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In Hamburg gibt es ihn schon, in Kiel feiert er große Eröffnung: Wer bei dem Textildiscounter Primark einkauft, kann sich für 30 Euro und weniger einkleiden. T-Shirts für drei Euro, Jeans für zehn – wie sind solche Preise mit der Umwelt vereinbar? Wir zeigen Ihnen die Alternativen zum Fast-Shopping-Prinzip.

Primark und das „Fairness-Versprechen“

Das gute Gewissen will die irische Modekette gleich mitliefern: „Die Produkte für Primark werden mit Achtung vor dem Menschen und der Umwelt hergestellt“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens. Auch um existenzsichernde Löhne gibt sich der Konzern besorgt, in etwa einem Dutzend Initiativen ist Primark engagiert. Allem voran soll hier die Zusammenarbeit mit der Wohltätigkeitsorganisation NewLife den Wegwerfkonsum minimieren. Die extrem günstigen Preise erklärt Primark durch eine Reihe von Faktoren: So mache  das Unternehmen zum Beispiel keine Werbung und müsse dementsprechend kein Geld in teure Werbekampagnen stecken.

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@vanessa_la_blanche is rocking our world with this look 🌍🚀#NASA T-shirt £6/€8/$10 #Primark #fashion

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Armut in Textilfabriken

Fast-Fashion-Marken reagieren ganz kurzfristig auf neue Trends, bringen fast wöchentlich neue Kollektionen auf den Markt und das zu absoluten Niedrigpreisen. Die Christliche Initiative Romero (CIR) hat in zehn sri-lankischen Zulieferfabriken von Primark und C&A überprüft, ob die von den Marken versprochenen Arbeitsrechte und existenzsichernden Löhne eingehalten werden. Das Fazit ist niederschmetternd: Bei diesen Firmen gebe es keinerlei Hinweise, dass auch nur irgendeinem Arbeiter ein existenzsichernder Lohn gezahlt werde. Primark und Co. erteilen Aufträge häufig kurzfristig – bei den ArbeiterInnen in den Fabriken entsteht so ein hoher Zeit- und Preisdruck. Sie arbeiten für einen Hungerlohn, Überstunden sind die Regel.

Hoher Kleidungskonsum der Deutschen

Die Deutschen schwimmen auf der Fast-Fashion-Welle fröhlich mit: Laut einer Befragung von Greenpeace soll im Durchschnitt jeder Deutsche im Alter von 18-69 Jahren 95 Kleiderstücke besitzen. Und das ohne Unterwäsche und Socken.

Die Umfrage von Greenpeace zeigt: Der Kleidungsbestand ist bei vielen Deutschen nach wie vor hoch. Quelle: Greenpeace

Zudem zeigt die Umfrage, dass die Kurzlebigkeit den Kleiderschrank vieler Menschen bestimmt. Fast jeder Zweite gibt an, seine Schuhe, Mäntel oder Oberteile in weniger als einem Jahr auszusortieren.

Informiert mit dem Textil-Siegel

Wer den wahren Preis für die extrem billige Kleidung nicht mehr zahlen will und auf die Umwelt achten möchte, kann auch auf andere Alternativen zurückgreifen. Hier kann schon der Blick auf bestimme Textil-Siegel helfen. Um erkennen zu können, wie die verschiedenen Modefirmen sich um das Leben ihrer Mitarbeiter kümmern, ist das Fairtrade-Emblem entwickelt worden.

Fairtrade hat seit 2016 einen sehr umfassenden Tetxilstandard veröffentlicht.
Foto: Fairtrade

Das Siegel kontrolliert unter Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen die Arbeitsbedingungen der Arbeiter.

 

Das „IVN Best“-Siegel ist das ökologisch Strengste am Markt.
Foto: IVN

Das Siegel des internationales Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN) reguliert die gesamte Textilkette für Naturfasern. Es gilt als das ökologische strengste am Markt. Insgesamt sind etwa 40 Marken und Produktionsbetriebe mit dem Siegel zertifiziert.

