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Foto: Peter Brixius/pixelio.de

Kaum einer hat in diesem Sommer noch keine Bekanntschaft mit ihnen gemacht. Aufgrund der Hitze und anhaltenden Trockenheit konnten sich die Wespen hierzulande bestens vermehren und es sind außergewöhnlich viele der schwarz-gelben Insekten in diesem Jahr unterwegs, wie auch Paul Schmid, Sprecher des BUND Hamburg bestätigen konnte. Jetzt im August haben die Tiere Hochsaison, doch damit ein friedliches Miteinander möglich ist, sollten Sie folgende Dinge wissen und beachten.

 

Nützliche Insekten

Wespen sind nicht von Grund auf aggressiv. Sie stechen nur, wenn sie sich bedroht oder in die Enge getrieben fühlen. Es gibt mehrere Hundert Arten, doch in Deutschland werden uns neben Hornissen nur zwei davon lästig: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Und die sind sogar durchaus nützlich: Sie jagen Mücken, Spinnen, Blattläuse, Fliegen und andere „Plagegeister“. Auch im Wald sind sie sehr beliebt, denn Forstschädlinge werden durch Wespen ebenfalls dezimiert. Damit werden sie quasi zu biologischen Schädlingsbekämpfern und sind wichtige Regulatoren im Ökosystem. Wespen helfen im Frühjahr außerdem beim Bestäuben der Pflanzen. Bienen sind nur bei trockener Witterung unterwegs, doch Wespen bestäuben die Blüten sogar bei Regen.

Saftige Bußgelder drohen 

Alle wilden Tiere (und Pflanzen) dürfen laut § 39 Absatz 1 Bundesnaturschutzgesetz nicht ohne vernünftigen Grund in ihrer Entwicklung gestört oder gar getötet werden. Dazu gehören selbstverständlich auch Wespen – Hornissen, Hummeln und Wildbienen im Besonderen. Verstößt man dagegen, droht ein saftiges Bußgeld. In Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen sind es bis zu 5.000 Euro – für besonders geschützte Arten drohen bis zu 50.000 Euro. Im Alltag sieht es aber natürlich so aus, dass man kein Bußgeld befürchten muss, wenn man mal eine einzelne Wespe tötet. Besonders Allergiker müssen ja zunächst sich selbst schützen, da bei ihnen im Falle eines Stiches Lebensgefahr bestehen kann. Es geht vielmehr darum, keine ganzen Nester mutwillig zu zerstören oder auszurotten. Auch Fallen, die in der Nähe von Nestern aufgestellt werden, sind verboten, da diese zudem auch noch andere geschützte Arten anlocken und töten könnten.

Foto: Susanne Schmich/pixelio.de

Tiere finden keine Nahrung 

Wegen der anhaltenden Dürre ist das natürliche Nahrungsangebot für Wespen zurzeit knapp. Daher suchen sie immer häufiger auf unseren Tellern Ersatz. Sowohl proteinreiche Nahrungsmittel wie Fleisch und Wurst für die Brut als auch süße Speisen wie Kuchen, Eis und Limonade locken die Insekten an. Wenn Sie dabei uns Menschen übrigens zu nahe kommen und längere Zeit um uns herumschwirren, liegt das daran, dass die Tiere extrem kurzsichtig sind. Sie müssen also erst einmal die Lage sondieren und sich ein genaues Bild von uns machen. Wer dann ruhig bleibt, dem passiert in der Regel nichts.

Do’s und Don’ts

Vermeiden Sie hektische Bewegungen, schlagen sie nicht nach den Insekten – und pusten Sie die Tiere nicht an. Denn tatsächlich reagieren Wespen aggressiv auf das Kohlendioxid, das wir Menschen beim Ausatmen produzieren. Selbst Angstschweiß kann die Insekten zu einem Angriff verleiten. Bewegen und verhalten Sie sich stattdessen ruhig und denken Sie immer dran: Wespen sind einfach nur sehr, sehr kurzsichtig und wollen Ihnen nichts Böses. Süße Speisen und Getränke im Freien sollten Sie bestmöglich abdecken, doch Sie können den Wespen in Entfernung zu Ihrem eigenen Tisch eine extra Futter- und Trinkstelle errichten, um die Tiere abzulenken. Weintrauben mögen sie dabei besonders. Um Wespen gänzlich fernzuhalten, eignen sich Citronella-Kerzen oder aufgeschnittene Zitronen, die mit Gewürznelken gespickt sind. Und wer im Haus oder der Wohnung keine neuen Mitbewohner möchte, der kann ganz einfach auf handelsübliche Fliegengitter zurückgreifen.

