Warum sich die Konkurrenz um LNG verschärfen könnte

An den LNG-Terminals in Wilhelmshaven kam laut Betreiber DET zuletzt 2023 Gas aus der Golfregion an. (Archivbild) Hauke-Christian Dittrich/dpa
An den LNG-Terminals in Wilhelmshaven kam laut Betreiber DET zuletzt 2023 Gas aus der Golfregion an. (Archivbild) Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wilhelmshaven/Brunsbüttel/Mukran (dpa) –

Sowohl die Produktion als auch der Transport von Flüssigerdgas (LNG) sind durch den Iran-Krieg erheblich gestört. Das hat auch Folgen für die Verbraucher in Deutschland und die hiesige Infrastruktur. 

Welche Folgen hat der Iran-Krieg auf die LNG-Produktion am Golf? 

Unter anderem attackierte der Iran zuletzt die weltweit größte Anlage Ras Laffan für den Export von LNG in Katar. Das Land ist einer der weltweit wichtigsten LNG-Produzenten. Hinzu kommt, dass der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zwischen dem Persischem Golf und dem Golf von Oman derzeit nahezu still steht. Durch die Meerenge werden sonst 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert.

Was bedeutet das für die LNG-Lieferungen nach Deutschland? 

An den deutschen LNG-Importterminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran auf Rügen hat der Iran-Krieg bislang so gut wie keine Folgen für den Umschlag, wie die Betreiber auf Anfragen mitteilen. 

Weiterhin laufen Tanker das Rügener LNG-Terminal in der Ostsee an und nutzen die gebuchten Umschlags-Slots, teilte der dortige Betreiber Deutsche Regas mit. «Bisher wurde seit Beginn des Iran-Kriegs ein Slot durch unsere Kunden nicht genutzt.» Die Gründe könnten nur die Energiehändler selbst nennen.

Die bundeseigenen Deutsche Energy Terminal Gesellschaft (DET), die die schwimmenden Terminals Wilhelmshaven 1 und 2 sowie das Terminal in Brunsbüttel betreibt, teilt mit, die Kapazitäten im ersten Halbjahr 2026 komplett vermarktet zu haben. «Lieferungen aus der Golf-Region hatten wir seit Anfang 2023 nur sehr vereinzelt. Absagen von Cargos liegen an den DET-Terminals momentan nicht vor», teilt ein DET-Sprecher mit. 

Woher bezieht Deutschland sein LNG? 

Fast alle LNG-Tanker, die an deutschen Terminals anlegen, kommen aus den USA. Nach Berechnungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lag der Anteil der deutschen LNG-Importe 2025 aus den USA bei rund 94 Prozent. Über die deutschen LNG-Terminals wurden 2025 insgesamt 106 Terrawattstunden (TWh) Erdgas importiert. Aus Katar hat Deutschland nach Angaben des Verbands dabei kein LNG bezogen.

Könnte sich der Iran-Krieg dennoch auf die LNG-Importe auswirken?

«20 Prozent des bisherigen LNG auf dem Weltmarkt fehlen. Davon ging zuvor ein großer Teil in Richtung Asien», erklärt Gasexperte Sebastian Gulbis vom Beratungsunternehmen Enervis. Deswegen könne sich die Konkurrenz von Asien und Europa um LNG-Lieferungen verstärken. Im Rahmen kurzfristiger Lieferungen sei es normal, «dass Schiffe flexibel einen anderen Markt anfahren, wenn sie dort mehr Geld verdienen können», sagt Gulbis. 

«Das ist erstmal typisch, aber dieser Wettbewerb um diese Mengen, der wird sich jetzt natürlich deutlich verschärfen.» Wenn etwa im Sommer in Europa die Speicher wieder befüllt werden sollen, Asien aber Gas für die Stromerzeugung etwa für Klimaanlagen benötigt, sei ein Preiskampf denkbar.

Was heißt das für den kommenden Winter?

Die deutschen Erdgasspeicher sind nach diesem Winter nur noch zu rund 20 Prozent gefüllt – das ist im Vergleich zu Vorjahren ein ziemlich niedriger Füllstand. Gleichzeitig sind die Gaspreise derzeit hoch.

«Gas ist für den kommenden Winter derzeit günstiger als für den Sommer verfügbar. Damit fehlen dem Markt derzeit jegliche ökonomischen Anreize zur Einspeicherung von Gas in die Speicher», sagt Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), einem Verband der Gasspeicherbetreiber. «Vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Ausgangsfüllstände stellt dies ein erhebliches Risiko für die Vorbereitung der kommenden Winterversorgung dar.»

Energieexperte Gulbis sagt: «Ich hätte mir gewünscht, dass wir früher die Frage beantwortet hätten: Wie können wir die Versorgungssicherheit beispielsweise über eine strategische Speicherreserve sicherstellen.»

Wenn die Winterpreise steigen, etwa weil der Markt von einer längeren Krise ausgeht, könne es auch wieder ökonomisch sinnvoll werden Gas einzuspeichern. Falls solche wirtschaftlichen Anreize ausbleiben, hält Gulbis «eine Art Zwangsbefüllung der Speicher» für möglich. «Und dann werden wir etwas bei den LNG-Importen sehen, und wir werden dann sicherlich auch steigende Preise sehen.»

Wie wichtig sind die LNG-Terminals, um leere Gasspeicher zu füllen?

Angesichts des Anteils von rund 10 Prozent (Gesamtjahr 2025) bei den deutschen Gasimporten spielen die deutschen LNG-Terminals eine eher untergeordnete Rolle bei der Befüllung der Gasspeicher, heißt es vom Verband Ines. Heinermann sagt: «Die LNG-Terminals in Deutschland sind dafür nicht zwingend erforderlich, aber können natürlich einen Beitrag leisten.» Grundsätzlich werde Europa aber erhöhte LNG-Importe brauchen, um die im ganzen EU-Binnenmarkt zuletzt stark geleerten Speicher erneut zu befüllen.

Besteht eine neue Abhängigkeit beim LNG von den USA? 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte zuletzt mit Blick auf die LNG-Lieferungen aus den USA gewarnt, die USA seien unter Präsident Donald Trump ein «zunehmend unberechenbarer Partner». «Donald Trump nutzt die Gaslieferungen gezielt, um Europa und Deutschland in eine fatale fossile Abhängigkeit zu drängen», sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner in einer Mitteilung im Januar.

Aber: Fast 90 Prozent der Gesamt-Erdgasimporte nach Deutschland kamen 2025 per Pipeline nach Deutschland, vor allem aus Norwegen und den Niederlanden. Dennoch sagt Gasexperte Gulbis: «Wenn die US-amerikanischen LNG-Lieferungen komplett ausfallen würden, aus welchen Gründen auch immer, dann denke ich, haben wir einfach ein Problem.»

© dpa-infocom, dpa:260325-930-862630/1

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