Sonnencreme: Warum UV-Schutz für Babys und Kinder so wichtig ist

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Der Winter war lang und dunkel – viele Nordlichter sehnen sich nun wieder nach der Sonne und können gar nicht genug bekommen von den wärmenden Strahlen. Doch wie immer gilt: Die Dosis macht das Gift. Sonnenlicht ist wichtig für das allgemeine Wohlbefinden und hilft bei der Produktion von Vitamin-D. Zu viel davon führt allerdings zu Sonnenbrand und im schlimmsten Fall zu Hautkrebs. Das Thema Sonnenschutz spielt nahezu im gesamten Jahr eine Rolle. Wolken schützen nicht vor der Strahlung. Dermatologen predigen daher: eincremen, eincremen, eincremen.

Drogeriemarkt, Apotheke oder Discounter?

Klar ist: Ein Produkt kann noch so gut sein – wenn zu wenig davon aufgetragen wird, kann sich kein ordentlicher Schutz aufbauen. Eine Creme beziehungsweise Lotion ist laut Dermatologen empfehlenswerter als ein Spray und die gute Nachricht: Die Qualität des Sonnenschutzes hängt nicht vom Preis, sondern vielmehr von den Inhaltsstoffen ab. Auch sollte man seine Hautbeschaffenheit beachten: Menschen mit trockener Haut sind mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme gut beraten (zum Beispiel mit Vitamin E = Tocopherol) und ein fettfreies Gel wiederum eignet sich eher für Akne-Haut. Außerdem unterscheiden Hautärzte zwischen sechs verschiedenen Hauttypen: von sehr hell bis sehr dunkel. Je dunkler die Haut, desto mehr Melanin ist vorhanden und desto besser kann sie sich für einen gewissen Zeitraum vor UV-Strahlung oder einem Sonnenbrand schützen. Eine grobe Orientierung bietet folgende Formel:

Sehr helle Hauttypen haben in der Regel eine Eigenschutzzeit von unter zehn Minuten, bei sehr dunklen Hauttypen liegt sie bei über 90 Minuten – aber auch das sind nur grobe Richtlinien. Außerdem sollte der UV Index bekannt sein. Je höher dieser ist, desto stärker ist die Strahlungsintensität der Sonne und desto schneller kann demnach ein Sonnenbrand auftreten. Der Wert bedeutet überall auf der Welt das gleiche. Die täglichen UV-Prognosen geben zum Beispiel der Deutsche Wetterdienst (DWD) und das Bundesamt für Strahlenschutz bekannt, aber auch die gängigen Wetter-Apps auf Ihrem Smartphone helfen weiter.

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz

Gibt es gute und schlechte UV-Filter?

Das Thema UV-Filter ist umstritten und auch das Internet sorgt dafür, dass viele Mythen umhergeistern. „Man kann zunächst einmal nicht pauschal von guten und schlechten Filtern sprechen“, sagt Prof. Dr. med. Marc A. Radtke, Facharzt für Dermatologie am Dermatologikum Hamburg. Vielmehr müsse man erst einmal die unterschiedlichen Wirkungsweisen der Filter kennen – es gibt mineralischen und chemischen Schutz. Hier ein kurzer Überblick:

  • Mineralische/anorganische/„physikalische“ Filter:
    • es gibt nur zwei von ihnen: Titaniumdioxid und Zinkoxid – auf der Packung steht dann: „Titanium Dioxide“ oder „Zinc Oxide“
    • dringen nicht in die Haut ein, sondern reflektieren das Sonnenlicht auf der Haut
    • sind häufig in Naturkosmetik zu finden (oder in Produkten für Kinder, aber dazu später mehr)
    • hinterlassen einen weißen Film auf der Haut (es sei denn, es sind sogenannte Nanopartikel enthalten, aber auch dazu später mehr)

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  • Chemische/organische Filter:
    • dringen in die obersten Hautschichten ein und wandeln die UV-Strahlen dort in Wärme um
    • einige stehen im Verdacht, den Körper oder die Umwelt zu schädigen

Ob man sich nun mit mineralischen oder chemischen Filtern eincremen möchte, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Laut Deutscher Haut- und Allergiehilfe gibt es dazu auch keine eindeutige Expertenmeinung. Neuere Produkte setzen auf eine Kombination aus beidem, was erfolgversprechend zu sein scheint. „Solche Sonnenschutzmittel zeigen in der Regel weniger unerwünschte Wirkungen und erreichen eine hohe Schutzleistung“, sagt die DHA.

