Jährlich erkranken in Niedersachsen rund 49.000 Menschen an Krebs. Prävention ist bei bei dieser tückischen Krankheit daher das A und O. Am Weltkrebstag machen wir deshalb auf die Gefahren des Humanen Papillomavirus, kurz HPV, aufmerksam, der unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen kann. Da eine HPV-Infektion in der Regel keine Symptome hervorruft, wissen die meisten Menschen nicht, dass sie sich angesteckt haben.

Wie wird HPV übertragen?

Eine Ansteckung mit HPV erfolgt hauptsächlich durch sexuelle Kontakte. Die Erreger gelangen über kleinste Verletzungen der Haut oder über Schleimhäute in den Körper. In seltenen Fällen können Papillomviren durch eine Schmierinfektionen durch Gegenstände übertragen werden. Außerdem ist eine Übertragung von der Mutter auf das Neugeborene während der Geburt möglich. Eine Impfung gegen HP-Viren kann vor Gebärmutterhalskrebs und weiteren Erkrankungen schützen.

Wie gefährlich ist eine HPV-Infektion?

Nicht jede Infektion mit genitalen HPV-Typen löst Krebsvorstufen aus. Die meisten Infektionen werden durch das Immunsystem frühzeitig erkannt und bekämpft. In etwa 10 Prozent der Fälle kann es jedoch zu anhaltenden Infektionen kommen, die wiederum zu Krebsvorstufen und schließlich zu Krebs führen können. Das Infektionsrisiko steigt mit der Zahl der Sexualkontakte und der Sexualpartner. Aktuell erkranken in Deutschland circa 4.600 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs, etwa 1.500 versterben an dieser Erkrankung. Die HPV-assoziierten Krebsarten bei Männern sind Penis- und Analkrebs sowie Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens.

HPV-Impfung

Junge wird geimpft. Foto: 17:30 SAT.1 REGIONAL

Seit 2006 gibt es eine Impfung gegen HPV. Sie war eine der ersten Impfungen gegen Krebs und wurde weltweit als Durchbruch in der Krebsprävention gefeiert. Der deutsche Professor Harald zur Hausen, der den zugrunde liegenden Zusammenhang zwischen Virusinfektion und Krebsentstehung nachweisen konnte, bekam für diese bahnbrechende Entdeckung den Nobelpreis für Medizin. Die Impfung bietet die Chance, Infektionen mit verschiedenen HPV-Typen zu verhindern, die für etwa 90 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind.

Impfempfehlung für Mädchen und Jungen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen HPV seit 2007 für Mädchen und seit Juni 2018 auch für Jungen.
Jungen und Mädchen sollten im Alter von 9 bis 14 Jahren gegen HPV geimpft werden. In diesem Alter sind zwei HPV-Impfungen notwendig. Der Abstand zwischen den beiden Impfungen sollte mindestens fünf Monate betragen. Bei einem Impfabstand unter fünf Monaten sind drei Impfungen erforderlich.
Verpasste Impfungen gegen HPV sollten so bald wie möglich und vor dem 18. Geburtstag nachgeholt werden. Wird zum ersten Mal in einem Alter von 15 Jahren geimpft, sind drei Impfungen notwendig. Je nach Impfstoff sind die Impfzeitpunkte etwas unterschiedlich. Der Aufbau des Impfschutzes sollte jedoch in beiden Fällen möglichst nach einem Jahr abgeschlossen sein. Die genauen Impftermine können bei der ersten Impfung mit der Ärztin beziehungsweise dem Arzt besprochen werden.
Die HPV-Impfung kann zum Beispiel von einem Arzt oder einer Ärztin der Kinder- und Jugendmedizin, der Allgemein- oder Inneren Medizin oder von einem Frauenarzt beziehungsweise einer Frauenärztin durchgeführt werden.

Je früher, desto besser

Die Impfung ist eine vorbeugende Maßnahme. Sie wirkt nicht, wenn bereits eine Infektion mit dem Virustyp erfolgt ist, gegen den sich der Impfstoff richtet beziehungsweise verliert an Effektivität, wenn bereits eine Infektion mit einem der relevanten HPV-Typen erfolgt ist. Die Wahrscheinlichkeit einer HPV-Infektion steigt schon mit dem ersten Geschlechtsverkehr deutlich an. Studienergebnissen zur Jugendsexualität in Deutschland zufolge nimmt der Anteil der Mädchen, die ihren ersten Geschlechtsverkehr hatten, nach dem 14. Geburtstag kontinuierlich zu. Demgegenüber wurden viele Mädchen in den vergangenen Jahren aber erst zwischen 15 und 17 Jahren geimpft.

Mit der 2014 neu ausgesprochenen Empfehlung, Mädchen bereits im Alter zwischen 9 und 14 zu impfen, statt wie vorab im Alter zwischen 12 und 17 Jahren, trägt die Ständige Impfkommission in Deutschland diesen Ergebnissen Rechnung. In Studien ließen sich für 10- bis 14-jährige Mädchen nach HPV-Impfung höhere Antikörper-Antworten nachweisen als bei älteren Jugendlichen und Frauen.

Wirkung der HPV-Impfung

Die derzeitigen Impfstoffe sind gut verträglich. Beide enthalten gentechnisch hergestellte „leere“ Virushüllen. Diese virusähnlichen Partikel täuschen dem Immunsystem ein echtes Virus nur vor. Da sie keinerlei virales Erbmaterial enthalten, kommt es weder zu einer Vermehrung noch zu einer Infektion. Teilweise enthalten sie Inhaltsstoffe, die das Immunsystem anregen sollen. Es kann zu den üblichen Impfnebenwirkungen wie Rötung, Schmerz und Schwellung im Bereich der Einstichstelle kommen. Auch möglich ist, dass der Körper mit Fieber reagiert. In seltenen Fällen treten weitere Nebenwirkungen auf.

Hinweis

Nach der Impfung ist eine Infektion mit anderen HPV-Typen möglich. Deshalb ist es auch für geimpfte Frauen wichtig, regelmäßig die Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs wahrzunehmen.

Weiterführende Informationen:

> Onko-Internetportal: HPV-Impfung – Gebährmutterhalskrebs vorbeugen

> Deutschen Krebsforschungszentrum: HPV-Impfung – Antworten auf häufige Fragen

> Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: HPV-Impfung bei Jugendlichen

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