Befreiter Buckelwal auf Kurs aus Lübecker Bucht

Der Buckelwal konnte sich befreien und schwimmt nun in der Lübecker Bucht. Marcus Brandt/dpa
Der Buckelwal konnte sich befreien und schwimmt nun in der Lübecker Bucht. Marcus Brandt/dpa

Timmendorfer Strand (dpa) –

Der vor Timmendorfer Strand von einer Sandbank befreite Buckelwal schwimmt auf Kurs hinaus aus der Lübecker Bucht. Dies sagte Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Eine Kollegin von ihr sei in einem Schlauchboot direkt neben dem 12 bis 15 Meter langem Meeressäuger.

Zudem werde das Tier ungefähr 300 Meter vor der Küste von einem Schiff der Küstenwache und mehreren Booten begleitet, erklärte Groß. An dem Wal selbst sei kein Sender angebracht worden, da die Haut zu sehr erkrankt sei. Der Buckelwal war am Montagmorgen auf der Sandbank entdeckt worden. Mit Hilfe einer gegrabenen Rinne befreite er sich in der Nacht zum Freitag. 

Nun komme es darauf an, dass der Wal im offenen Wasser bleibt und möglichst in die Nordsee schwimmt, erklärte der Biologe Robert Marc Lehmann. Noch sei er nicht in Sicherheit. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik.

Ministerpräsident sicherte Hilfe zu

«Ich bin einfach nur froh», sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Auch Schleswig-Holstein Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) drückte laut WDR seine Freude über die Rettung aus und dankte den Helfern vor Ort. 

Am Donnerstag hatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Hilfe des Landes zugesagt, als er sich vor Ort selbst ein Bild der Lage machte. Sollte der Meeressäuger frei kommen – wie es inzwischen der Fall ist – wolle Kiel etwa zwei Boote zur Verfügung stellen, um das Tier durch die Ostsee zu geleiten, berichtete ein dpa-Reporter vor Ort. Damit soll verhindert werden, dass er wieder strandet.

Gegenüber dem «WDR» erneuerte Günther das Versprechen: «Mal gucken, ob wir ihn dabei begleiten müssen und ihm raushelfen müssen, angeboten haben wir es, aber jetzt ist er erst mal nicht mehr am Strand zu sehen.» Es komme darauf an, dass der Meeressäuger «den richtigen Weg» findet. 

Wal kämpfte sich durch gegrabene Rinne

Für Timmendorf am Strand an der Ostsee hat die beispiellose mehrtägige Rettungsaktion mit Baggern und Tauchern damit ein gutes Ende genommen. Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Tagelang wurde versucht, das Tier zu befreien. So war etwa am Dienstag ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. 

Meter um Meter hatte sich der Wal am Abend durch diese Rinne gekämpft. Auch ein größerer Bagger konnte schließlich von Land aus eingreifen, nachdem ein Damm aufgeschüttet worden war, um das schwere Gerät in Reichweite zu bringen.

Das Tier zeigte sich aktiver als in den Tagen zuvor. Die Helfer versuchten es am Abend auch mit Lärm zu animieren – durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder lautes Brummen von sich. Am Ende hätten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde – in der Nacht befreite sich das Tier dann selbst. 

Nicht heimisch in der Ostsee

Warum der Wal vor Niendorf aufgetaucht war, ist bislang unklar. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) hatte gesagt, vielleicht sei das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft gewesen. Es könne aber auch sein, dass der Wal einfach durch einen unglücklichen Zufall in diesem Flachwasserbereich gelandet sei.

Nach Angaben der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd handelt es sich bei dem Tier wahrscheinlich um den Wal, der bereits zuvor wiederholt auch vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet worden war und Anfang März durch sein Auftauchen im Hafen von Wismar Aufsehen erregt hatte.

Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch. Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könnte laut Experten eine Rolle spielen.

© dpa-infocom, dpa:260327-930-873410/6

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