Weniger Suizide in Hamburg – aber mehr Fälle mit Beihilfe

Die Zahl der Suizide in Hamburg ist im Jahr 2024 vor allem bei Männern stark zurückgegangen. (Symbolbild) Annette Riedl/dpa
Die Zahl der Suizide in Hamburg ist im Jahr 2024 vor allem bei Männern stark zurückgegangen. (Symbolbild) Annette Riedl/dpa

Hamburg (dpa/lno) –

Die Zahl der Suizide in Hamburg ist im Jahr 2024 stark zurückgegangen, vor allem bei Männern. Mindestens 201 Menschen nahmen sich das Leben, darunter 119 männliche und 82 weibliche Personen. Wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion weiter mitteilte, waren im Jahr davor 276 Selbsttötungen gezählt worden, 184 von Männern und 92 von Frauen. Das entspricht einem Rückgang von rund 27 Prozent.

Im Zehnjahresvergleich war 2023 das Jahr mit den meisten Suiziden in Hamburg. Bereits 2022 war die Zahl mit 260 Fällen sehr hoch gewesen. Die Daten für 2025 legt das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein erst Ende 2026 vor. 

Die Zahlen liegen tatsächlich noch etwas höher, weil Angaben zu weniger als drei Fällen in einer Gruppe mit fünf Jahrgängen aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden dürfen. Das Amt selbst spricht für 2024 von 202 Fällen. 

Mehr Suizide bei älteren Menschen

Besonders häufig nahmen sich ältere Menschen über 75 Jahre das Leben. Bei den Männern wurden 2024 in dieser Altersgruppe mindestens 38 Suizide gezählt, bei Frauen 44. Die Suizidrate, also die Anzahl der Fälle je 100.000 Menschen, betrug bei männlichen Hamburgern im Alter von 85 bis 89 Jahren 98,0, im Alter von 45 bis 49 Jahren jedoch nur 8,3. Bei Hamburgerinnen lag die Suizidrate im Alter 85 bis 89 Jahren bei 44,2, im Alter von 45 bis 49 Jahren nur bei 5,0 Fällen je 100.000 Frauen.

16 Prozent «assistierte Suizide»

Von den 202 Fällen im Jahr 2024 seien 32 sogenannte assistierte Suizide gewesen, sagte ein Sprecher des Statistischen Amts. Das entspricht 16 Prozent. 12 Männer und 20 Frauen seien auf diese Weise gestorben. 

Assistierter Suizid bedeutet, dass jemand, der sterbewillige Person ein tödliches Mittel beschafft hat. 2023 waren in Hamburg 16 derartige Todesfälle – 6 Männer und 10 Frauen – erfasst worden. Im Jahr 2022 beendeten 13 Menschen – 8 Männer und 5 Frauen – mit Beihilfe ihr Leben. 

«Recht auf selbstbestimmtes Sterben»

Die Beihilfe zur Selbsttötung ist in Deutschland straffrei, nicht aber die aktive Sterbehilfe – also eine Tötung auf Verlangen, etwa durch eine Spritze. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2020 entschieden, dass das im Grundgesetz verankerte allgemeine Persönlichkeitsrecht «als Ausdruck persönlicher Autonomie ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben» umfasst. Das schließt laut Gericht die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen. Dies gilt ausdrücklich für jeden, nicht nur für unheilbar Kranke. 

Nicht alle Fälle werden erkannt

Die Zahlen zu den Suiziden beruhen auf der amtlichen Todesursachenstatistik. Dennoch sei zu berücksichtigen, dass Suizide in Einzelfällen nicht immer eindeutig als solche erkannt oder dokumentiert werden, erklärte der Senat. Das könne zu einer gewissen Dunkelziffer führen. 

Die Daten werden differenziert nach Geschlecht für insgesamt 20 Altersgruppen erfasst. Eine weitere Aufschlüsselung, beispielsweise nach Staatsangehörigkeit, Migrationshintergrund oder auf Ebene der Hamburger Bezirke, erfolge nicht, hieß es.

© dpa-infocom, dpa:260426-930-993861/1

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