Datenschutzbeschwerden in Hamburg auf Rekordniveau

Der Datenschutzbeauftragte werde immer stärker auch in Sachen des Verbraucherschutzes tätig, sagt Fuchs. Christian Charisius/dpa
Der Datenschutzbeauftragte werde immer stärker auch in Sachen des Verbraucherschutzes tätig, sagt Fuchs. Christian Charisius/dpa

Hamburg (dpa/lno) –

Die Zahl der Beschwerden beim Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit ist auf einen neuen Rekordstand gestiegen. Insgesamt 4.200 Eingaben im vergangenen Jahr bedeuteten einen Zuwachs von 60 Prozent, sagte der Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs bei der Vorlage seines Tätigkeitsberichtes. «Das ist, wenn man sich das im Bundesvergleich anguckt, pro Kopf das höchste Beschwerdeaufkommen.»

Fuchs sprach von einem «Paradigmenwechsel», der auch mit der Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) zusammenhänge.

KI macht sich bei Beschwerdezahlen zweifach bemerkbar

Zum einen würden Nutzer sich vielfach bei Problemen mit Onlinediensten und Unternehmen über KI-Tools informieren, die sie dann wiederum an die Beschwerdestellen weiterleiteten. «Und deswegen glaube ich, dass wir einfach mehr Attention dadurch bekommen, dass die KI-Chatbots uns empfehlen oder auf uns hinweisen», sagte Fuchs.

Zum anderen verschlechtere sich durch unausgereifte KI-Tools der digitale Kundenservice, was sich an einer Verdreifachung der Beschwerden besonders in den sozialen Netzwerken zeige. Unternehmen würden auf E-Mail-Anfragen oft gar nicht reagieren. «Oder ich komme in irgendwelche KI-Chatbot-Schleifen, die immer dieselben Antworten auf meine Frage geben oder so allgemein antworten, dass es mir individuell nicht hilft», sagte Fuchs.

Datenschutz übernimmt immer öfter Rolle des Verbraucherschutzes

Viele Unternehmen nutzten KI, «um Kundenservice abzubauen, statt ihren Service zu verbessern», sagte er. Wenn man aber die Datenschutzbehörde einschalte, «dann bekomme ich plötzlich die Information, die ich auf Kundenservice-Wege nicht bekommen habe». Damit entwickele sich der Datenschutz immer öfter zur Schnittstelle von Verbraucherschutz und KI-Aufsicht.

Stelle er fest, dass die Auskunftsverweigerung System habe, würden auch Bußgelder verhängt. 200.000 Euro habe ein Unternehmen in diesem Zusammenhang im vergangenen Jahr zahlen müssen, sagte der Datenschützer.

Datenschutzbeauftragter verhängt Dreiviertelmillion Euro Bußgelder

Das höchste Bußgeld von knapp 500.000 Euro sei gegen einen Finanzdienstleister verhängt worden, der einem Nutzer auf digitalem Weg nicht erklären konnte, warum ein Kreditkartenantrag trotz guter Bonität in einem automatisierten Verfahren abgelehnt wurde.

Insgesamt seien in 19 abgeschlossene Bußgeldverfahren 776.571 Euro verhängt worden.

Positiv bewertete Fuchs die Zusammenarbeit mit den Senatsbehörden im Zusammenhang mit KI und Datenschutz. So sei er auch beim Einsatz der KI-Kameras am Hansaplatz in St. Georg von der Polizei eingebunden gewesen. «Auch das haben wir sehr tief geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Kameras eingesetzt werden können», sagte er.

Um der Beschwerdeflut Herr zu werden, brauche es mehr Personal. Darüber sei er bereits mit Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) im Gespräch. Bisher verfüge der Datenschutzbeauftragte über 51 Mitarbeitende auf 37 Stellen.

© dpa-infocom, dpa:260325-930-864418/1

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