Uni Hamburg: «Exzellent, aber pleite» – Demo gegen Kürzungen

Der Demonstration gegen Kürzungen bei der Universität Hamburg soll am Donnerstag um 14.00 Uhr am Hauptgebäude beginnen. (Archivbild) Bodo Marks/dpa
Der Demonstration gegen Kürzungen bei der Universität Hamburg soll am Donnerstag um 14.00 Uhr am Hauptgebäude beginnen. (Archivbild) Bodo Marks/dpa

Hamburg (dpa/lno) –

Beschäftigte und Studierende der Universität Hamburg haben angesichts der prekären finanziellen Lage der Hochschulen für Donnerstag zu einer Demonstration aufgerufen. Die Universität sei zwar wieder Exzellenzuniversität geworden, das sei auch ganz hervorragend, betonte Chemie-Professor Peter Burger. «Aber die bittere Wahrheit lautet hinter den Kulissen: Wir sind exzellent, aber pleite.»

2011 schon einmal große Demonstration gegen Kürzungen

2011 seien schon einmal mehr als 10.000 Studierende und Beschäftigte vor das Rathaus gezogen, um die damals drohenden Kürzungen abzuwenden, heißt es in dem Aufruf zur Demonstration der AG Ausfinanzierung der Universität Hamburg. Nun sei es erneut Zeit, «erhöhen wir den Druck auf die politisch Verantwortlichen, verschaffen wir uns Gehör.» Treffpunkt sei um 14.00 Uhr am Uni-Hauptgebäude.

Die Beschäftigten und Studierenden fordern die sofortige Erhöhung des jährlichen staatlichen Grundetats der Universität um 30 Millionen Euro. Außerdem müsse es künftig eine dynamische Anpassung des Grundetats mindestens in Höhe der realen Kostenentwicklungen für Tarifsteigerungen und Sachkosten geben. Aktuell liege der Grundetat bei etwa 390 Millionen Euro.

Stadt kommt ihrer Verantwortung nicht nach

Exzellenz finanziere keine Lehre, Drittmittel seien ebenfalls weder für die Lehre noch den Grundbetrieb da, sagte Burger. Dafür sei die Stadt zuständig und verantwortlich. «Und diese Verantwortung wird gerade und auch schon länger Zeit vernachlässigt», sagte Burger, der auch Mitglied des Akademischen Senats und Vize des Deutschen Hochschulverbands Hamburg ist.

Hamburgs rot-grüner Senat – darunter auch die zuständige Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) – will seinen Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2027 und 2028 bis Ende des Monats beschließen. Endgültig verabschiedet werden soll der Doppelhaushalt dann Mitte Dezember von der Hamburgischen Bürgerschaft.

Landespromotionsstipendien auf null gesetzt

Burger wies darauf hin, dass an der Uni schon 2020 rund 20 Prozent der Promotionsstellen unbesetzt gewesen seien, 2024 seien es bereits fast 30 Prozent gewesen und inzwischen seien es sogar fast 35 Prozent. Und hinzu komme: Statt wie bisher 50 neuen Landespromotionsstipendien gebe es von diesem Jahr an null.

«Was ist das für ein Signal, das wir an die jungen Talente schicken? Geht weg, geht woanders hin, in Hamburg gibt es keine Perspektive», sagte Burger. John Lütten, Postdoc am Geographieinstitut, betonte, besonders hart getroffen von den Kürzungen werde die MIN-Fakultät. Offiziell sei von 16 Prozent des Budgets die Rede. «Wir gehen aktuell aber von Kürzungen von bis zu einem Viertel des Budgets aus.» Das funktioniere nicht ohne Personalabbau. Lütten sprach hochschulweit von rund 370 bedrohten Vollzeitstellen.

Institute können nicht mal Druckerpapier kaufen

Im Zuge dieser Kürzung an der MIN-Fakultät drohe die Schließung von ganzen Instituten und Arbeitsbereichen, sagte Lütten. Auch drohe der Wegfall von Studiengängen und eine Reduktion der Studierendenzahlen. Dabei gebe es bereits jetzt teilweise Haushaltssperren, «das heißt, Institute können eigentlich nicht mal mehr Druckerpapier kaufen».

Die AStA-Vorsitzende der Uni, Daria Azadi, warf dem Senat vor, ganz bewusst bei den Studienbedingungen, den Studiengängen, den Tutorien, den Öffnungszeiten der Bibliotheken und der Ausstattung sparen zu wollen. «Das trifft die Lebensbedingungen von uns Studierenden, die sowieso schon mehrheitlich unter der Armutsgrenze leben.»

© dpa-infocom, dpa:260609-930-197117/1

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