Zuzahlungen für Pflege in norddeutschen Heimen steigt weiter

Für Pflegebedürftige im Heim ist der Eigenbeitrag trotz neuer Entlastungszuschläge in Norddeutschland deutlich gestiegen.

Ein Betreuer geht in einem Pflegeheim mit einer Bewohnerin über den Flur. Foto: Bernd Weißbrod/dpa/Symbolbild

Schleswig-Holstein

Zum 1. Januar waren im ersten Jahr im Heim in Schleswig-Holstein im Landesdurchschnitt 2.406 Euro pro Monat aus eigener Tasche fällig, wie eine Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) ergab. Das waren 426 Euro mehr als am 1. Januar 2022.

Ein Heimplatz in Schleswig-Holstein kostet fast soviel wie im Bundesdurchschnitt, wo es 2.411 Euro pro Monat sind – 278 Euro mehr als Anfang 2022. Hintergrund der Steigerungen sind nach Angaben des Ersatzkassenverbands vor allem höhere Kosten für Lebensmittel und Personal.

Die Entlastungszuschläge steigen mit längerem Heimaufenthalt und dämpfen die Kostenzuwächse dann jeweils stärker. Auch mit dem höchsten Zuschlag, den es ab dem vierten Jahr im Heim gibt, stieg die Zuzahlung in Schleswig-Holstein im Jahresvergleich um 180 auf nun 1.671 Euro pro Monat und im bundesweiten Schnitt um 130 auf 1.671 Euro.

In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt – anders als die Krankenversicherung – nur einen Teil der Kosten. Für Heimbewohner:innen kommen dann noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen hinzu.

Hamburg

Zum 1. Januar waren im ersten Jahr im Heim in Hamburg im Schnitt monatlich 2.296 Euro fällig – 168 Euro mehr als Anfang 2022, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen ergab. Hintergrund seien besonders höhere Kosten für Lebensmittel und Personal infolge einer inzwischen greifenden Tarifbezahlungspflicht.

Auch mit dem höchsten Zuschlag, den es ab dem vierten Jahr im Heim gibt, stieg die Zuzahlung in Hamburg um 70 Euro auf nun 1.684 Euro, wie aus den Daten hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Ohne Zuschläge lägen die Zuzahlungen im Schnitt bei 2.343 Euro – 175 Euro mehr als im Vorjahr.

Niedersachsen und Bremen

Zum 1. Januar waren im ersten Jahr im Heim im Landesdurchschnitt in Niedersachsen 2.193 Euro pro Monat aus eigener Tasche fällig, wie eine Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen ergab. Das waren 381 Euro mehr als am 1. Januar 2022. In Bremen waren es 2.251 Euro und damit 136 mehr als ein Jahr zuvor.

Auch mit dem höchsten Zuschlag, den es ab dem vierten Jahr im Heim gibt, stieg die Zuzahlung in Niedersachsen im Jahresvergleich um 195 auf nun 1.549 Euro pro Monat und im bundesweiten Schnitt um 130 auf 1.671 Euro. An der Weser stieg der Betrag um 62 auf 1.664 Euro.

„Es ist völlig richtig, Pflegekräfte fair und angemessen zu bezahlen“, sagte Hanno Kummer, Leiter der vdek-Landesvertretung Niedersachsen. „Die Politik muss aber auch dafür sorgen, dass der Aufenthalt im Pflegeheim nicht immer mehr Menschen in die Sozialhilfe treibt.“ Daher müsse es auf Bundesebene zu einer Pflegereform kommen.

„Auch Niedersachsen könnte Heimbewohner entlasten. Wir fordern, dass das Land die Investitionskosten übernimmt, so wie auch für die Krankenhäuser“, sagte Kummer. Damit sind die Kosten gemeint, die durch die Instandhaltung der Gebäude und für die Ausstattung entstehen. Sie betragen derzeit im Durchschnitt für jede:n Heimbewohner:in in Niedersachsen 507 Euro pro Monat.

Kostensteigerung trotz Entlastungszuschlag

Seit Anfang 2022 gibt es neben den Zahlungen der Pflegekasse einen Entlastungszuschlag, der mit der Pflegedauer steigt. Der Eigenanteil nur für die reine Pflege sinkt so zwar prozentual, absolut steigt er aber dennoch. Im ersten Jahr im Heim sinkt der Eigenanteil prozentual um 5 Prozent, im zweiten um 25 Prozent, im dritten um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 70 Prozent.

Jedoch stieg der Eigenanteil für die reine Pflege weiter – ohne Zuschläge bundesweit im Schnitt auf nun 1.139 Euro nach 912 Euro Anfang 2022. Hintergrund sind auch höhere Personalkosten. Seit 1. September 2022 müssen Einrichtungen Pflegekräfte nach Tarifverträgen oder ähnlich bezahlen, um mit Pflegekassen abrechnen zu können.

Die Chefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, forderte eine „Pflegereform in einem Guss“. Nötig sei ein Finanzkonzept mit fest verankerten und dynamisierten Steuerzuschüssen. Für die Auswertung wurden den Angaben zufolge Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern ausgewertet. Die Daten beziehen sich auf Bewohner:innen mit den Pflegegraden 2 bis 5.

Mit dpa

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