Copy LinkCopy LinkShare on MessengerShare on Messenger

Der Welt-MS-Tag hat seit 2019 einen festen Termin: Immer am 30. Mai startet die von Jahr zu Jahr größer werdende internationale Kampagne. Bei Multiple Sklerose (MS) richten sich Teile des eigenen Immunsystems gegen das Nervensystem.

Die Diagnose Multiple Sklerose ist für die meisten ein schwerer Schock und wirft gleichzeitig viele Fragen auf: Wie kann ich mit der Krankheit leben und welche Methoden sind möglich? Die Angst ergriff auch Sebastian Pitschner-Finn aus Hamburg, als er von der Krankheit erfuhr. Ich hatte den Begriff MS vorher nur mal gehört“, erinnert sich Sebastian an die Zeit der Diagnose. „Aber für mich war schnell klar, dass ich mein Leben für die Erkrankung nicht auf den Kopf stellen möchte“.  Er lebt sein Leben weiter, ist heute glücklich verheirateter Vater dreier Kinder und hat sich 2019 einen ganz persönlichen Traum erfüllt: Eine Weltreise mit der ganzen Familie – und das trotz MS. 

Sebastian aus Hamburg hat sich trotz MS zu einer Weltreise aufgemacht. Foto: Privat

Unter dem Slogan „Deine MS. Dein Leben. Deine Information.“ rief der Pharmakonzern Roche im September 2017 die Kampagne „Trotz MS Träume wagen“ ins Leben. Sie ist eine von vielen Kampagnen, die Betroffenen Halt bietet und ihnen Hoffnung macht. Unter dem Hashtag #trotzMSDigitalVerbunden haben Menschen mit Multipler Sklerose und Interessierte so die Möglichkeit, auch in Zeiten der COVID-19-Pandemie miteinander in Verbindung zu bleiben.

Was ist Multiple Sklerose? 

Multiple Sklerose (kurz: MS) ist eine bislang unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Entzündungen in Gehirn und Rückenmark tragen maßgeblich dazu bei, dass Reize nicht mehr richtig weitergeleitet und verarbeitet werden. Das führt zu zahlreichen Beschwerden, die von Patient:in zu Patient:in sehr unterschiedlich sind. Dazu gehören Lähmungserscheinungen, Koordinations- und Sehstörungen. Als Auslöser für die Entzündungen gilt eine Fehlfunktion des Immunsystems. 

In Deutschland sind etwa 200.000 Menschen von MS betroffen. Erste MS-Symptome treten oft im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Der Verlauf von MS kann sehr unterschiedlich sein. Häufig treten Krankheitsschübe auf, bei anderen Patientinnen und Patienten verschlechtert sich der Zustand kontinuierlich ohne zwischenzeitliche symptomatische Verbesserung. Die Ursachen für die Erkrankung sind noch nicht vollends geklärt. 

Was passiert bei MS im Körper? 

MS ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Bei dieser richtet sich das Immunsystem nicht nur gegen Krankheitserreger, sondern auch gegen gesunde körpereigene Strukturen. So entstehen bei MS Entzündungen an den Umhüllungen der Nervenfasern (Myelinscheiden) in Gehirn und Rückenmark. Sind die Myelinscheiden bei der MS geschädigt, können die Nervenfasern die Impulse nur schwerfällig weiterleiten (siehe Abb. 1). Die Informationsverarbeitung funktioniert häufig nur eingeschränkt. Auch wenn sich die Schäden an den Myelinscheiden anfangs häufig wieder zurückbilden, können durch unvollständige Remyelinisierung und eine bereits fortgeschrittene Neurodegeneration oft eine Verhärtung und Vernarbung des Nervengewebes zurückbleiben.

Eine Zerstörte Myelinscheide an Nervenfaser Grafik: Roche Pharma AG

Welche Symptome können bei MS auftreten? 

Welche Symptome bei Betroffenen auftreten, ist individuell sehr unterschiedlich. Nicht nur die Art der Symptome, sondern auch das Ausmaß kann stark variieren. Ebenso ist der zeitliche Verlauf nur schwer absehbar. Manche Symptome tauchen eine Zeit lang auf, können dann bis zu einem gewissen Grad oder sogar vollständig wieder verschwinden. Mitunter folgende Symptome können auftreten: 

  • Empfindungsstörungen 
  • Beeinträchtigungen der Koordination und Bewegung 
  • Sehstörungen 
  • Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken 
  • Störungen der Blasenfunktion 
  • Probleme mit der Verdauung 
  • Kognitive Beeinträchtigungen 
  • Muskuläre Probleme 
  • Schmerzen

Wie wird MS behandelt? 

MS ist eine chronische Erkrankung und derzeit nicht heilbar. Auch wenn die MS im Verborgenen bleibt und keine spürbaren Symptome vorliegen, ist die Krankheit immer noch da. Die zugrunde liegende Fehlsteuerung des Immunsystems lässt sich zwar korrigieren, aber nicht beseitigen. Es kann also jederzeit zu neuen Entzündungen kommen, die Beeinträchtigungen mit sich bringen. Je nach Verlaufsform und Krankheitsaktivität, gibt es für die Therapie von MS verschiedene Möglichkeiten: 

  • Therapie zur Behandlung eines akuten Schubs 
  • Verlaufsmodifizierende Therapie 
  • Behandlung der Symptome

Therapie zur Behandlung eines akuten Schubs 

Bei einem akuten MS-Schub wird häufig eine Kortison-Stoßtherapie eingesetzt. Sie kann die Beschwerden schneller abklingen lassen und die Entzündungen eindämmen. Denn Kortison und verwandte Substanzen sind hochwirksame Entzündungshemmer. Wenn sich der Zustand der Betroffenen/des Betroffenen nach einer wiederholten Kortisonbehandlung nicht bessert, kann in den ersten Wochen eines akuten Schubs eine Blutwäsche (Plasmapherese) durchgeführt werden.

Verlaufsmodifizierende Therapien 

Durch intensive Forschung konnten in den vergangenen Jahren bereits viele Erkenntnisse über MS gewonnen und Fortschritte in der Therapie erzielt werden. So gibt es inzwischen eine ganze Reihe an Medikamenten zur MS-Therapie. Verlaufsmodifizierende Immuntherapien zielen darauf ab, die Aktivität und den langfristigen Verlauf der MS günstig zu beeinflussen. Therapieziel ist, dass keine Krankheitsaktivität nachgewiesen werden kann. Die MS kann so zwar nicht geheilt, aber die fortschreitende Behinderung verlangsamt oder sogar aufgehalten werden. Man unterscheidet Therapien zur Behandlung von milden und moderaten sowie (hoch-)aktiven Verläufen. In welchen Abständen und in welcher Form die verlaufsmodifizierenden Medikamente verabreicht werden, ist von Wirkstoff zu Wirkstoff unterschiedlich. 

Behandlung der Symptome 

MS kann mit ganz unterschiedlichen Symptomen einhergehen – je nachdem, welche Nerven angegriffen werden. Viele dieser Beschwerden lassen sich gezielt behandeln. Für die Behandlung der meisten Symptome gibt es auch einige nicht-medikamentöse Maßnahmen, die Beschwerden lindern können. Dazu gehören: 

  • Physiotherapie 
  • Hippotherapie 
  • Ergotherapie 
  • Trainings- und Bewegungstherapie 
  • Neurokognitive Therapie 
  • Logopädie 
  • Psychologische Therapie

Weitere Informationen finden Sie auch unter:

Zur Startseite