Waschbär stellt Kirchenglocken in Löwenhagen ab

Ob ihm das wohl zu laut war?

In Löwenhagen, unweit der Weser im westlichen Teil des Landkreises Göttingen, läuten dank einer Zeitschaltuhr normalerweise dreimal pro Werktag die Glocken der evangelischen Kirche: morgens, mittags und abends. Zuletzt blieb das Geläut allerdings wiederholt still.

Der Grund dafür blieb zunächst unklar. Denn die Anlage ist relativ neu. „Zudem wird sie regelmäßig gewartet“, sagt Roswitha Kamm vom örtlichen Kirchenvorstand. Bei Inspektionen des Turmes sei allerdings aufgefallen, dass der Hebel, mit dem der Strom für die Anlage ein- und ausgeschaltet werden kann, umgelegt war, berichtet Kamms Ehemann Uwe. Rätselhaft, denn der Zugang zum Turm ist stets verschlossen. Den Schlüssel verwahrt der Kirchenvorstand.

„Mittlerweile ist das Rätsel allerdings gelöst“, sagt Roswitha Kamm. Ein Waschbär habe den Strom abgestellt. Die „Hessische Niedersächsische Allgemeine“ berichtet, dass an dem Hebel entsprechende Bissspuren entdeckt wurden.

Außenaufnahme der Kirche Löwenhagen mit ihrem kleinen Kirchturm. Foto: Swen Pförtner

Dass im Kirchturm tatsächlich ein Waschbär haust, sei bewiesen, so Uwe Kamm. „Wir haben Waschbär-Kot gefunden“, sagt er. Zudem gelang ein fotografische Beweis. Kamm habe für die Ortschronik Fotos der Glocken schießen wollen. Dabei sei ihm das Tier vor einiger Zeit im Glockenturm vor die Linse gelaufen.

Da der Waschbär aber – mit Ausnahme des Strom-Abstellens – keinen nennenswerten Schaden angerichtet habe, solle das Tier nicht vom Dachboden vertrieben werden. Die Glocken werde es künftig allerdings nicht mehr auf Stumm schalten können, sagt Kamm. „Ich baue einen Drahtverhau um den Hebel, so dass es nicht mehr dran kommt.“ In Löwenhagen können die Glocken dann künftig wieder wie gewohnt morgens, mittags und abends läuten.

So viel Nachsicht wie in Löwenhagen finden Waschbären im übrigen nicht überall in Niedersachsen. Im den vergangenen Jahren wurden landesweit jeweils mehr als 15.000 Exemplare erlegt. Die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere waren im vergangenen Jahrhundert zur Pelzzucht nach Deutschland gebracht und erstmals im Jahr 1934 am nordhessischen Edersee ausgewildert worden.

mit dpa

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