Dass Tiere diverse positive Auswirkungen auf uns Menschen haben, ist mittlerweile bekannt und wird auch immer weiter erforscht. Körperlich sowie seelisch tun sie uns einfach gut. So kann der Umgang mit ihnen dafür sorgen, dass sich unsere Muskeln entspannen, der Blutdruck sinkt oder sich Aggressionen abbauen. Zudem sind Tiere Ablenkung und Beschäftigung, helfen Menschen, sich zu öffnen und werden daher auch gerne zu Therapiezwecken eingesetzt.

Eulen als Therapietiere 

„Nyx“ ist eine Choliba Kreischeule und das neueste Mitglied in der Familie der Seeleneulen. Foto: Gloria Saggau

Hunde, Pferde, Delfine oder sogar Lamas eignen sich hervorragend für solche tiergestützten Therapien. Und offenbar auch Eulen. Ja, genau – die nachtaktiven Vögel mit den großen Augen, die die meisten wohl nur aus dem Tierpark oder den Harry Potter-Filmen kennen. Zwischen Osnabrück und Münster – in Lienen – wurde vor etwa drei Jahren das Projekt „Seeleneulen“ ins Leben gerufen als Tom Rusdorf den „Falkner der Herzen“ Achim Häfner kennenlernte und von dessen Arbeit mit Vögeln in Hospizen so begeistert war, dass er ein ähnliches Projekt starten wollte. Also machte er seinen Falknerschein, die erste Eule kam zu ihm und es wurden nach und nach mehr. Heute nun besucht Rusdorf mit seinen handaufgezogenen, zahmen Therapie-Vögeln nicht nur Kinder- und Jugendhospize, Altenheime, Kindergärten oder Schulen – man kann seine Seeleneulen auch für Firmenfeiern, Geburtstage oder Hochzeiten buchen. Und mitten in Hamburg durften wir zum Beispiel hautnah miterleben, wie gestresste Großstädter mithilfe der Eulen ihren Alltag hinter sich lassen und ihnen einfach nur ein großes Lächeln ins Gesicht gezaubert wurde.

Einsatzgebiet bis nach Schleswig-Holstein

Die neun Eulen – und sogar ein Rabe – werden von Rusdorf auf dem Land in Volieren gehalten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen festgelegt, wie diese Vogelkäfige ausgestattet, eingerichtet und wie groß sie sein müssen. Laut Rusdorf würden seine Volieren die Mindestgröße sogar überschreiten, alle zwei bis drei Tage bekämen die Tiere Freiflug und in die sogenannte Anbindehaltung kämen die Tiere nur, wenn ihr mit ihnen unterwegs ist – was dann auch zum Schutz der Eulen selbst geschieht. Das grobe Einsatzgebiet der Seeleneulen umfasst einen Umkreis von 400 Kilometer. Niedersachsen, Bremen, Hamburg und auch Schleswig-Holstein wären damit abgedeckt. Anfragen kämen zwar auch aus dem süddeutschen Raum, doch für Rusdorf mache es keinen Sinn, mit den Tieren stundenlang auf der Autobahn unterwegs zu sein, das würde nur in Stress ausarten. Apropos: Kann das alles nicht auch mal zu viel werden für die Eulen? Tom Rusdorf antwortet:


Mögen Eulen überhaupt gestreichelt werden?

Wer an Eulen denkt, würde jetzt nicht unbedingt als erstes auf die Idee kommen, dass die Tiere verschmust sein könnten. Rusdorf wisse aber von seinen Tieren, dass diese den Kontakt zu Menschen bewusst suchen. So sei ihm ein Besuch bei einer älteren Patientin besonders im Gedächtnis geblieben, als Chaco-Waldkauz „Mumbles“ unbedingt bei der Dame von einer Schulter auf die andere krabbeln wollte. Er hat das Tier gewähren lassen und Mumbles habe sofort seinen Kopf an ihren geschmiegt. Am Ende saßen beide mit geschlossenen Augen für eine halbe Stunde einfach nur da. Später habe Rusdorf erfahren, dass die Frau an besagter Kopfseite einen schweren Gehirntumor besaß. „Es ist nicht zu begründen mit einem natürlichen Verhalten von einem Raubvogel und es sind und bleiben Raubvögel – und sie werden nach wie vor auch noch so behandelt von mir“, so Rusdorf. Trotzdem würde nicht nur diese Situation zeigen, wie feinfühlig und sensibel die Tiere doch sind und wie sie auf ihr Gegenüber reagieren.

Weißgesichtseule „Jakob“ genießt die Streicheleinheiten ganz offensichtlich. Foto: Gloria Saggau

Respekt im Umgang mit den Tieren schulen

„Ich bin da schon relativ wunschlos glücklich und bin gerne mit den Eulen unterwegs“, ist die Antwort Rusdorfs auf die Frage, was er sich künftig für das Projekt wünsche. Der Bekanntheitsgrad müsse sich gar nicht unbedingt steigern. Ihm gehe es vielmehr darum, Interessierte mit seinen Seeleneulen zu erreichen und ihnen ein Lächeln zu schenken. Auch der Umgang mit ihnen und der Respekt den Tieren gegenüber würde er gerne schulen.

„Das, was er gesehen und vielleicht sogar mal habe berühren können, ist für den Menschen oft erhaltenswerter als wenn er die 22.000. Doku im Fernsehen sieht.“ Daher gehe er auch besonders gerne in Kitas oder Schulen, um das schon den Kleinsten mit auf den Weg zu geben. Pauschalpreise für Buchungen der Seeleneulen gibt es nicht. Einfach eine Anfrage über das Kontaktformular schicken und man würde dann schon Mittel und Wege finden. Hospize und Palliativstationen besucht Rusdorf allerdings ehrenamtlich. „Dafür möchte ich einfach kein Geld nehmen, da möchte ich einfach nur das Herz schenken.“

 

Gloria Saggau

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