiger und robuster machen. Lea Albert/dpa

Sylt/Berlin (dpa/lno) –

Weniger wartende Sylt-Pendler und mehr Platz auf den Gleisen: Den seit Jahren störungsanfälligen Betrieb auf der Marschbahnstrecke von und nach Westerland wollen das Land Schleswig-Holstein und die Deutsche Bahn (DB) jetzt leistungsfähiger und robuster machen. Dabei soll vor allem ein zusätzlicher 15-Minuten-Puffer für den Regionalexpress zwischen Niebüll und Westerland für deutlich mehr Pünktlichkeit sorgen. Vereinbart wurde ein neuer Fünf-Punkte-Plan. 

Daniel Günther: Menschen brauchen Verlässlichkeit

«Die mehr als 400.000 Menschen an der Westküste brauchen endlich eine Marschbahn, auf die sie sich verlassen können. Wir alle kennen die seit langem anhaltenden Probleme, und die gehen wir jetzt an», sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nach einem Gespräch am Mittag in Westerland. Die Verbesserungen müssten «im Alltag unmittelbar spürbar werden». Dazu sei es wichtig, den Ausbau der Strecke voranzutreiben.

«Die Marschbahn braucht einen Neustart – und genau den bringen wir jetzt gemeinsam auf den Weg. Mit dem Trassentausch schaffen wir kurzfristig mehr Pünktlichkeit und Verlässlichkeit für unsere Fahrgäste», sagte DB-Chefin Evelyn Palla auf Sylt. Gleichzeitig wolle die Bahn weiter konsequent in Infrastruktur, moderne Stellwerkstechnik und eine stabilere Betriebsführung investieren. Klar ist aber auch: «Wir brauchen mehr Kapazität auf der Strecke. Deshalb treiben wir den zweigleisigen Ausbau mit dem Land weiter voran», sagte sie. 

Unterstützung vom Bund

Stefan Schnorr, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sagte die Unterstützung des Bundes für den Ausbau zu, sofern das Land weiterhin die Planungskosten vorfinanziere. «Wir arbeiten daran, dass die Deutsche Bahn mit dem Ausbau der Strecke Ende dieses Jahrzehnts starten kann», so Schnorr. 

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) begrüßte den neuen Plan: «Vor allem der heute beschlossene zusätzliche Zeitpuffer für den RE 6 durch einen Trassentausch ist ein enorm wichtiger Schritt», so Madsen. Entscheidend sei, dass aus fachlichen Konzepten nun verbindliche und überprüfbare Verbesserungen für die Pendler würden. 

Hintergrund des Dialogs war laut Madsen die nicht länger hinnehmbare Lage auf der Marschbahn mit Pünktlichkeitswerten – an einigen Tagen im Winter – von lediglich 50 bis 60 Prozent. Die durchschnittliche Pünktlichkeit lag demnach 2025 bei 80,3 Prozent.

Fünf-Punkte-Plan auf Sylt 

Bei dem Treffen in Westerland verständigten sich die DB-Spitze mit der Landesregierung zudem auf verbesserte Konzepte, um Störungen vorzubeugen und eintretende Probleme schneller abzuarbeiten. 

Der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke bleiben ebenfalls mittelfristige Ziele, wie bei dem Treffen deutlich wurde. Der Bund wird demnach die Weichen dafür stellen, dass der Ausbau der teils maroden Strecke Anfang der 2030er Jahre beginnen kann.

Rund 60 Teilnehmer bei Treffen auf Sylt

Eingeladen zu dem rund zweieinhalbstündigen Treffen mit rund 60 Teilnehmern hatten das Land Schleswig-Holstein und die Deutsche Bahn, teilte ein Sprecher des Verkehrsministeriums mit. 

Mit dabei waren neben Schleswig-Holsteins Ministerpräsident außerdem unter anderen DB-Chefin Evelyn Palla, Philipp Nagl, Chef der Infrastruktur-Gesellschaft DB InfraGo, weitere DB-Vertreter und Vertreter anderer Verkehrsunternehmen, Bundesverkehrs-Staatssekretär Stefan Schnorr, Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU), Nordfrieslands Landrat Florian Lorenzen, Mitglieder der Sylter Pendlerinitiative, Sylter Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die Bundesnetzagentur-Vizepräsidentin Daniela Brönstrup sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete. 

Neues Marschbahn-Format in Westerland

Vier sogenannte Marschbahngipfel hatten in der Vergangenheit in Nordfriesland stattgefunden, alle diese Veranstaltungen auf Einladung des Kreises Nordfriesland waren laut einem Kreissprecher öffentlich. Zuletzt gab es ein Treffen im Oktober 2024 mit großem Podium. Bei dem nicht öffentlichen Treffen am Dienstag handele es sich laut Verkehrsministerium aber um ein anderes Format: Im gemeinschaftlichen Dialog sollten dabei Lösungen erarbeitet werden. Es war das erste Mal, dass der Ministerpräsident sowie Bahnchefin bei einem Treffen dieser Art dabei waren.

Der Bahndamm nach Sylt gilt als Lebensader für die Insel – wird aber oft zum Nadelöhr. Tausende Pendlerinnen und Pendler sind auf die Bahn für ihren Arbeitsweg angewiesen. Betriebe auf Sylt stellen wegen der schlechten Erreichbarkeit eine Abwanderung von Fachkräften fest. Auch ein Einbruch der Gästezahlen wird befürchtet.

© dpa-infocom, dpa:260421-930-974142/1

Copy LinkCopy Link
Zur Startseite