Schwimmen in Zeiten von Corona: Was muss ich beim Baden beachten?

Mit steigenden Temperaturen wächst bei vielen der Wunsch nach einem Sprung ins kühle Wasser. Foto: Pixabay

Endlich, die Sonne lacht und auch die Temperaturen sind in den vergangen Tagen so richtig sommerlich gewesen. Am Wochenende werden zahlreiche Badegäste an Nord- und Ostsee erwartet. Hinzu kommt der Start der Schulferien nächste Woche in Hamburg und Ende Juni in Schleswig-Holstein. Dann heißt es – ab ins kalte Nass! Es locken Freibad, Badesee und Meer, um sich abzukühlen. Aber Corona stellt zurzeit das Leben von jedem Einzelnen auf den Kopf. Was bisher selbstverständlich war, wirft jetzt große Fragen auf. So auch der Besuch im Freibad oder am Badesee. Aber wie ist das? Können wir trotz Corona gefahrlos schwimmen gehen? Und was muss beim Schwimmbesuch alles beachtet werden?

Wann kann ich wo Baden gehen?

Nach wochenlangem Verzicht wegen der Corona-Pandemie können die Sportler*innen und Früh-Schwimmer in Niedersachsen seit dem 25. Mai wieder loslegen. Allerdings müssen die Betreiber Auflagen zur Anzahl der Badbesucher und zu Abstands- und Hygieneregeln beachten. Angesichts der Lockerungen nach dem Corona-Stillstand haben kommunale Spitzenverbände vom Land klare Auflagen und Mindeststandards für Freibäder verlangt. Die Schwimm- und Spaßbäder im Land Bremen haben seit dem 1. Juni wieder geöffnet. In Schleswig-Holstein und Hamburg ist der Badebetrieb bereits in vollem Gange, allerdings unter strengen Abstand- und Hygienebestimmungen. Auch hier mussten die Betreiber entsprechende bauliche und organisatorische Maßnahmen ergreifen.

Kann das Coronavirus im Wasser übertragen werden?

Viele fragen sich jetzt aber vorab: Ist es nicht gefährlich in Zeiten von Corona schwimmen zu gehen? Vom Wasser selbst geht eine geringere Infektionsgefahr aus als vom Kontakt zu anderen Menschen – darüber sind sich Wissenschaftler größtenteils einig. Bisher gibt es nach Angaben der WHO (Weltgesundheitsorganisation) keine Hinweise darauf, dass das SARS-Coronavirus-2 über den Wasserweg übertragen wird.

Nach Angaben der WHO (Weltgesundheitsorganisation) gibt bisher keine Hinweise darauf, dass das SARS-Coronavirus-2 (SARS CoV-2) über den Wasserweg übertragen wird, Hauptübertragungsweg ist die direkte Tröpfcheninfektion im Nahbereich. Symbolfoto: Pixabay

Eine Übertragung des Coronavirus erfolgt nach derzeitigem Wissensstand des Umweltbundesamtes vor allem über den direkten Kontakt zwischen Personen oder kontaminierte Flächen. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung im Schwimmbad ist daher mit anderen Orten im öffentlichen Raum vergleichbar. Das Virus kann somit übers Schwimmbadwasser nicht übertragen werden – zum Beispiel wegen des Chlors im Wasser. Denn die Schwimmbecken sind schon seit Langem gut gegen alle Viren, einschließlich Coronaviren, geschützt. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass es sich bei Coronaviren um behüllte Viren handelt. Die sind Viren mit einer ganz empfindlichen Lipidhülle, die leicht zerstört werden kann. Daraus ergibt sich auch die Empfindlichkeit gegenüber Chlor und anderen Desinfektionsmitteln.

Ist Schwimmen in Badeseen und im Meer angesichts des Coronavirus gefährlich?

Das Vorkommen von Coronaviren in Badegewässern durch infizierte Personen ist zwar möglich, ob auf diesem Weg eine Ansteckungsgefahr besteht, ist jedoch nicht geklärt. Das Abtauchen in den Fluten von Nord- und Ostsee oder von größeren Badeseen sei allerdings unbedenklich. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist unter anderem wegen der Verdünnung im Wasser äußerst gering. Also, selbst wenn jemand Viren im Speichel hat und den Speichel in das Wasser abgibt, ist der Verdünnungseffekt des Wassers so groß, dass man extrem wenig Viren aufnehmen würde. Steigende Wassertemperaturen und erhöhte Sonneneinstrahlung im Sommer sollen zudem zu einer noch stärkeren Inaktivierung der möglicherweise im Wasser enthaltenen Viren führen. Generell hat das Virus vermutlich keine lange Überlebenszeit in Wasser.

