Terroranschlag in Hanau: Hamburger Parteien sagen Wahlkampftermine ab und rufen zu Demonstration auf

Vor dem Hamburger Rathaus versammelten sich zahlreiche Menschen, um an die Opfer von Hanau zu erinnern. Foto: 17:30 SAT.1 REGIONAL

Am Mittwochabend hatte ein 43-jähriger Deutscher im hessischen Hanau zehn Menschen und sich selbst erschossen. Nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) gibt es Hinweise auf ein „fremdenfeindliches Motiv“. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen Terrorverdachts.

Der bewaffnete Angriff in Hanau sorgt in ganz Deutschland für Entsetzen. So vermeldete Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) noch am Donnerstagmittag, dass der Wahlkampf nicht ohne weiteres weitergehen dürfte. Er rief die Menschen in Hamburg auf, sich am Nachmittag vor dem Rathaus zu versammeln und ein Zeichen zu setzen:

Auch andere Politikerinnen und Politiker, wie Katharina Fegebank (Grüne),  schließen sich dem Aufruf an.

Auch die restlichen Hamburger Parteien, wie die CDU, die Linke und die FDP folgten den Aufrufen. Sie entschieden sich ebenfalls dafür, die Wahlkampftermine abzusagen und stattdessen an der Kundgebung teilzunehmen. Mehrere Hamburgerinnen und Hamburger versammelten sich daher ab 16:30 Uhr am Rathaus, um an die Opfer von Hanau zu erinnern.


Weitere Demo vor AfD-Zentrale

Unabhängig davon teilt die Linken-Fraktionschefin Cansu Özdemir einen weiteren Demo-Aufruf in den sozialen Netzwerken. „Stellen wir uns dem rechten Terror entgegen: Werden wir laut gegen Rassismus und Ausgrenzung“, twittert sie. Eine zusätzliche Kundgebung soll daher um 18:30 Uhr vor der AfD-Zentrale in der Schmiedestraße stattfinden. Auch die Polizei soll großflächig vor Ort sein.

Zahlreiche Menschen drückten über die sozialen Medien ihre Anteilnahme aus. Auch in Norddeutschland melden sich zahlreiche Politiker zu Wort.

Auch die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, Karin Prien, zeigt sich über Twitter schockiert:

Die Hamburger Senatorin für Integration und SPD-Landesvorsitzende, Melanie Leonhard, meldet sich ebenfalls über Twitter zu Wort:

Muslimischer Verband verurteilt rassistischen Terroranschlag

Der muslimische Landesverband in Niedersachsen hat die Gewalttat von Hanau als einen rassistisch motivierten Terroranschlag auf Andersgläubige verurteilt. „Es handelt sich hierbei um einen Terroranschlag, einen Terroranschlag, der auf Menschen verübt wurde, weil sie anders hießen, anders aussahen und anders glaubten“, sagte der Verbandsvorsitzende Recep Bilgen am Donnerstag in Hannover. „Erst wenn wir uns endlich dieser Dimension der Anschläge bewusst werden, können wir mit der notwendigen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung mit dem wiedererstarkten Rechtsradikalismus in unserem Land erfolgreich sein.“

Gedenkminute in Schleswig-Holstein

Der Landtag in Kiel hat am Donnerstag zum Auftakt seiner Sitzung der Toten der Gewalttat im hessischen Hanau mit einer Gedenkminute gedacht. Schleswig-Holsteins stellvertretende Landtagspräsidentin Kirsten Eickhoff-Weber verwies auf den möglicherweise von rechtsextremistischem und ausländerfeindlichem Gedankengut beeinflussten Täter. Alle Demokraten sollten sich solchem Gedankengut entgegenstellen. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verbrechens nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) wegen Terrorverdachts.

Spekulationen über Tat

Nach jüngsten Erkenntnissen sei ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben, sagte Beuth im Landtag in Wiesbaden. Die Sicherheitsbehörden der Länder und des Bundes stehen nach Angaben des schleswig-holsteinischen Innenministers Hans-Joachim Grote (CDU) in engem Kontakt. „Wir haben gerade laufend Rückkopplungen sowohl mit dem Verfassungsschutz als auch mit der Polizei, wir werden also laufend auf dem neuesten Stand gehalten“, sagte Grote vor Beginn der Landtagssitzung der Deutschen Presse-Agentur. Zu der Frage, ob es irgendwelche Querverbindungen zu Schleswig-Holstein gebe, sagte Grote: „Ich möchte keine weiteren Aussagen machen zum jetzigen Zeitpunkt.“ Momentan wäre alles im Bereich der Spekulation. Zu den Hintergründen der Tat könne er zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Das gelte auch für eventuelle Schlussfolgerungen für die Sicherheit in Schleswig-Holstein.

Mutmaßlicher Täter veröffentlicht Videos im Internet

Der mutmaßliche Täter von Hanau hat vor dem Gewaltverbrechen eine umfangreiche Sammlung von Erklärungen und Weltanschauungs-Theorien im Internet verbreitet. In einem knapp einstündigen Video behauptet er unter anderem, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

 

mala / mit dpa

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