„Wir werden auf den Schwarzmarkt getrieben“: Friseure im Lockdown fürchten den Ruin

Foto: Kampagne #NurSicherBeimFriseur

Der zweite Lockdown betrifft eine Berufsgruppe gerade besonders stark: die Friseur:innen. Seit nunmehr sechs Wochen sind alle Läden wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres. Bei vielen Betroffenen ist die Existenz nun schon massiv bedroht. Mindestens genauso schlimm ist für diese Salons allerdings der aufkommende Schwarzmarkt.

Online-Petition #NurSicherBeimFriseur

Foto: Petersen Relations

Haare wachsen auch im Lockdown weiter und täglich werden Haare geschnitten und gefärbt, sagen Marc Breckwoldt, Inhaber der Friseurkette Ryf, und weitere Friseur:innen. Das Problem dabei: Die Friseurbehandlungen finden in einem unkontrollierten Umfeld statt, es gibt keine Kontaktnachverfolgung und meist fehlt auch ein Hygienekonzept – ganz abgesehen davon, dass es derzeit schlicht illegal ist. „Ich bin überzeugt, dass geöffnete Friseursalons das Infektionsgeschehen eher reduzieren, als es zu erhöhen. Die Friseursalons können ein Teil der Lösung sein. Sie sind nicht das Problem“, so Breckwoldt.

Marc Breckwoldt hat deshalb gemeinsam mit den Hamburger Friseuren Lars Nicolaisen, Dirk Brinkmann und vielen weiteren Friseur:innen eine Online-Petition ins Leben gerufen. Unter dem Hashtag #NurSicherBeimFriseur fordern sie von der Politik, dass die Salons wieder öffnen dürfen – nicht, weil das Geld, wie in vielen anderen Branchen, langsam knapp wird, sondern um die bestmögliche Hygiene zu gewährleisten, sagen sie.

„Ich fand es richtig, bei einem großen Lockdown auch die Friseursalons zu schließen“, sagt Lars Nicolaisen. Dass der Bedarf nach Haarschnitt, Farbe und Co. nun aber unkontrolliert befriedigt werde, sei kontraproduktiv. „Geöffnete, professionelle Friseursalons können jetzt Teil der Lösung sein, um das Infektionsrisiko in Deutschland weiter zu minimieren.“, sagt Nicolaisen.

„Wir werden auf den Schwarzmarkt getrieben“

Mittlerweile sind schon mehr als 21.000 Unterschriften unter der Petition zusammengekommen. Einer der Unterzeichner ist auch Sven Korn, Stylist aus Hannover. „Überall in der Stadt sieht man frisch geschnittene Frisuren – die Friseur:innen gehen von Haus zu Haus – unsere Branche wird durch den Lockdown auf den Schwarzmarkt getrieben“, so Korn. „Im Salon haben wir eine elektronische Kontaktnachverfolgung, halten Abstand zu den Kund:innen, tragen durchgehend Masken und alles, was nicht als Einwegprodukt verfügbar ist, wird professionell desinfiziert. Deshalb gibt es auch keine nachgewiesenen Ansteckungen in den Salons“, so Korn weiter.

Foto: Pexels/Symbol

Januar-Hilfen können noch nicht beantragt werden

Die versprochenen Novemberhilfen sind vielerorts auch noch nicht angekommen. Die Auszahlungen laufen gerade erst an. Die Januarhilfen können derzeit noch nicht einmal beantragt werden. „Die Formulare sind schlicht noch nicht verfügbar. Und auch dann erwarten wir das Geld nicht vor März/April“, sagt Sven Korn. Dieses finanzielle Loch bricht vielen Friseur:innen das unternehmerische Genick. Die Unternehmen können versuchen, den Ausfall mit Krediten zwischenzufinanzieren – doch nicht jeder ist in dem Maße kreditwürdig. So gibt es bereits viele Friseur:innen, die ihre Salons nach dem Lockdown gar nicht wieder öffnen können. Sie geben auf.

Zur Petition auf OpenPetition.de

 

Sascha Neue

 

Unser Mobile Reporter hat bereits im ersten Lockdown zwei Salons besucht. Hier geht’s zum Video:

Wiedereröffnung heiß ersehnt – Mobile Reporter besucht zwei Salons

Copy LinkCopy LinkShare on MessengerShare on Messenger
Zur Startseite