Patientenmorde: Angehörige kritisieren späte Durchsuchung

Der Haupteingang des Klinikums Oldenburg. Foto: Ingo Wagner/Archiv

Oldenburg (dpa/lni) – Die Staatsanwaltschaft will ihre Ermittlungen gegen frühere Kollegen des verurteilten Patientenmörders Niels Högel noch in diesem Jahr beenden. Wie lange diese noch in etwa dauern werden, konnte Oberstaatsanwalt Martin Koziolek am Donnerstag nicht sagen. Staatsanwaltschaft und Polizei hatten die Diensträume und die Wohnung eines Mitarbeiters des Klinikums in Oldenburg nach Beweisen durchsucht.

Angehörige von Opfern kritisierten, dass die Durchsuchung erst so spät erfolgt sei. Spätestens seit Beginn der Ermittlungen am Klinikum Oldenburg Ende 2014 seien die Verantwortlichen vorgewarnt gewesen, teilte ein Sprecher der Interessengemeinschaft Klinikmorde mit.

Högel soll mehr als 100 Patienten zwischen 2000 und 2005 an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst ermordet haben. Für sechs Taten musste er sich bereits vor Gericht verantworten und sitzt lebenslang in Haft. Im Oktober startet ein neuer Prozess gegen ihn: Diesmal geht es um 98 Morde.

An beiden Kliniken gab es nach Ansicht der Ermittler Hinweise darauf, dass Högel Patienten schädigen könnte. Folgen hatte das lange Zeit aber nicht. Eine stellvertretende Stationsleiterin, zwei Ärzte und ein Intensivstationsleiter der Klinik in Delmenhorst hat die Staatsanwaltschaft wegen Totschlags durch Unterlassen angeklagt. Am Klinikum Oldenburg ermittelt sie gegen fünf ehemalige Kollegen von Högel.

Ob alle der verdächtigten Mitarbeiter heute noch am Klinikum arbeiten, wollte Vorstand Dirk Tenzer nicht sagen. Er habe aber niemanden allein wegen der Ermittlungen vom Dienst freigestellt. «Bis sich durch die Ermittlungen ein klares und abschließendes Bild der Vorgänge ergibt, sind die Mitarbeiter für mich selbstverständlich unschuldig.»

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