Tränen nach geplatztem Titel-Traum: Zverev verliert US-Open-Finale

Alexander Zverev in Aktion. Foto: Daniel Bockwoldt

Nach einer 2:0-Satzführung verliert Alexander Zverev noch das Finale der US Open in fünf Durchgängen. Dominic Thiem gewinnt im vierten Anlauf seine erste Grand-Slam-Trophäe. Bei der Siegerehrung kommen Zverev beim Dank an seine Eltern die Tränen.

Nach der Niederlage im nervenaufreibenden US-Open-Finale und dem geplatzten Traum vom ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere kamen Alexander Zverev die Tränen. Als der 23 Jahre alte Hamburger nach dem anfangs skurrilen und am Ende spektakulären und hochklassigen Fünf-Satz-Krimi bei der Siegerehrung an seine Eltern zu Hause in Monte Carlo dachte, stockte ihm die Stimme. „Es sind einige wichtige Leute, die heute fehlen. Ich möchte meinen Eltern danken“, sagte Zverev, ehe er anfing zu weinen. Sein Vater und seine Mutter waren positiv auf Corona getestet worden und hatten die Reise nach New York deshalb nicht wie sonst üblich mitgemacht.

„Ich denke nicht, dass es meine letzte Chance war“

Trotz einer 2:0-Satzführung musste sich Zverev am Sonntag in New York seinem österreichischen Kumpel Dominic Thiem nach 4:01 Stunden 6:2, 6:4, 4:6, 3:6, 6:7 (6:8) geschlagen geben. „Ich war super nah dran, Grand-Slam-Champion zu sein. Ich war ein paar Spiele, vielleicht ein paar Punkte weg“, sagte Zverev, als er mehr als zwei Stunden nach dem Matchball zur Video-Pressekonferenz erschien. „Ich hatte im fünften Satz viele Chancen und habe sie nicht genutzt. Aber ich bin 23 Jahre alt, ich denke nicht, dass es meine letzte Chance war. Ich glaube, dass ich eines Tages einen Grand Slam gewinnen werde“, sagte Zverev.

Hochklassiges Finale

Für den 27 Jahre alten Thiem war es im vierten Anlauf der erste Grand-Slam-Sieg. Er ist der erste Spieler seit 16 Jahren, der in einem Grand-Slam-Endspiel nach einem 0:2-Satzrückstand noch den Titel holte. Im Tiebreak nutzte der von Krämpfen geplagte Österreicher seinen dritten Matchball. „Ich wünschte, es könnte heute zwei Sieger geben“, sagte Thiem. Doch Zverev vergab trotz eines herausragenden Starts und enormer Kämpferqualitäten die große Chance auf den ersten deutschen Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere seit Boris Becker 1996 bei den Australian Open. Lange Zeit war es kein hochklassiges Finale, zum Ende hin wurde das Geschehen dramatisch.

„Ich habe schon Tausende Matches gesehen. Aber sowas noch nie“, sagte Becker im TV-Sender Eurosport. Nachdem Thiem den Satzausgleich geschafft hatte, ging er im entscheidenden fünften Durchgang mit einem Break in Führung. Doch Zverev zeigte wie so oft ein großes Kämpferherz und nahm Thiem postwendend ebenfalls den Aufschlag ab.

Lautstark pushte sich die deutsche Nummer eins nach vorne und ging wieder in Führung. Zum 5:3 schaffte er das Break, kassierte aber sofort wieder das Re-Break zum 5:4 – anstatt bei eigenem Aufschlag zum 6:3 und zum Titelgewinn zu vollenden. Es ging schließlich in den Tiebreak. Beide Spieler hatten mit Krämpfen zu kämpfen. Beim dritten Matchball landete eine Rückhand von Zverev im Aus.

Am Ende der mehrstündigen Achterbahn-Fahrt ließ sich Thiem rücklings auf den blauen Hartplatz fallen und schlug die Hände vors Gesicht. Zverev ging auf die andere Seite des Netzes, gratulierte seinem Kontrahenten fair und umarmte ihn nicht ganz Corona-kompatibel.

Thiem erfüllte sich seinen großen Traum

Thiem ist der erste Grand-Slam-Champion seit dem Schweizer Stan Wawrinka bei den US Open 2016, der nicht Novak Djokovic, Rafael Nadal oder Roger Federer heißt. Nadal und Federer hatten in diesem Jahr auf einen Start in Flushing Meadows verzichtet, Djokovic war im Achtelfinale disqualifiziert worden, weil er eine Linienrichterin im Frust mit dem Ball abgeschossen hatte. Damit war der Weg frei für einen Sieger außerhalb der Großen Drei. Zverev vergab die große Gelegenheit, während Thiem sich seinen großen Traum endlich erfüllte. Im zehnten Duell der Beiden war es Zverevs achte Niederlage.

Dabei war er nach einem Traumstart mit 2:0 in Führung gegangen. «Da habe ich teilweise grottenschlecht gespielt», sagte Thiem über seine Nervosität zu Beginn der Partie. Doch nur noch einen Satz vom großen Traum entfernt, wurde Zverev nun immer nervöser. Aggressivität und Selbstverständlichkeit gingen verloren, die Fehlerquote stieg. Thiem profitierte und holte sich Satz drei und vier. Beide Spieler steigerten sich jetzt deutlich und lieferten sich einen packenden Schlagabtausch – mit dem besseren Ende für Thiem.

 

Mit dpa

Copy LinkCopy LinkShare on MessengerShare on Messenger
Zur Startseite