Bei Badeseen und Flüssen verhält es sich ähnlich. Dazu erklärt der Kieler Infektionsmediziner Fickenscher: „Aber natürlich ist bei fließenden Gewässern davon auszugehen, dass die Verdünnung schneller passiert als in stillen Gewässern wie Seen oder Badeteiche – und damit das Ansteckungsrisiko im Wasser selbst geringer ist.“

Was muss ich im Freibad beachten?

Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. hat dazu bereits einen Leitfaden erstellt, der den Sportler*innen als Orientierung dienen soll. Aufgrund der dynamischen Situation und der Vielzahl an zu berücksichtigenden Faktoren, will der Verband auch in den nächsten Wochen an weiteren Teilen des Leitfadens arbeiten.

Beim Schwimmen von Bahnen ist ein Abstand von drei Metern zwischen den Sportler*innen einzuhalten. Ausnahmsweise kann der Abstand auf mindestens zwei Meter reduziert werden, wenn es sich um eine Trainingsgruppe mit annähernd gleicher Leistung handelt.

Das Infektionsrisiko außerhalb des Wassers sei deutlich größer. Beim Anstehen an der Kasse, in der Umkleide, den Duschen und natürlich auf der Liegewiese. Symbolfoto: Pixabay

Aber die Freibäder wollen auch für ihren sommerlichen Badebesuch endlich ihre Tore öffnen. „Es geht im Wesentlichen darum, dass eine Infektion durch Berührungen möglich ist. Daher muss der Abstand in jedem Fall gewahrt werden“, erklärt LSN-Präsident Wolfgang Hein. In Sachen Hygienemaßnahmen, Umkleiden und Eingangsbereich hat die Deutsche Gesellschaft fürs Badewesen auch hier bereits ein Konzept erarbeitet. Hein weist daraufhin, dass man zum Beispiel von einer Zehn-Quadratmeter-Regel pro Besucher*in ausgehen könne. Die maximale Besucherzahl ergibt sich dabei aus der Anzahl der zur Verfügung stehenden Garderobenschränke.

Das Infektionsrisiko außerhalb des Wassers ist deutlich größer. Beim Anstehen an der Kasse, in der Umkleide, den Duschen und natürlich auf der Liegewiese – immer dann, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wird. Auch für die Besucher*innen gilt: Abstand halten ist das Wichtigste. Badetücher auf Liegewiesen dicht an dicht sind die eigentliche Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken. „Es ist auch weniger riskant, im Freien zu schwimmen als in Hallen, da Aerosole als Übertragungswege im Freien praktisch keine Rolle spielen. Und das größte theoretische Ansteckungsrisiko lauert wegen der Feuchte und den Aerosolen dort, wo Duschen in Sanitärräumen zu eng nebeneinander stehen“, erklärt Fickenscher.

Wann sollte ich nicht Schwimmen gehen?

Beim Baden spielt insbesondere die Einhaltung der Abstandsregeln eine besondere Rolle, das heißt viele Badende in einem kleinen Gewässer sollten nicht toleriert werden. Eine Grundregel sollten die fiebernden Badegäste zudem einhalten: Wer an Atemwegsinfekten oder Durchfall leidet, sollte grundsätzlich nicht baden gehen. Denn dadurch werden andere nur unnötig gefährdet: „Dies gilt völlig unabhängig davon, um welche potenziellen Krankheitserreger es sich im Einzelnen handelt“, so das Umweltbundesamt.

DLRG warnt vor unbewachten Badestellen

Ein ungestörtes Plätzchen zum Schwimmen – gerade in der Corona-Krise suchen sich viele Menschen abseitige Badestellen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sieht darin eine Gefahr. Sie warnte vor der Benutzung von unbewachten Badestellen. Die Organisation befürchtet, dass die Schwimmfertigkeit durch die wochenlang geschlossenen Schwimmbäder und die ausgefallenen Schwimmkurse gesunken ist. Da Freibäder nicht wie gewohnt zugänglich seien und Menschen wegen Corona Abstand suchten, ziehe es viele Menschen an offene Badestellen, sagte Frank Villmow aus dem DLRG-Präsidium. Die Gefahr zu ertrinken, sei dort höher als in Gewässern, die von Rettungsschwimmern überwacht werden.

 

Marit Langschwager

 

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