„Vendée Globe“-Regatta: Boris Herrmann nach 80 Tagen und einer Kollision im Ziel

Bis kurz vor dem Ziel durfte Boris Herrmann auf einen historischen Sieg bei der „Vendée Globe“ hoffen. Doch der Zusammenstoß mit einem Fischtrawler machen die Chancen des Seglers zunichte. Dennoch ist seine Reise um die Welt ein riesiger Erfolg für ihn.

Boris Herrmann sitzt an Bord seiner in seiner Rennyacht. Foto: Boris Herrmann/Team-Malizia.com/dpa/Handout

Nach dem Drama kurz vor dem Ende seiner Hatz über die Weltmeere hat Solo-Segler Boris Herrmann endlich das Ziel bei der „Vendée Globe“ erreicht. Am Donnerstagvormittag hat der Hamburger mit seiner Yacht „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ nach 80 Tagen, 20 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden Stunden als Fünfter die Ziellinie vor dem französischen Les Sables-d’Olonne erreicht. Wegen einer Zeitgutschrift von sechs Stunden rückte er im vorläufigen Klassement um einen Rang vor. Erst im Laufe des Tages entscheidet es sich, ob er Vierter bleibt.

Hier konnte man die Ankunft von Boris Herrmann live verfolgen:

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Glückwünsche unter anderem von Greta Thunberg

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und Hamburgs Politik-Prominenz haben ihm zu seiner Zielankunft in Les Sables-d’Olonne gratuliert. „Herzlichen Glückwunsch mein toller Freund, Boris Herrmann, unter den Top 5 das härteste Rennen der Welt zu beenden! Solo nonstop um die ganze Welt. Wir könnten nicht stolzer auf dich sein! Willkommen zu Hause!“, schrieb die 18-Jährige am Donnerstagmittag bei Twitter. Herrmann hatte Thunberg im Spätsommer 2019 auf einer Yacht über den Atlantik nach New York gesegelt. Thunberg hatte auf die Nutzung eines Flugzeugs aus Gründen des Klimaschutzes verzichtet.

„Weltklasse-Segeln für einen guten Zweck. Respekt für Ihre Leistung. Viele Grüße aus Hamburg, kommen Sie gut zurück nach Hause!“, twitterte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Auch der Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD) würdigte ebenfalls bei Twitter die Leistung von Herrmann: „Die härteste Solo-Regatta der Welt Vendee Globe allen Widrigkeiten zum Trotz unter den ersten 5 zu beenden, ist eine herausragende Leistung! Wir sind stolz u. freuen uns auf Ihre Rückkehr nach Hamburg!“

Als erster deutscher Segler hatte Boris Herrmann seit dem 8. November das Abenteuer Vendée Globe gewagt. Am Abend vor seiner Zielankunft waren seine Hoffnungen auf den Sieg vor den letzten etwa 90 der insgesamt über 28.000 Seemeilen an dem spanischen Trawler Hermanos Bustos zerschellt. „Das war der schlimmste Alptraum“, hatte er einige Stunden nach der unheilvollen Begegnung berichtet.

Wegen der Schäden nur noch reduzierte Geschwindigkeit

Er und die Besatzung des anderen Schiffes blieben unverletzt. Doch statt Historisches zu schaffen und bei der neunten Auflage des Rennens als Erster in die Sieg-Phalanx der Franzosen einzubrechen, musste er wegen der erheblichen Schäden an seiner Jacht mit reduzierter Geschwindigkeit seine Reise fortsetzen.

„Es ist ziemlich herzzerreißend“

„Ich habe in den Tagen zuvor wie ein Löwe gekämpft. Vielleicht komme ich nie wieder so dicht an einen Podiumsplatz heran?“, fragte der neue deutsche Segel-Star und machte sich und seinem Team Mut für das letzte Stück. „Es ist ziemlich herzzerreißend, aber wir werden es schaffen.“

Sieger ist Franzose Yannick Bestaven

Als Herrmann noch auf dem Wasser war, wurde der Franzose Yannick Bestaven zum Sieger erklärt. Zwar hatte der 48 Jahre alte Skipper der „Maître Coq IV“ in der Nacht 7:43 Stunden nach seinem Landsmann Charlie Dalin („Apivia“) als dritter Segler das Ziel erreicht. Doch ihm verhalf eine Zeitgutschrift von 10:15 Stunden auf seine Gesamtsegelzeit zum Erfolg. Bislang gewannen nur Franzosen das Rennen. Dalin hatte am Mittwochabend die Ziellinie gekreuzt. Der 36-Jährige hatte das Rennen über 28.267,88 Seemeilen nach 80 Tagen, sechs Stunden, 15 Minuten und 47 Sekunden beendet. Als Zweiter kam Louis Burton („Bureau Vallee 2“) an.

Kollision riss ihn aus dem Schlaf

Herrmann hatte da sein persönliches Drama auf See erlebt. Er war durch den Zusammenstoß aus dem Schlaf gerissen worden. „Ich habe an einer riesigen Wand hochgeschaut“, schilderte Herrmann die bangen Momente. Unter anderem verfing sich ein Vorsegel in den Kränen des Trawlers, eines seiner Foils (Tragflügel) brach. Dazu hörte er seinen Ausleger mehrfach in die Bordwand des anderen Bootes hämmern. „Es waren echte Schockmomente“, erzählte er. Zu seinem Glück schob sich seine Jacht am Trawler vorbei und der Mast blieb stehen.

In diesem Video spricht Boris Herrmann über den Moment der Kollision (auf Englisch):

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Zu dem Zeitpunkt des Vorfalls war er Dritter und dank seiner Zeitgutschrift in einer guten Position gewesen. Herrmann und Bestaven hatten die Gutschriften von der Wettfahrtleitung wegen ihrer Beteiligung an der Rettungsmission für den schiffbrüchigen Kevin Escoffier in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember erhalten. Dem ebenfalls beteiligten Jean Le Cam („Yes We Cam“) wurden sogar 16:15 Stunden zugesprochen. Er hatte am Mittag noch theoretische Chancen, Herrmann von Platz vier zu verdrängen.

Warum haben die Alarmsysteme an Bord versagt?

Warum Herrmanns bis zum Mittwochabend gut funktionierende Alarmsysteme versagten und ihn nicht rechtzeitig warnten, konnte er sich zunächst nicht erklären. Nach ersten schnellen Reparaturen erklärte er einigermaßen gefasst, er segle dem Ziel nun langsamer entgegen. Dort warteten schon seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann, die sieben Monate alte Tochter Malou und Familienhund Lilli.

Mit dpa

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