Rasenmäh-Roboter: Gefahr für Igel und andere Kleintiere im Garten

Ein Rasenmähroboter bei der Arbeit. Foto: Pixabay

Auf den ersten Blick erscheinen sie super praktisch: Rasenmäh-Roboter. Sie übernehmen annähernd eigenständig die lästige Arbeit des Rasenmähens, halten den Garten gepflegt und man selbst kann sich währenddessen um andere, wichtigere Dinge kümmern. Doch genau da liegt das Problem.

Schon in den Bedienungsanleitungen vieler Mähroboter empfehlen die Hersteller dringlich, die Geräte nicht ohne Aufsicht zu benutzen. Was eigentlich nicht zum Nutzerverhalten der Kunden passt, denn dann könnten sie die Arbeit ja gleich selbst mit einem herkömmlichen Rasenmäher erledigen. Und wenn sich spielende Kinder in der Nähe befinden, soll man sie auch nicht verwenden. Das Unfallrisiko sei zu hoch, wie auch ein aktueller Test der Stiftung Warentest zeigt: Zwei der getesteten Modelle fuhren auf eine Fußattrappe auf und hinterließen deutliche Schnitte an dem dort angebrachten Kinderschuh.

Gefahr für wilde Tiere im Garten 

Igel fühlen sich in Gärten pudelwohl. Foto: Pixabay

Viele Gartenbesitzer programmieren ihre Roboter also so, dass sie abends oder nachts mähen, damit sie folglich keinen spielenden Kindern oder Haustieren in die Quere kommen. Dabei ist das Rasenmähen laut der bundesweiten Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung „an Sonn- und Feiertagen ganztägig sowie an Werktagen in der Zeit von 20.00 Uhr bis 07.00 Uhr“ sowieso nicht erlaubt. Aber das nur am Rande. Was ist mit den wilden Tieren, die den heimischen Garten hin und wieder kreuzen? Frösche, Insekten oder Igel zum Beispiel. Gerade letztere sind vor allem nachtaktiv. Zudem sind Igel keine Fluchttiere, sondern rollen sich bei Gefahr lediglich zusammen. Wenn die Mähroboter also nicht über spezielle Sensoren verfügen und vor Hindernissen Halt machen, dann können die Tiere ernsthaft verletzt oder gar getötet werden. Auch Sigrun Goroncy, Vorsitzende des Komitees für Igelschutz in Hamburg weiß um die Problematik. Dieses Jahr habe es glücklicherweise noch keine ihr bekannten Fälle gegeben, doch in der Vergangenheit wurde bereits ein durch einen Mähroboter verletzter Igel beim Verein abgegeben.

Unternehmen reagieren auf die Problematik

Jeder durch einen Roboter getötete Igel ist ein Igel zu viel, findet auch „Husqvarna“, Marktführer im Bereich der Mähroboter. Schon seit Jahren sei das Unternehmen mit dem Schweizer Naturschutzverein „Pro Igel“ in Verbindung, wie uns eine Sprecherin auf Nachfrage verriet, um die Produkte dahingehend zu verbessern. Zudem gebe es für die Geräte Nachrüst-Zubehörteile und an einem speziellen Igel-Sensor für Mähroboter arbeite Husqvarna auch gerade. Noch sei dieser jedoch nicht auf dem Markt. Auch die Firma „Bosch“ versicherte auf Nachfrage, das Problem Ernst zu nehmen. Die Geräte seien mit Sensoren ausgestattet, die Hindernisse erkennen und auch Neigungssensoren seien vorhanden. Zudem arbeite Bosch nicht mit feststehenden Klingen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Igel sind leidenschaftliche Insektenfresser und diese werden von naturbelassenen Gärten angezogen. Foto: Pixabay

Das können Sie als Gartenbesitzer tun

Keine Frage – die Todesursache Nummer eins für Igel sind nach wie vor Autos und der Straßenverkehr. Und jeder Gartenbesitzer kann weiterhin seinen Roboter nutzen – muss sich aber bewusst sein, dass er damit im Zweifel Tiere und Artenvielfalt gefährdet. Was kann man also machen, wenn man auf das technische Spielzeug partout nicht verzichten mag, einem gleichzeitig aber das Wohlergehen der Tiere wichtig ist? Einfach mal faul sein, lautet die Devise. Mal in einer Ecke nicht mähen und kleine Steinhaufen oder Holzstapel liegenlassen, rät Sven Fraaß vom Hamburger Tierschutzverein. Auch bei der Gartengestaltung könne man einiges tun: Wildblumen oder blühende Kräuter ziehen Insekten geradezu an. Ein naturnah gestalteter Garten bietet also nicht nur Unterschlupf, sondern auch viele Nahrungsquellen für die Igel. Wenn man dann noch dafür sorgt, dass der Roboter nicht nachts mäht, wenn auch die Tiere insbesondere aktiv sind, oder tagsüber die zu mähende Fläche vorher einmal abgeht, hat man den kleinen stacheligen Gefährten und allen anderen Kleintieren schon sehr geholfen.

Gloria Saggau

Copy LinkCopy LinkShare on MessengerShare on Messenger
Zur Startseite