Zecken: Niedersächsisches Landesgesundheitsamt rechnet mit vielen Blutsaugern nach mildem Winter

Ein Schild im Wald warnt vor Zecken. Foto: Heiko Barth/stock.adobe.com/Symbolbild

Wer gern im Wald oder am Feldrand spazieren geht, sollte sich in diesem Jahr nach jedem Aufenthalt in der Natur besonders gründlich nach Zecken absuchen. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLG) rechnet damit, dass wegen des milden Winters sehr viele dieser Blutsauger unterwegs sind, die gefährliche Krankheiten übertragen können.

„Wärmere Temperaturen machen es den Zecken leichter, zu überwintern“, sagte Masyar Monazahian, Virologe am NLG, der Deutschen Presse-Agentur. Bei steigenden Temperaturen und einer feuchten Wetterlage nimmt laut NLGA die Aktivität der Parasiten zu. Sie können in Deutschland durch einen Stich die Erkrankungen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose übertragen.

Impfung kann vor FSME schützen

Vor FSME kann man sich mit einer Impfung schützen. Diese wird Personen empfohlen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen, dorthin reisen, oder sich sehr häufig beruflich in der freien Natur aufhalten. In Niedersachsen ist der Landkreis Emsland seit 2019 das einzige vom Robert Koch-Institut ausgewiesene FSME-Risikogebiet. „Auch in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt sind in den letzten Jahren neue FSME-Risikogebiete ausgewiesen worden, während zuvor Risikogebiete überwiegend in Süddeutschland bekannt waren“, sagte Monazahian. „Dies zeigt, dass der Trend grundsätzlich Richtung Norden geht.“ Eine genaue Prognose, wie sich die regionale Situation entwickeln werde, sei aber nicht möglich.

Nachweise in Cuxhaven, Nienburg oder Region Hannover

Das Landesgesundheitsamt sammelt jedes Jahr an ausgewählten Orten Zecken und untersucht die Tiere unter anderem auf das FSME-Virus. Unter anderem in den Landkreisen Cuxhaven und Nienburg sowie in der Region Hannover wurde das FSME-Virus vereinzelt in den Tieren nachgewiesen. Bekanntestes Symptom einer FSME-Erkrankung ist die Hirnhautentzündung. Unter Umständen können aber Fieber, Kopfschmerzen oder Erbrechen und selbst Darmbeschwerden auf eine Infektion hindeuten.

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung

Mit Borreliose kann man sich überall in Niedersachsen infizieren, laut Landesgesundheitsamt tragen zehn bis 40 Prozent der Zecken diesen Erreger in sich. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. Erstes Symptom ist oft eine größer werdende Rötung um die Einstichstelle herum, später können Nerven, Gelenke und Herz von den Bakterien befallen werden. Um sich zu schützen, sollte eine Zecke nach einem Stich schnell entfernt werden, denn es dauert einige Stunden, bis die Erreger auf den Menschen übertragen werden.

Klimawandel sorgt für ganzjährige Zeckenaktivität

Laut einer Ende 2023 veröffentlichten Studie des Instituts für Parasitologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) sind Zecken in Deutschland wegen der milden Winter sogar mittlerweile ganzjährig aktiv. Institutsleiterin Christina Strube rät deshalb, auch bei kühleren Temperaturen Haustiere vor Zecken zu schützen und sich selbst abzusuchen. Ursache ist die weltweite Klimakrise mit steigenden Durchschnittstemperaturen. In Deutschland sind nach Angaben der Tiho-Forscher vor allem zwei Zeckenarten verbreitet: der Gemeine Holzbock sowie seit einigen Jahren zunehmend auch die Wiesen- oder Buntzecke.

SAT.1 REGIONAL/dpa

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