Soll Ex-Freundin erschossen haben: Mann in Braunschweig vor Gericht

Eine junge Frau trennt sich von ihrem mutmaßlich gewalttätigen Partner, erstreitet das Sorgerecht – und wird kaltblütig erschossen. Zum Prozessauftakt vergießt der Angeklagte Tränen, zeigt aber keine Reue.

Vor den Augen seiner vier kleinen Kinder soll ein Mann seine Ex-Partnerin aus nächster Nähe erschossen haben. Seit Montag muss sich der 38-Jährige wegen Mordes vor dem Landgericht Braunschweig verantworten. Zum Prozessauftakt bestritt der im Kosovo geborene Angeklagte jegliche Tötungsabsicht. Er habe ohne Ziel geschossen. „Ich wollte nur die Kinder sehen. Die waren aber gar nicht da“, sagte der schmächtige Mann mit dem grau-melierten Bart. Die Waffe habe er nur zum Selbstschutz mitgenommen.

Am Tag des Verbrechens hatte es eine Verhandlung um das Sorgerecht für die drei- bis siebenjährigen Kinder vor dem Amtsgericht Tecklenburg bei Osnabrück gegeben. Dabei sei ihm klargemacht worden, dass er die Töchter und Söhne höchstens irgendwann einmal in Begleitung treffen könnte, sagte der 38-Jährige empört.

Laut Anklage drohte der Familienvater aus Westerkappeln nach dem Gerichtstermin am 28. Mai seiner früheren Lebensgefährtin: „Das wirst du noch bereuen!“ Der Mann nahm einen Mietwagen und fuhr nach Salzgitter, wo er die 30-Jährige bei ihren Eltern vermutete. Tatsächlich saß sie dort mit mehreren Familienangehörigen auf einer Grünfläche vor dem Haus.

Mit gezücktem Revolver und den Worten: „Das wolltest du so, ich bringe euch alle um“, sei der Angeklagte aus dem Auto gestiegen, sagte der Staatsanwalt. Als eine Schwester der 30-Jährigen versuchte, ihm die Waffe zu entreißen, habe er dieser in die linke Hüfte geschossen. Anschließend habe er der vierfachen Mutter aus kurzer Entfernung in den Kopf geschossen. Die Frau war sofort tot.

Während seiner mehrstündigen Aussage versuchte der Angeklagte, sich wortreich herauszureden. Er vergoss Tränen und sprach davon, alles sei wie in einem Traum gewesen. Statt Reue zu zeigen, versuchte er die Schuld auf das Opfer zu schieben. Sie habe sich ihm im Bett verweigert und sogar einen Liebhaber gehabt, klagte er. Er habe die Kinder auch nie geschlagen, wie „die Verstorbene“ behauptete, sagte der Angeklagte. Seine Partnerin, mit der er nach islamischem Recht verheiratet war, habe er ebenfalls nie misshandelt.

Der 38-Jährige, der seit seinem zwölften Lebensjahr in Deutschland lebt, schweifte oft ab und stellte sich als gläubigen Muslimen dar. Seine Ex-Frau habe ihm eine Nähe zum Islamischen Staat unterstellt, sagte er. Nach dem tödlichen Schuss flüchtete der mutmaßliche Mörder mit dem Mietwagen nach Bremen, checkte dort in einem Hotel ein, duschte sich und kaufte neue Kleidung. Wenig später wurde er in seiner Wohnung in Westerkappeln festgenommen.

Zwei Brüder, die bei der Tat verletzte Schwester und die Mutter des Opfers lassen sich im Prozess als Nebenkläger vertreten, waren aber am ersten Verhandlungstag nicht dabei. „Der Schmerz der Familie hört niemals auf“, sagte Martin Voß, Rechtsanwalt eines Bruders. Zu den kleinen Kindern wollte er zu deren Schutz nichts sagen.

dpa

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