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Etwa 10.000 Menschen nehmen sich hierzulande jährlich das Leben. Die Zahlen sind rückläufig, dennoch bestehe weiterer Handlungsbedarf, so Hannah Müller-Pein von der Universität Kassel. Denn: In Deutschland sterben jedes Jahr mehr Menschen durch Suizide als durch Verkehrsunfälle (3.180), Gewalttaten (731) und illegale Drogen (1.272) zusammen. Eine Tabuisierung dieses sensiblen Themas würde einen öffentlichen Diskurs verhindern, weshalb es seit 2003 auch den jährlich stattfindenden Welttag der Suizidprävention am 10. September gibt.

Der Welttag der Suizidprävention steht unter dem Motto „Hand in Hand für Suizidprävention“. Foto: Pixabay/Symbol

„Die Mehrheit der Menschen, die einen Suizid erwägt, ist dieser Entscheidung gegenüber ambivalent eingestellt. Im Vordergrund steht häufig nicht der Wunsch zu sterben, sondern die Vorstellung so wie bisher nicht weiterleben zu können. Die betroffenen Personen befinden sich in einem extremen krisenhaften emotionalen und psychischen Ausnahmezustand“, so die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention. Daher möchten wir Sie an dieser Stelle zunächst auf die diversen Hilfsangebote aufmerksam machen:

Wenn Sie sich selbst in einer verzweifelten Lage befinden sollten, kontaktieren Sie bitte umgehend die TelefonSeelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufgezeigt haben.

• Weitere Hilfsangebote, auch für hinterbliebene Angehörige, hat die DGS hier zusammengetragen.

• Das Krisentelefon des Vereins für Suizidprävention Hildesheim ist unter der Telefonnummer 05121/5 88 28 täglich zwischen 18 und 22 Uhr erreichbar

Mit Vorurteilen aufräumen

Damit Prävention gelingen kann, ist es wichtig, Vorurteile abzubauen. Prof. Barbara Schneider von der LVR-Klinik Köln klärt deshalb über hartnäckige Mythen auf. So fürchten beispielsweise viele, dass man Menschen in Krisen nicht auf ihre Suizidgefährdung ansprechen sollte, um sie nicht erst auf die Idee zu bringen. „Wir möchten das vorurteilsfreie und vertrauensvolle Gespräch über den Suizid fördern. Es ist der erste Schritt zur Hilfe“. Suizidgefährdete senden in der Regel Signale (z.B. sozialer Rückzug, Gleichgültigkeit, Verwahrlosungstendenzen, selbstverletzendes Verhalten usw.) aus und wünschen sich insgeheim, dass jemand darauf reagiert. Suizidversuche müssen zudem immer ernst genommen werden, da sie einen Hinweis auf das Vorhandensein ernstzunehmender psychischer Probleme sind. Ungefähr jeder Dritte unternimmt nach dem ersten einen weiteren Suizidversuch und jeder Zehnte stirbt später durch Suizid.

So können Sie helfen

Stellen Sie einen guten und vertrauensvollen Kontakt her. Zeigen Sie aufrichtiges Interesse und hören Sie geduldig sowie aufmerksam zu – vermeiden Sie Vorwürfe. Fragen Sie konkret nach Suizidgedanken. Die Sorge, dadurch Impulse anzuregen, ist unbegründet. Vermitteln Sie Zuversicht, dass es Hilfe gibt, selbst wenn der oder die Betroffene abwehrend reagiert und bieten Sie konkret professionelle Angebote im Internet oder vor Ort an. Trotz allem muss natürlich gesagt sein, dass Suizidalität ein sehr komplexes Phänomen und die Prävention deshalb auch eine vielschichtige Aufgabe ist.

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention/NaSPro/gls

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