Eine etwas deutlichere Meinung hat hingegen die niederländische Forschungsärztin auf dem Gebiet der kosmetischen Dermatologie, Dr. Jetske Ultee. Sie findet zwar auch, dass es immer noch besser sei, „sich mit einem schlechteren Produkt einzucremen als überhaupt nicht“, aber sie unterscheidet schon zwischen „guten“ Filtern und solchen, die Sie ihrer Meinung nach lieber meiden sollten. Letztere können möglicherweise hormonell wirksam sein, die Haut reizen, Allergien auslösen oder äußerst umweltschädlich sein, wenn sie beim Schwimmen im Meer landen. Octinoxat und Oxybenzon beispielsweise sollen das Bleichen und Absterben von Korallen begünstigen. Sonnencremes mit diesen Inhaltsstoffen werden daher ab 2020 auf Palau (Inselgruppe im Pazifik) und auf Hawaii ab 2021 gesetzlich verboten sein. Eine Liste mit „guten“ und „schlechten“ Filtern laut Dr. Jetske Ultee finden Sie hier. Außerdem hat die Forschungsärztin Cremes getestet und auch diese in einer Liste online veröffentlicht.

Babys und Kinder haben in der Sonne nichts verloren

Sonnenschutz für Kinder ist noch einmal ein ganz eigenes Kapitel. Für Babys und Kleinkinder sollte die direkte Sonne tabu sein, denn der Eigenschutz der Haut muss sich erst noch entwickeln. Innerhalb des ersten Lebensjahres sollte die empfindliche Haut zudem nicht mit Cremes oder Lotionen belastet werden.

Lässt sich ein Aufenthalt in der Sonne absolut nicht vermeiden, sind entsprechende Schutzkleidung von Kopf bis Fuß (Nackenschutz, Sonnenbrillen, Hüte, Schuhe, usw. mit Gütesiegel) und speziell für Kinder entwickelte und mineralische Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor unabdingbar. Seine Kinder aus Angst vor einem drohenden Vitamin-D-Mangel oder den in Lotionen enthaltenen Filtern nicht einzucremen, ist laut Dermatologe Prof. Dr. med. Marc A. Radtke verantwortungslos. Viel schlimmer sind die Lichtschäden in der frühen Kindheit und Jugend, denn gerade diese begünstigen die Entstehung von Hautkrebs.

Was hat es mit Nanopartikeln auf sich?

Wie wir bereits gelernt haben, sieht die Haut nach dem Eincremen mit mineralischen Filtern oft sehr weiß aus, was nicht gerade beliebt ist. Um das zu umgehen, haben sich Hersteller etwas einfallen lassen: „Sie zerschneiden die Wirkstoffe in mikroskopisch kleine Partikel und machen die Creme somit transparenter. Diese Technik wird Nanotechnologie genannt und ist nicht unumstritten“, weiß Forschungsärztin Dr. Jetske Ultee. Dem Thema Nanoteilchen und der Frage, wie sicher Zinkoxid und Titandioxid sind, widmet sie in ihrem Blog auch noch einmal eine eigene Seite. Für Toxikologen sei sowieso das Einatmen der Teilchen das größte Risiko.

Foto: Jörg Brinckheger/pixelio.de

Prof. Dr. med. Marc A. Radtke sagt: „Die Nanopartikel, die derzeit Verwendung finden, begünstigen die Wirksamkeit und können derzeit als unbedenklich eingestuft werden.“ Fakt ist, seit 2009 müssen sie auf Produkten laut EU-Verordnung 1223/2009 immerhin gekennzeichnet werden: „Alle Bestandteile in der Form von Nanomaterialien müssen eindeutig in der Liste der Bestandteile aufgeführt werden. Den Namen dieser Bestandteile muss das Wort „Nano“ in Klammern folgen.“

Hier sehen Sie das Interview mit Prof. Dr. med. Marc A. Radtke vom Dermatologikum Hamburg in voller Länge:

Gloria Saggau

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