Mythen bleiben Mythen

Brennendes Kaffeepulver in einer feuerfesten Schale beeindruckt die Wespen ebenso wenig wie Wasser aus einer Sprühflasche. Da wir ja bereits gelernt haben, dass Wespen auch bei Regen unterwegs sind, werden sie kaum in ihr Nest flüchten, wenn Sie mit Ihrer Sprühflasche um die Ecke kommen. Im schlimmsten Fall sprühen Sie damit so hektisch und stark, dass die Tiere eher noch aggressiv werden. Auch eine aufgepustete Papiertüte, beispielsweise vom Bäcker, die in Kopfhöhe aufgehängt wird und suggerieren soll, dass sich dort bereits ein Wespennest befindet, lässt die Tiere kalt. Die Tüte wird niemals nach Wespe oder einem Nest riechen und somit können Sie die Insekten auch leider nicht austricksen.

Foto: JPW. Peters/pixelio.de

Was tun bei einem ganzen Nest?

Die Feuerwehren helfen in der Regel nicht mehr, es bringt also nicht viel, die 112 zu rufen, wenn man ein Wespennest an seinem Haus findet. Nur bei einer akuten Gefahrenlage rücken die Wehren aus, um das Nest zu beseitigen. Achtung: Dabei benutzen diese in der Regel ein Nervengift, was auch für Menschen und Haustiere schädlich ist. Der betroffene Raum wäre also für mehrere Tage nicht mehr nutzbar.

Besser, Sie melden sich beim für Sie zuständigen Umweltamt, welches den Kontakt zu speziell ausgebildeten Umsiedlern oder seriösen (!) Schädlingsbekämpfern aus der Region herstellt.

Wenn es doch mal zum Stich kommt 

Bei Stichen im Mund- und Rachenraum begeben Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung oder eine Klinik. Ansonsten ist Hitze das erste Mittel der Wahl. Richtig gelesen: Bevor Sie zu einem Kühlpack greifen, was die meisten sicherlich zunächst machen würden, holen Sie sich lieber einen speziellen Wärmestift aus der Apotheke, erhitzen einen Metalllöffel oder lassen Sie heißes Wasser über die betroffene Stelle laufen. Vorsicht: Sie sollen sich nicht verbrennen! Doch das Gift der Wespe enthält Eiweiße, welche durch Hitze zerstört werden. Meist brauchen Sie im Anschluss nicht einmal mehr das Kühlpack. Auch der eigene Speichel enthält Stoffe, welche die Enzyme aus dem Wespengift unschädlich machen können. Ist der Stich schon fortgeschritten, können Hausmittelchen wie eine aufgeschnittene Zwiebel oder ein Umschlag aus Essigwasser und Heilerde helfen. Und ganz wichtig: Kratzen unbedingt vermeiden. Auch wenn der Wespenstich noch so sehr juckt – die offene Stelle kann sich schnell entzünden.

Vorsicht bei Allergikern

Bei einem Allergiker geht ein solcher Stich logischerweise nicht ganz so glimpflich aus. Doch woran erkennt man eigentlich, ob jemand wirklich allergisch gegen Wespenstiche ist? Die Person würde zunächst Atemnot und am ganzen Körper Rötungen sowie Pusteln bekommen. Bei manchen kommen auch Übelkeit und Erbrechen hinzu. Wenn Sie Erste Hilfe leisten müssen: Legen Sie die Beine der betroffenen Person hoch, rufen Sie umgehend die 112 und halten Sie den Patienten bei Bewusstsein – zur Not mit einer Ohrfeige. Kommt es doch zur Ohnmacht oder einem Atemstillstand, dann scheuen Sie sich nicht, eine Herzdruckmassage durchzuführen. Jede Minute bis zum Eintreffen der Rettungskräfte zählt!

Vielen Dank an Wespen- und Hornissenberaterin Brigitte Martin vom BUND für die Informationen zu diesem Artikel

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