Der Streit um die Marienburg geht in die nächste Runde und die Waffen werden immer schärfer. Seit zehn Wochen zanken sich Ernst August und sein Sohn bereits. Der Sohn will das Schloss an das Land Niedersachsen verkaufen, symbolisch für einen Euro. Ernst August allerdings will das verhindern und hat nun von seinen Anwälten ein juristisches Schreiben aufsetzen lassen, um den Sohnemann zu stoppen.

Nach Redaktionsschluss haben wir am Mittwochabend von Ernst August Erbprinz von Hannover folgende Antworten auf unsere Fragen bekommen:

Ernst August Erbprinz von Hannover. Foto: Archiv

Warum ist es Ihnen persönlich wichtig, das Schloss Marienburg an das Land zu verkaufen?

Es war für mich kein einfacher Entschluss, die Marienburg in andere Hände zu geben. Aber ich will, dass die Marienburg dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt und sich tatsächlich zu einem Neuschwanstein des Nordens entwickelt, auch was Besucherströme und Strahlkraft für die Region angeht. Wenn das gelingt und das kulturhistorische Erbe der Welfen so auf Dauer gewahrt bleibt, ist das ganz im Sinne künftiger Generationen – auch aus meiner Familie.

Damit dies gelingt, will ich auch in materieller Hinsicht einen signifikanten Beitrag leisten. Im Zuge der gemeinsam mit dem Land angestrebten Gesamtlösung bin ich bereit, Kunstobjekte mit einem Gesamtwert von rund 6 Millionen Euro in eine gemeinnützige Kunststiftung einzubringen, in deren Vorstand und Stiftungsrat das Land Niedersachsen direkt vertreten sein wird. Damit bleiben diese Kulturgüter dauerhaft im Schloss und werden auch in Zukunft für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Außerdem werde ich dem Landesmuseum mittels langfristiger Leihverträge eine Reihe von privaten Kunstobjekten zur Verfügung stellen, die somit ebenfalls auf dem Schloss ausgestellt bleiben.

Ihr Vater hat Ihnen die Marienburg als Schenkung überlassen – Jetzt spricht er von Rückübertragungsansprüchen. Was sagen Sie dazu?

Die Rechtslage ist eindeutig: Ich bin Eigentümer von Schloss Marienburg und als solcher auch uneingeschränkt im Grundbuch eingetragen. Alle gesetzlichen Fristen für eine eventuelle Rückforderung der Schenkungen meines Vaters sind seit langem abgelaufen. Es besteht auch sonst kein Zweifel daran, dass ich zum Abschluss der beabsichtigten Verträge berechtigt bin, die den dauerhaften Erhalt von Schloss Marienburg und seiner Kunstobjekte für die Öffentlichkeit sichern werden. Ich bin zuversichtlich, dass die vom Land Niedersachsen eingeforderte Klärung der rechtlichen Lage dies in kurzer Zeit bestätigen wird.

Ihr Vater behauptet, er habe Sie „auskömmlich versorgt“ und scheint überzeugt davon, dass Sie finanziell in der Lage dazu sind, die Kosten für die Sanierung der Burg zu stemmen. Warum liegt er damit falsch?

Das Schloss Marienburg ist eines der ältesten europäischen Adelshäuser. Wo ist denn das Geld? Haben Sie selbst nicht gut gewirtschaftet oder hat Ihr Vater Ihnen schon erhebliche Schulden hinterlassen?

Bitte erlauben Sie mir, beide Fragen aufgrund ihres Sinnzusammenhangs gebündelt zu beantworten:

Ich habe mich viele Jahre lang mit großem persönlichem und finanziellem Einsatz darum bemüht, das Schloss bestmöglich für die Öffentlichkeit zu erhalten und weiter zu entwickeln, bis an die Grenzen des finanziell Machbaren. Dieses Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung dauerhaft für die Öffentlichkeit zu sichern, erfordert einen langfristig tragfähigen Rahmen. Diesen kann ich aufgrund meiner Einkommenslage nicht gewährleisten.

Der mir 2004 übertragene Grundbesitz ist weitaus geringer als oft behauptet, und er bestand – abseits der denkmalgeschützten Gebäude – vor allem aus land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Die Erträge daraus haben von Anfang an nicht annähernd ausgereicht, um ein Kulturdenkmal wie Schloss Marienburg auf Dauer zu unterhalten. Liquides Vermögen wurde mir nicht übertragen. Mit meinen Mitteln lässt sich eine nachhaltige Sanierung schlicht nicht realisieren.

Der Verkauf der Burg ist momentan auf Eis gelegt. Gehen Sie davon aus, dass sich das noch mal ändert und Sie, wie geplant, das Schloss an das Land verkaufen können oder glauben Sie, dass sich die Besitzverhältnisse in Ihrer Familie noch mal ändern werden?

Ich stehe in konstruktiven Gesprächen mit dem Land und bleibe zuversichtlich. Denn die geplante Lösung wird den Interessen aller Beteiligten gerecht. Sie sichert den dauerhaften Erhalt eines kulturhistorischen Erbes aller Niedersachsen und 60 Arbeitsplätze. Und sie schafft die Basis für Zukunftsinvestitionen, durch die das touristische und kulturelle Potenzial der Marienburg voll gehoben werden kann, zum Wohl der gesamten Region.

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