Satire und Corona: Diese Cartoonisten zeigen, wie Humor gegen die Pandemie helfen kann

Social Distancing in Norddeutschland? Cartoonistin Dorthe Landschulz zeigt, wie das aussehen kann. Grafik: Dorthe Landschulz

Über das Coronavirus lachen? Das scheint in Zeiten von „Lockdown light“ und Quarantäne besonders unangemessen. Doch viele Menschen nutzen ihren Humor, um die Krise auf ihre eigene Weise zu verdauen. Hamburg Cartoonist:innen haben das jedenfalls getan – und machen uns einmal mehr klar, in welch absurder Situation wir eigentlich gerade leben.

Der kleine Stofffetzen gehört bereits zu unserem Alltag. Wir besitzen Masken in den buntesten Variationen und sie haben sich bereits zu einem unabdinglichen Accessoire gemausert. Auch die Geburtstagsfeier via Video-Call gehört längst zu unserem Corona-Alltag auf Abstand. Menschen in Filmen, die sich die Hände schütteln oder gar umarmen, lösen mulmige Gefühle in uns aus, und Hände-Eincremen als Folge von überdurchschnittlich häufigem Händewaschen ist die heutige Wohlfühl-Prozedur.

Cartoon-Buch statt Ausstellung

Wenn alles nicht so einen schwermütigen Hintergrund hätte, könnte es von außen wie eine wahre Truman-Show wirken. Den Humor dahinter versuchen auch immer mehr Cartoonist:innen in ihrer Arbeit aufzugreifen. Unter ihnen auch die Künstler:innen vom „Hamburger Strich“.
Eigentlich lernte sich die Truppe beim Griechen um die Ecke kennen. Seither tauschen sich die rund 15 Zeichner:innen dort aus und erarbeiten gemeinsame Projekte. Zumindest, wenn gerade kein Lockdown herrscht. Eigentlich sollte im April diesen Jahres eine gemeinsame Ausstellung in der „Fabrik der Künste“ entstehen, doch dann kam Corona. Stattdessen blitzte eine ganz neue Chance auf. Denn statt der Ausstellung, entstand ein gemeinsames Corona-Buch. An die 160 Werke haben die Künstler:innen in der Corona-Zeiten gezeichnet. „So haben wir es sogar in der Krise geschafft, einen richtigen Erfolg hinzulegen“, betont Til Mette. Er zeichnet neben dem „Hamburger Strich“ unter anderem für diverse Printmedien.

Mit spitzer Feder gegen Corona

Mit spitzer Feder, Zeichenstift und frischen Farben zieht die Gruppe gegen die lähmende Wirkung von Corona zu Felde. Die Cartoons der Hamburger Zeichner:innen sind oft hart, punktiert aber vor allem eines: es steckt immer ein Fünkchen Wahrheit darin. Und inmitten der Tragik verstehen sie es, zur Abwechslung ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Aus den vielen Zeichnungen hat die Gruppe einen ganzen Bildband erarbeitet. Seit April wurde es schon über 3.000 mal verkauft. Unter anderem zeigt auch das Museum Mölln die Corona-Cartoons in einer Ausstellung.

 

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Darf man sich über Corona lustig machen?

Mit den „Corona-Cartoons aus der Quarantäne“ will die Gruppe der Krise mit Satire begegnen. Mette war sich aber vorher auch nicht ganz sicher, ob das funktioniert: „Corona ist ja auch ein Thema, was jeder gerne verdrängen möchten. Doch es betrifft einfach jeden Lebensbereich – sei es Familien, Tourismus oder Schule.“ Kurzum entschied die Truppe, sich an die Thematik heranzuwagen.

Darf man sich über Corona lustig machen? Diese Frage hörte Til Mette schon allzu oft, wenn es darum geht, was Satire darf und was nicht. „Wir als Cartoonisten leben von der Pressefreiheit. Und umso öfter diese Frage gestellt wird, umso mehr bleibt die Frage in Erinnerung:´Darf man das´?“. Mittlerweile entgegne er bereits apathisch darauf: „Natürlich darf man das!“. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Künste seien schließlich im Grundgesetzt verankert.

Satire hilft über Krisen hinweg

Fest steht: Die Corona-Krise ist ein ernstes Thema. Viele Menschen sind erkrankt – manche sind sogar gestorben. Das Coronavirus ist real. Doch die Satire kann auch helfen, um über Krisen hinweg zu kommen. „Sei es Corona, das Klima oder jedwede Krise. Die satirische Auseinandersetzung schafft eine Ebene, wo ich aus dem Leid herausgehe und eine andere Sichtweise kriege.“ Und diese Sichtweise, könne einen „wirklich aus dieser Grütze hinaus führen“, betont Mette lachend. Denn mit einem Lachen im Gesicht lässt es sich noch immer deutlich einfacher durchs Leben gehen.

 

Marit Langschwager

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