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Das Kontaktverbot hat nicht nur massive Auswirkungen auf das öffentliche Leben, auch privat müssen sich die Menschen neu organisieren. Experten fürchten nun, dass die zunehmende Isolation und das enge Zusammenleben von Familien oder Paaren zu einem Anstieg von häuslicher Gewalt führen könnten. Ähnliche Beobachtungen konnten bereits in China gemacht werden.

Was ist häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt umfasst alle Formen physischer, sexueller und/oder psychischer Gewalt zwischen Personen in zumeist häuslicher Gemeinschaft. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Personen verheiratet sind oder einfach so zusammenleben. Der Ort des Geschehens kann dabei auch außerhalb der Wohnung liegen. Meist ist jedoch die Wohnung oder das Haus selbst der Tatort. Gewalt in der Partnerschaft ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Zwar ist häusliche Gewalt kein eigener Straftatbestand, umfasst aber unterschiedliche Straftatbestände (Beleidigung, Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung, usw.).

Was können Opfer tun?

„Wer schlägt, der geht!“, lautet die eindeutige Botschaft. Opfer und Zeugen sollten bei akuter Bedrohung sofort – bei Tag und Nacht – die Polizei über den Notruf 110 verständigen. Die Polizei kann nämlich, um weitere Gefahren abzuwehren, eine Wegweisung aus der gemeinsamen Wohnung von bis zu 14 Tagen gegen den Täter aussprechen. Opfer sollten zudem Anzeige erstatten. Wer dazu noch nicht bereit ist, sollte sich zumindest mit einer Vertrauensperson in Verbindung setzen. Auch Beratungs- oder Interventionsstellen für häusliche Gewalt helfen weiter. Den Kontakt in Ihrer Nähe vermittelt Ihnen die Polizei oder das bundesweite, anonyme und kostenlose Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (08000 116 016, rund um die Uhr und in vielen Sprachen).

Wer ist besonders gefährdet?

Häusliche Gewalt betrifft alle Bildungs- und Einkommensschichten gleichermaßen. Sie existiert in allen Altersgruppen, Nationalitäten, Religionen und Kulturen. Aber: Opfer von Partnerschaftsgewalt sind zu über 81 Prozent Frauen. Das zeigt die aktuelle Kriminalstatistische Auswertung zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamts. Jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch Beziehungspartnerinnen und Beziehungspartner erlebt. Dies belegt die repräsentative Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ (2004). Zu einem vergleichbaren Ergebnis für Deutschland kam auch die im März 2014 veröffentlichte repräsentative Studie der Europäischen Grundrechteagentur zum Ausmaß von Gewalt gegen Frauen in Europa.

Kinder leiden mit

Leidtragende der Gewalt in der Partnerschaft sind meist auch die Kinder. Sie müssen die Übergriffe mittelbar oder unmittelbar miterleben. Ihre kindliche Entwicklung wird beeinträchtigt und das Erlebte wirkt sich nachhaltig auf das spätere Erwachsenenleben aus. Diese Kinder neigen oft dazu, später selbst gewalttätig oder Opfer von Partnergewalt zu werden. Schon deshalb muss häusliche Gewalt verhindert und umgehend gestoppt werden. Zudem fühlen sich Kinder häufig schuldig für das, was zu Hause passiert. Ihnen muss deutlich gemacht werden, dass sie für das Verhalten ihrer Eltern nicht verantwortlich sind. Sie brauchen qualifizierte Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Gewalterfahrungen: durch Fachberatung in Jugendämtern, Erzieherinnen in Frauenhäusern und/oder spezielle Angebote von Traumazentren für Kinder und Jugendliche.

Weiterführende Links:

Verwendete Quellen: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend / polizei-beratung.de / hamburg.de / schleswig-holstein.de 

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