Streit um Lockdown an Uni Hamburg: Offener Brief an Präsidium und Online-Petition gestartet

Blick in einen Hörsaal der Universität Hamburg. Foto: Ulrich Perrey/dpa/Archiv

Mehr als 30 Dozenten verschiedener Fakultäten der Universität Hamburg haben sich gegen ein coronabedingt fast ausschließlich digitales Wintersemester ausgesprochen. In einem am Mittwoch verbreiteten offenen Brief forderten sie das Präsidium der Uni auf, „die geplanten Präsenzveranstaltungen im vollen Umfang zu ermöglichen“. Dies müsse „selbstverständlich auf Grundlage der entwickelten Schutzkonzepte“ geschehen.

Verordnung lasse der Uni-Leitung keinen Ermessensspielraum

Das Präsidium wies die Forderungen zurück. Die Kritik an der Entscheidung sei unberechtigt, da die Hamburger Corona-Eindämmungsverordnung der Uni-Leitung keinen Ermessensspielraum lasse. Zudem sei der Sinn des für den Monat November von Bund und Ländern vereinbarten Teil-Lockdowns, „den alarmierenden Skalierungsprozess bei den Infektionsraten zu unterbrechen, wozu auch die Hochschulen ihren Beitrag zu leisten haben“.

Online-Petition: Geplante Präsenzlehre ermöglichen

In den letzten Monaten sei viel Arbeit in die Erstellung von Hygienekonzepten investiert worden, betonten hingegen die Dozenten, die ihrer Forderung auch mit einer Online-Petition Nachdruck verleihen wollen. „So sind für Seminare mit 20-30 Teilnehmern Hörsäle mit mehreren Hundert Sitzplätzen beplant worden.“ Zudem seien Begegnungen das beste Mittel gegen Vereinsamung, Frustration und Stress.

Studierende und Akademischer Senat nicht in Entscheidung mit einbezogen

Die grün-alternative Hochschulgruppe CampusGrün monierte, dass weder die Studierenden und noch nicht einmal der Akademische Senat als höchstes Gremium der akademischen Selbstverwaltung in die Entscheidung einbezogen worden seien. „Diese Entscheidung zeugt somit eher von einer panischen Simulation von Handlungsfähigkeit als von einer rationalen Abwägung, wie es für eine Universität eigentlich selbstverständlich sein sollte.“

Katharina Fegebank hatte es in Pressekonferenz anders angekündigt

Wie die Dozenten verwies auch CampusGrün darauf, dass Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) noch am Freitag vergangener Woche erklärt hatte, dass auch im Teil-Lockdown an dem geplanten Hybridsemester festgehalten werden und so viel Präsenzunterricht wie möglich an den Hamburger Hochschulen stattfinden solle.

Hier können Sie sich diese Pressekonferenz (unter anderem mit Katharina Fegebank) noch einmal in voller Länge ansehen (ab 18:38min. spricht Katharina Fegebank über das Wintersemester 2020/2021): 

Nur Bibliotheken sollen geöffnet bleiben

Am Montag hatte Uni-Präsident Dieter Lenzen dann mitgeteilt, dass alle Vorlesungen und Seminare digital stattfinden müssen. Auch der Sportbetrieb werde eingestellt. Botanischer Garten, Museen, Sammlungen und Archive würden geschlossen. Nur die Bibliotheken sollen geöffnet bleiben und Studierenden in begrenztem Umfang Arbeitsplätze bieten.

CDU setzt sich ebenfalls für Präsenzvorlesungen ein

Auch die CDU macht sich für Präsenzveranstaltungen an den Hamburger Hochschulen stark. In einem Antrag für die Bürgerschaftssitzung in der kommenden Woche fordert sie den Senat auf, auch im Wintersemester regelmäßige soziale Kontakte und speziell für die Erst- und Zweitsemester besonders viele Präsenzveranstaltungen zu ermöglichen.

Ersatz für Semester-Anfangspartys gefordert

Auch für Semester-Anfangspartys, die auf absehbare Zeit nicht möglich seien, müsse es Ersatz geben, um ein Kennenlernen und das Knüpfen von sozialen Netzwerken zu ermöglichen, erklärte die Wissenschaftsexpertin der CDU-Fraktion, Anke Frieling. Die Corona-Pandemie mache dies im Wintersemester „besonders schwierig, aber keinesfalls unmöglich“, betonte sie. „Schulen und Kindergärten sind weiter geöffnet, in vielen Unternehmen wird hybrid gearbeitet – nur an den Universitäten und Hochschulen setzt man ausschließlich auf digitales Arbeiten – warum?“

Mit dpa

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