Tierheime schlagen Alarm: Illegaler Welpenhandel nimmt wegen Corona und Weihnachten weiter zu

Der Deutsche Tierschutzbund und der Hamburger Tierschutzverein warnen vor dem Kauf von Hundewelpen über das Internet. Der illegale Welpenhandel boomt und ist mit enormem Tierleid für die Hundekinder und die ausgebeuteten Elterntiere verbunden, meldet der Tierschutzverein. Sorge bereitet den Tierschützer:innen die Corona-Krise, die den Wunsch vieler Menschen nach einem Haustier offenbar noch verstärkt hat. Hinzu kommt, dass gerade zu Weihnachten immer wieder Welpen verschenkt werden.

„Solange Menschen Hundewelpen über das Internet kaufen, blüht der illegale Handel. Jeder, der auf diesem Weg einen Hund anschafft, befeuert das grausame Geschäft mit dem Tierleid“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

„Die Anzeigen mögen einen seriösen Eindruck machen – doch nur, weil die Händler immer skrupelloser betrügen. Also Hände weg vom Online-Kauf.“, sagt Janet Bernhardt, 1. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins. Wer ein ernsthaftes Interesse an einem Hund hat, sollte sich stattdessen im Tierheim nach dem passenden Tier erkundigen und sich vorab beraten lassen.

Hund: Juri starb als Opfer des Welpenhandels. Bild: Tierschutz Henstedt-Ulzburg e.V.

Fälle von Welpenhandel im Norden häufen sich

Allein der Hamburger Tierschutzverein (HTV) wurde seit Mai 2020 über achtzigmal mit illegalem Welpenhandel konfrontiert. Der Großteil der Fälle geht auf das Konto eines Händlerrings, der aktuell in Norddeutschland, insbesondere in Hamburg, aktiv ist. Von 63 beschlagnahmten und zunächst vom HTV aufgenommenen Welpen überlebten acht die Krankheit nicht. Alle stammten aus ausländischen Vermehrerzuchten, die meisten aus Polen. Dem HTV liegen nach eigenen Angaben zudem Meldungen von 32 weiteren Welpen aus dem genannten Händlerring vor, von denen 16 verstorben sind.

Interessenten sollten Veterinäramt informieren

Aufgrund der frühen Trennung von der Mutter und der fehlenden medizinischen Versorgung wie Impfungen sind die Welpen meist krank, viele würden an der oft tödlichen Viruserkrankung Parvovirose leiden. Das Tierheim Henstedt-Ulzburg übernimmt Welpen, wenn der HTV regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Die Tierschützer:innen appellieren daher an jeden Interessent:innen, Welpen nicht aus Mitleid zu kaufen, sondern das Veterinäramt zu informieren. Auch Tierhalter:innen, deren Welpen nach dem Kauf erkranken, sollten diese Fälle melden.

Hund Lulu bei der Aufnahme im Hamburger Tierschutzverein Bild: Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.

Weitere Tierheime im Norden betroffen

Neben Hamburg und Henstedt-Ulzburg sind weitere Tierheime im Norden betroffen: So leben sieben Schäferhundwelpen aus Polen seit rund drei Monaten im Tierheim Elmshorn. Bei ihrer Beschlagnahmung sollen sie voller Kot und Urin und viel zu mager gewesen sein. Außerdem sollen sie unter starkem Giardienbefall gelitten haben. Hüftdefekte würden einige der Tiere ihr Leben lang beeinträchtigen.

Das Tierheim Lübeck, das sich derzeit um elf beschlagnahmte Englische und Französische Bulldoggen kümmert, berichtet davon, dass die Welpen vor Durst die Regentropfen von den Jacken der Tierschützer leckten, als sie aus ihrem Verschlag befreit wurden. Dort mussten die viel zu jungen Tiere – ohne Wasser und nur auf Zeitungspapier sitzend – ausharren.

Illegaler Welpenhandel deutschlandweit auf dem Vormarsch

Doch nicht nur im Norden, sondern deutschlandweit ist der illegale Welpenhandel weiter auf dem Vormarsch: Jedes Jahr werden in den Fällen, die dem Deutschen Tierschutzbund bekannt werden, hunderte Hundewelpen transportiert. Die Dunkelziffer sollte wesentlich höher liegen .

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