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Dass Extremistinnen beziehungsweise Extremisten in sozialen Medien aktiv sind, ist vielen bekannt. Dass sie aber auch bei Online-Games und den dazugehörigen Plattformen ihr Gedankengut verbreiten, darauf macht jetzt der Niedersächsische Verfassungsschutz aufmerksam. Er will virtuelle Netzwerke und die dortigen Aktivitäten noch stärker ins Visier nehmen – ohne die Gaming-Szene zu stigmatisieren. Doch die Öffentlichkeit müsse für das Thema sensibilisiert und über extremistische Gefahren aufgeklärt werden.

Über die Hälfte der Deutschen spielt laut Game-Verband der deutschen Games-Branche Computer- und Videospiele. Frauen und Männer sind dabei gleichermaßen stark vertreten, mit einem Altersdurchschnitt von 37,4 Jahren. Aber auch in höheren Altersklassen wird gezockt: Die sogenannten Silver Gamer machen rund ein Drittel der gesamten Spielerschaft in Deutschland aus. Besonders im Corona-Jahr 2020 seien Videospiele für viele eine willkommene Ablenkung gewesen und rund fünf Prozent mehr Menschen in Deutschland haben sie laut der GfK-Marktforschungsdaten für sich neu entdeckt.

Auch Extremisten tummeln sich auf Gaming-Plattformen

Gaming ist längst eine Art gesamtgesellschaftliches Phänomen geworden in Deutschland. „Es verwundert daher nicht, dass auch Extremistinnen und Extremisten Spiele und die dazugehörigen Plattformen nutzen“, betont der Niedersächsische Verfassungsschutzpräsident, Bernhard Witthaut. Dabei gehe es sowohl um das Verbreiten von extremistischen Inhalten sowie Propaganda als auch um das Anwerben neuer Mitglieder. „Ich möchte aber auch deutlich sagen, dass die große Mehrheit der Gaming-Community extremistisches Gedankengut ablehnt, gerade im Zusammenhang mit Gewalt.“

Laut Game-Verband spielen genauso viele Frauen wie Männer in Deutschland Computer- und Videospiele. Foto: Pexels/RODNAE Productions/Symbol

Auf Spieleplattformen werden extremistische Inhalte weniger erwartet

Extremistinnen und Extremisten wollen durch das gemeinsame Erlebnis des Spielens und die gemeinsame „Sprache“ Misstrauen überwinden, so der Verfassungsschutz. Zum Teil werden sie so erst gar nicht als extremistisch wahrgenommen. Verstärkend komme hinzu, dass auf den spieleorientierten Plattformen die Konfrontation mit extremistischen Aussagen und Haltungen überhaupt nicht erwartet werde. Unter dem Vorwand des Gamings verschaffen sich Extremistinnen und Extremisten so eine Gelegenheit des vermeintlich unbefangenen Dialogs, den sie in dieser Form in klassischen sozialen Netzwerken oder in der Realität nicht hätten.

Eigene Sprache und Codes zur Wiedererkennung untereinander

Auf Imageboards, Gaming-, Video- oder Streaming-Plattformen können Extremistinnen und Extremisten daher sehr gut über die vielschichtigen Kommunikationskanäle wirken – ohne groß aufzufallen. Gegenseitig erkennen sie sich dabei aber sehr wohl, weil sie eine eigene Sprache und Codes benutzen – in Profilbildern, in der Namens- oder Gruppenbenennung. Auch wenn Spieleinhalte oder gar ganze Welten selbst gestaltet werden können, nutzen Extremistinnen und Extremisten das für ihre Zwecke, um beispielsweise verbotene Kennzeichen einzubauen. Selbst durch bestimmte Posen von Spielfiguren im Game selbst können sich Gleichgesinnte untereinander erkennen.

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Auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum

„Wir wollen die Gaming-Szene nicht stigmatisieren“, betont Bernhard Witthaut, „aber wir nehmen auch virtuelle Netzwerke, wie die spieleorientierten Plattformen und die dortigen Aktivitäten von Extremistinnen und Extremisten noch intensiver in den Blick.“ Es gehe um die Information und Aufklärung der Öffentlichkeit über extremistische Gefahren und Entwicklungen. „Wir müssen für das Thema sensibilisieren und die Protagonistinnen und Protagonisten und ihre Methoden extremistischer Stimmungsmache identifizieren, um auch ein Bewusstsein zu schaffen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum und keine Bühne für Verfassungsfeinde sein darf.“

Screenshots machen und extremistische Inhalte melden

Bei akuter Gefahr sollte wie immer der Polizeinotruf 110 gewählt werden. Um mögliche Beweise zu sichern, sollten Screenshots von Chatverläufen, Bildern oder Streams gemacht und abgespeichert werden. Diese können bei der Polizei über die Online-Wache gemeldet werden. Wenn vorhanden, kann für solche Situationen auch die Meldefunktion der jeweiligen Plattform genutzt werden. Daneben gibt es auch zivile Meldestellen wie „respect!“ oder „Zivile-Helden“. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz hat eine Meldefunktion, wo jederzeit extremistische Inhalte gemeldet werden können. Das Hinweistelefon ist rund um die Uhr erreichbar. Von montags bis freitags ist in der Zeit von 9 Uhr bis 15 Uhr auch ein Gespräch auf Türkisch oder Arabisch möglich.

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Gloria Saggau

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