Nach viel Kritik verzichtet Publizist Broder auf Voß-Preis

Der Publizist Henryk M. Broder. Foto: Jörg Carstensen/Archiv

Otterndorf (dpa/lni) – Der Schriftsteller Henryk M. Broder verzichtet auf den mit 10 000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Voß-Preis für Literatur und Politik der niedersächsischen Stadt Otterndorf. «Da läuft eine Kampagne gegen mich, gegen die ich mich nicht zur Wehr setzen will. Das ist mir alles zu anstrengend», sagte Broder am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Welt»-Herausgeber Stefan Aust, der Sprecher der Jury ist, sagte: «Ich habe großes Verständnis für seine Entscheidung und finde es zugleich bedauerlich, dass ein kritischer Journalist derartig diffamiert wird.»

Broder ist gegen eine liberale Flüchtlingspolitik und hat etwa als Unterstützer der rechtskonservativen «Erklärung 2018» für Aufsehen gesorgt. Darin heißt es: «Mit wachsendem Befremden beobachten wir, wie Deutschland durch die illegale Masseneinwanderung beschädigt wird.» Kritiker werfen ihm vor, sich menschenverachtend über Geflüchtete zu äußern. Dass der 71-Jährige als Persönlichkeit geehrt werden sollte, die sich um Humanismus, Aufklärung, Menschlichkeit und Freiheit verdient gemacht hat, stieß auf Ablehnung. Broder selbst sagte, er kritisiere die Flüchtlingspolitik, nicht die Flüchtlinge.

Der Stadtdirektor in Otterndorf, Harald Zahrte, zeigte Verständnis für Broders Entscheidung. «Wir respektieren es sehr, dass er durch sein Handeln einen Schaden von dem Voß-Preis abgewendet hat.» Die Entscheidung für Broder bereue er nicht. Auch Johann Heinrich Voß sei ein streitbarer Schriftsteller gewesen und habe provoziert. Die Debatte um den Umgang mit Flüchtlingen sei wichtig. «Es ist eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung, die geführt werden muss.»

Der Johann-Heinrich-Voß-Preis wird seit 2000 alle drei Jahre verliehen. 2015 ging er an den damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Über den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Literatur und Politik

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