Wenn Tiere in den Ferien herzlos ausgesetzt werden: Hamburger Tierschutzverein meldet erste Urlaubsopfer

In Hamburg gehen am Donnerstag die Sommerferien endlich los. Das bedeutet Urlaubsplanung, Koffer packen und Vorfreude auf die Reise – leider aber auch, dass überall Haustiere herzlos ausgesetzt oder ins Tierheim gebracht werden, weil sich in den Ferien niemand um sie kümmern will. Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. (HTV) hat schon jetzt die ersten „Urlaubsopfer“ aufgenommen. 

So wurden allein vom 1. bis 24. Juni 2020 in Hamburg und im Umland 199 offensichtliche Tierwaisen gefunden und dem HTV übergeben, im Tierheim Süderstraße von ihren Familien abgegeben oder vom vereinseigenen Tierrettungsdienst aus einer Notlage befreit. Im Vorjahr waren es im entsprechenden Zeitraum 179 Waisen. In diesem Jahr wurden 145 Tiere gefunden und mutmaßlich ausgesetzt. Dazu gehörten Hunde, Katzen und sogar ein Chamäleon.

Die Tiere wurden teilweise einfach entsorgt, schreibt der Verein. Kurz vor dem Urlaub bemerken die Halter nämlich, dass sie niemanden haben, der sich während des Urlaubs um das Haustier kümmern kann. Besonders schlimm: Für manche Tiere kam jede Hilfe zu spät. Der HTV resümiert: „Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass gerade die Zahl ausgesetzter Tiere noch stark ansteigt und traurige Rekordwerte von mehr als 50 Fällen pro Woche erreichen wird.“

Aussetzen von Tieren ist eine Straftat

„Es gibt keinen vertretbaren Grund dafür, sein Tier derart im Stich zu lassen und es aus eigener Bequemlichkeit Gefahren bis hin zum Tod auszusetzen, statt es wenigstens in einem Tierheim – oder noch besser – bei anderen vertrauten Personen unterzubringen”, betont die 1. Vorsitzende des HTV, Janet Bernhardt. Sie ergänzt: „Die Tiere vertrauen uns und sind von uns abhängig, daher sollten wir den Anstand zeigen, das für sie Beste zu tun und uns Hilfe suchen.”

Gemäß Tierschutzgesetz ist es verboten, ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen. Unerheblich ist, ob durch das Aussetzen eine konkrete oder abstrakte Gefahrenlage für das Tier entsteht. So erfüllt grundsätzlich auch das Anbinden am Tierheimtor den Tatbestand des Aussetzens. Das Aussetzen ist eine Ordnungswidrigkeit und kann gemäß § 18 Abs.1 Nr.4 TierSchG mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro bestraft werden. Im Einzelfall, wenn etwa das Tier durch die Aussetzung zu Tode kommt, handelt es sich um eine Straftat gem. § 17 TierSchG. Diese kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Wer Angaben zu den hier genannten Tieren oder weiteren Tieraussetzungen machen kann, wendet sich bitte telefonisch an unsere Tierschutzberaterin Sina Hanke: 040 / 211 10 6-25. Die Gespräche werden selbstverständlich vertraulich gehandhabt.

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