Sensation verpasst – aber glücklich und stolz: SV Todesfelde feiert trotz Pokal-Aus

Foto: 17:30 SAT.1 REGIONAL/Archiv

Diese Überschrift wäre zu schön gewesen: „Fünftligist schmeißt Zweitligist raus.“ Tatsächlich scheiterte Todesfelde jedoch an Osnabrück. Doch erst der Kampf um das Heimspiel und dann der Kampf auf dem Rasen haben dem Verein viele neue Freunde eingebracht.

Der Spaß hat 40.000 Euro gekostet, aber gelohnt hat er sich trotzdem. Beim Fußball-Oberligisten SV Todesfelde gab es nach dem Aus in der ersten DFB-Pokalrunde fast nur zufriedene Gesichter. Der knappe 1:0 (0:0)-Sieg des Zweitligisten VfL Osnabrück war zwar nicht das Wunschergebnis der 500 zugelassenen Zuschauer im Joda-Sportpark gewesen, doch Mannschaftskapitän Luca Sixtus brachte die Stimmungslage auf den Punkt: „Am Ende überwiegt der Stolz. Wir wollten gerade unseren vielen ehrenamtlichen Helfern mit einem tollen Spiel danke sagen. Ich glaube, das ist uns gelungen.“

Tausch des Heimrechts kam für „Tofe“ nie in Frage

Todesfelde war der einzige von sechs Pokal-Fünftligisten, der Mut, Geld und unglaubliche Arbeitswut aufgebracht hatte, um das 87-seitige Auflagenpaket des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) umzusetzen. Erst dann hatte es Grünes Licht für die Partie im heimischen Stadion gegeben, das normalerweise 1.500 Zuschauer fasst. Trotz der hohen Kosten, für die teils die Erstrundenprämie von 175.000 Euro und teils Sponsor Bernd Jorkisch herhielten, war ein Tausch des Heimrechts für den Oberliga-Meister und Landespokalsieger nie infrage gekommen.

Günther: „Ein tolles Event. Todesfelde hat sich gut geschlagen“

„Das war Werbung für uns und die Region. Einen Unterschied von drei Klassen habe ich nicht gesehen“, meinte Geldgeber Jorkisch über die verlorene Partie. Der Holzgroßhändler und Honorarkonsul von Finnland hatte den Ministerpräsidenten Daniel Günther eingeladen. Der CDU-Politiker folgte prompt dem Ruf des Vorsitzenden der CDU-Mittelstandsvereinigung in Schleswig-Holstein und war angetan von dem zwar spielerisch unterlegenen, aber kämpferisch ebenbürtigen Dorfclub. „Ein tolles Event. Todesfelde hat sich gut geschlagen“, schwärmte der mit Fanschal ausgerüstete Landeschef.

 

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Am Ende hat es nicht ganz gereicht und trotzdem gibt es allen Grund, heute den Schal vom SV Todesfelde in die Höhe zu strecken. Denn wenn der Fünftligist im DFB Polal gegen den VfL Osnabrück aus Liga zwei bis kurz vor Schluss Schritt hält und erst in der 77. Minute das entscheidende 0:1 einfängt, dann verdient das den allerhöchsten Respekt. Was hier in Todesfelde in den letzten Jahren aufgebaut wurde, vom Verein und vom ganzen Umfeld, hatte heute schon fast Bundesliganiveau! Danke, dass ich dabei sein durfte, danke allen, die dieses Spiel möglich gemacht haben, und alles Gute für die jetzt startende Saison. #dfbpokal #todesfelde #osnabrück #fussball #respekt #schleswigholstein #sh #derechtenorden @svtodesfelde

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Knapp die Hälfte der 1086 Einwohner waren im Stadion, die andere Hälfte hatte es sich zu Hause vor dem Fernseher gemütlich gemacht. Als die Spieler 90 Minuten vor Spielbeginn traditionell ihre Aufwärmrunde durch die Straßen des Dorfes im Kreis Segeberg drehten, hatten die Einwohner fahnenschwenkend Spalier gestanden und so manchen Silvesterböller gezündet. Was so viel heißen sollte wie: Auf in den Kampf!

Torhüter Fabian Landvoigt als „Player of the Match“ ausgezeichnet

„Oberklasse, dass das Spiel hier stattfand“, meinte Hans-Ludwig Meyer, der frühere Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes. „Das ist ein Zeichen für den Amateurfußball.“ Freuen durfte sich auch Todesfeldes Torhüter Fabian Landvoigt. Der 26-Jährige wurde als „Player of the Match“ ausgezeichnet. „Ich bin superstolz auf meine Leistung“, sagte der Schlussmann, der beim Siegtreffer von Sebastian Klaas in der 77. Minute aber machtlos war.

Osnabrücker-Trainer Grote: „Todesfelde hat uns das Leben schwer gemacht“

Am Ende sagte auch der neue Osnabrücker Trainer Marco Grote nach seinem erfolgreichen Pflichtspiel-Debüt: „Todesfelde hat uns das Leben schwer gemacht. Aber wir haben es in Ruhe zu Ende gebracht. Wir sind froh, dass wir in der nächsten Runde stehen.“

mit dpa

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