Senat sieht sich durch Nein zu Olympia nicht beschädigt

Am Tag nach dem gescheiteren Olympia-Referendum steht der Senat Rede und Antwort.  Georg Wendt/dpa
Am Tag nach dem gescheiteren Olympia-Referendum steht der Senat Rede und Antwort. Georg Wendt/dpa

Hamburg (dpa/lno) –

Trotz der klaren Niederlage beim Olympia-Referendum sieht sich Hamburgs rot-grüner Senat in seiner Politik grundsätzlich bestätigt. Zwar äußerte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erneut sein Bedauern über das gescheiterte Referendum über eine Bewerbung der Hansestadt für Olympische und Paralympische Spiele. «Gleichwohl war es wichtig, diese grundlegende Entscheidung für die Zukunft unserer Stadt in die Hände der Bürgerinnen und Bürger zu legen.» 

Und wenn man eine Frage stelle, «kann man sich nachher nicht über die Antwort beklagen». Als der Senat sich für ein Referendum entschieden habe, sei allen bewusst gewesen, «dass die Skepsis gegenüber Olympia in Hamburg größer ist als in vielen anderen Städten Deutschlands», sagte der SPD-Politiker. 

Tschentscher: Haben keine «300.000 Sportfeinde» in der Stadt

Beschädigt sieht sich der Bürgermeister nicht. Er habe sich im Vorfeld des Referendums «sehr unterstützt» gefühlt, «bei den Zielen, die wir ja mit Olympia verbunden haben». Dass die Nein-Sager beim Referendum deutlich in der Mehrheit waren, heiße für ihn auch nicht, «dass wir 300.000 Sportfeinde jetzt alle gegen Olympia hatten, sondern die haben ihre eigenen Ideen, was prioritär ist». Wichtig sei, dass nun Transparenz hergestellt worden sei. 

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank zeigte sich auch am Tag nach dem Referendum sehr enttäuscht. Gleichzeitig verteidigte sie aber den vom Senat eingeschlagenen Weg eines Referendums, dessen mögliches Scheitern allen bewusst gewesen sei. «Risikominimierung als politische Leitlinie, das kann nicht unser Anspruch sein und mein Anspruch ist es schon gar nicht», sagte die Grünen-Politikerin. Die Sachentscheidung ändere nichts daran, dass die Koalition eng beieinander sei und noch viel vorhabe. Sie hoffe, dass die Entscheidung vom Sonntag einen Schub gebe, «Themen wie saubere Mobilität, wie ambitionierten Klimaschutz, aber natürlich auch moderne Sportstätten nochmal richtig nach vorne zu bringen».

Vor allem «reichere» Stadtteile stimmten für Olympia 

Bei der Abstimmung entschieden sich statistisch vor allem eher vermögende Leute für Olympische Spiele. Zumindest haben die Experten des Statistikamts Nord festgestellt, dass in den 20 Stadtteilen mit den verhältnismäßig höchsten Durchschnittseinkommen 55,6 Prozent für Olympische Spiele gestimmt haben, während in den 20 Stadtteilen mit den verhältnismäßig geringsten Einkommen 59,5 Prozent dagegen waren.

Die größte Zustimmung mit 62,2 Prozent gab es den Angaben zufolge in der Hafencity. Danach folgten mit 61,4 beziehungsweise 58,9 Prozent Nienstedten und Blankenese. Die größte Ablehnung gab es mit 77,7 Prozent auf der Veddel, dem Kleiner Grasbrook und in Steinwerder. Ebenfalls mit mehr 70 Prozent votierten die Bewohnerinnen und Bewohner der Sternschanze und von Altona-Altstadt gegen Olympia.

Stadion kommt – auch ohne Olympia

Neben dem Bürgermeister und der Zweiten Bürgermeisterin betonte auch Sportsenator Andy Grote, das Projekte, die mit der Olympia-Bewerbung verbunden waren, fortgeführt werden sollen. So auch das geplante neue Stadion neben dem Volksparkstadion. «Wir haben ja vorher gesagt, und daran halten wir auch fest, dass wir dieses Stadion auf jeden Fall realisieren wollen», sagte der SPD-Politiker. 

Es wäre natürlich mit Olympia einfacher gewesen, private Kapitalgeber von dem Projekt zu überzeugen, sagte er. «So müssen wir mal gucken, wie sich das immer auch in der Psychologie nach so einem Referendum entwickelt.»

NOlympia sieht nun Raum für Investitionen in den Breitensport

Die NOlympia-Initiative und die Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft setzten nun auf Investitionen in den Breitensport. «Das Geld für Olympia wäre da gewesen, und (…) da werden wir jetzt Vorschläge machen, wofür das Geld ausgegeben werden kann», sagte der sportpolitische Sprecher Martin Wolter. Konkret nannte er neue Sportstätten, die Modernisierung von Sportstätten und das Thema Inklusion. Das Ziel sei, Hamburg zur Barriereärmsten Stadt in Deutschland zu machen.

«Das Nein zu Olympia ist ein Votum für mehr Ausgaben in Turnhallen, Sportplätze und Schwimmhallen, von denen alle einen Nutzen haben, und gegen eine Vorstadtarena, die nahezu ausschließlich kommerziellen Interessen einzelner dient», sagt der Sprecher der NOlympia-Initiative, Eckart Maudrich. «Das Nein bedeutet auch, dass wir in Hamburg keinen nachvollziehbaren Rechtfertigungsgrund für eine steuerbefreiende Ewigkeitsgarantie von profitorientierten Vereinen wie dem IOC erkennen können.»

© dpa-infocom, dpa:260601-930-158881/1

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