 

Mit dem grünen Knopf hat das Entwick­lungs­hilfe­ministerium ein über­greifendes Label aufgelegt.
Foto: BMZ

Das Label der „Grüner Knopf“ ist ganz neu auf dem Markt und wird vom Bundes­ministerium für wirt­schaftliche Zusammen­arbeit und Entwick­lung (BMZ) heraus­gegeben. Es berück­sichtigt nicht nur den Umwelt­schutz, sondern auch die Arbeits­bedingungen.

27 Unternehmen machen zum Anfang mit, darunter Start-Ups, Mittel­ständler wie hess­natur, Trigema und Vaude sowie Handels­konzerne wie Aldi, Rewe, Tchibo und die Schwarz-Gruppe (Kauf­land, Lidl)

Tschüss Kleiderkonsum

• Tipp 1: Wer dem Konsum den Kampf ansagen will, kann seinen Kleiderschrank ganz simpel neu entdecken. Dabei gilt: neue Looks ausprobieren, die Strickjacke mal anders kombinieren oder einfach an die Freundin weitergeben.

• Tipp 2: Wer eine ganz besondere Beziehung zu seinem Kleiderstück hegt, kann die Lieblingsklamotte ganz einfach „upcyclen“. Ob schneiden, kleben, färben, bemalen oder nähen – hier kennt die Kreativität keine Grenzen.

• Tipp 3: Wenn der Kleiderschrank trotz allem nicht leerer wird, gibt es zahlreiche Möglichkeiten seine Schätze weiterzugeben. Sei es auf Flohmärkten, auf Tauschpartys oder in Second-Hand-Läden – die es inzwischen ja auch vermehrt online gibt. Auf Portalen wie Kleiderkreisel, Mädelsflohmarkt oder Ebay-Kleinanzeigen lassen sich zahlreiche gut erhaltende Markenklamotten für den schmalen Geldbeutel ershoppen oder auch verkaufen, so dass man sich sogar wieder etwas dazu verdienen kann. Gerade weil wir so viel Kleidung kaufen, gibt es haufenweise schöne Teile in gutem Zustand.

• Tipp 4: Auf Foren wie kleiderlei.com oder myonbelle.de können Sie ein Kleider-Abo abschließen und bekommen jeden Monat die neusten Trends nach Hause geschickt. Der Clou: Hier wird die Kleidung geliehen. Besonders für Kinderkleidung kann das eine sehr sparsame und nachhaltige Option sein. Mit dabei sind zum Beispiel schon tchibo-share.de oder mudjeans.eu.

Faire Mode – aber wie?

Auch in der Modeindustrie ist das aus-Alt-mach-Neu-Prinzip angekommen: Modeketten wie H&M oder Promod werben mittlerweile mit der Rücknahme von alten Kleider, die sie neu verwerten. Oft wird hier jedoch nur ein geringer Teil recycelt. Wenn dann doch ein neuer Pulli her muss, sollte er ökologisch und fair sein. Wir zeigen Ihnen drei Fashion-Labels, die Nachhaltigkeit groß schreiben:

1. Dedicated – lässige Streetwear aus Schweden

Jedes einzelne Teil von Dedicated ist GOTS-zertifiziert, was hohe soziale Standards und eine umweltverträgliche Produktion miteinschließt.

2. GreenTee – Shirts aus München

Die Bio-Baumwolle bezieht das Label aus Europa. Dabei arbeitet Greentee größtenteils mit Betrieben zusammen, die zertifiziert sind und anerkannten Öko-Standards folgen.

3. Vatter – Unterwäsche aus Bio-Baumwolle

Die Vatter Unterwäsche ist aus feinste Bio-Baumwolle aber alles andere als spießig. Sie zeigen, dass die Begriffe „Bio“ und „sexy“ kein Widerspruch sein müssen.

Zertifizierte Mode in Deutschland

Wer genau wissen möchte, welche Läden und Hersteller ökologisch arbeiten, kann das auf einer Ladenliste von Greenpeace herausfinden. Die Liste zeigt alle Läden in Deutschland, die zertifizierte Mode anbieten. Wenn ihr noch mehr Ideen oder Tipps für nachhaltigen Klamotten-Konsum habt, schreibt uns gerne über Facebook, Twitter oder Instagram!

 

Marit Langschwager

 

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