Mysteriöses Verschwinden: Geomar-Messgerät in Eckernförde gefunden

Martin Steen (M) vom Technik- und Logistikzentrum des Geomar steht neben dem wiedergefundenen Teil eines mysteriös verschwundenen Unterwasserobservatoriums. Foto: Carsten Rehder/dpa

Der Fall bleibt spannend wie ein ungelöster Krimi: Seit 21. August sendet ein in der Ostsee fest verankertes Unterwasserobservatorium keine Daten mehr – und ist verschwunden. Jetzt konnte eines von zwei Gestellen entdeckt und geborgen werden. Offen ist, was passierte.

Unterwasserobservatorium halbes Jahr lang verschwunden

Ein halbes Jahr nach dem mysteriösen Verschwinden eines auf dem Ostseegrund fest verankerten Unterwasserobservatoriums ist eines von zwei Gestellen in der Eckernförder Bucht geborgen worden. Das Gestell mit Sensoren für Forschungszwecke sei lediglich 180 Meter von seinem ursprünglichen Standort entfernt kopfüberliegend in 20 Metern Tiefe von einem Spezialschiff für Wracksuche geortet und aus dem Wasser gehievt worden, berichtete der Techniker Martin Steen vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung am Dienstag in Kiel. Der Fundort ist etwa 2,5 Kilometer von der schleswig-holsteinischen Küste entfernt.

Der Fall bleibt spannend. Es ist unklar, was am 21. August 2019 in dem Sperrgebiet Boknis-Eck für Schiffe dazu führte, dass die Forschungs-Messstation des Geomar plötzlich keine Daten mehr an Land schickte. „Vielleicht waren es Aliens, ein russisches U-Boot, oder Torpedoversuche der deutschen Marine“, unkte Projektleiter Prof. Hermann Bange über im Internet kursierende Erklärungsversuche. „Am plausibelsten wäre es wohl, dass ein Fischerboot mit Schleppnetz illegal ins Sperrgebiet fuhr und die Forschungsmessstation erwischte.“ Aber dies sei nur eine Mutmaßung.

Wegen des Gewichts der Gestelle und der Massivität der Kabelverbindungen schließt Geomar Stürme, Strömungen oder Meerestiere als Ursache fürs Verschwinden aus.

Schreibtischgroßes Gestell

Die Suche – auch mit Tauchern – blieb in der Tiefe mit nur wenigen Metern Sicht lange erfolglos. Bis jetzt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sein Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff „Deneb“ mit besonderer Sonartechnik einsetzen konnte. Am Freitagabend wurde ein Gestell geortet. Am Tag darauf ging ein Taucher von Bord, das etwa schreibtischgroße Gestell konnte schließlich um 16:10:09 Uhr mit einem Schiffskran geborgen werden, wie ein Ausdruck dokumentiert.

Die Suche nach dem zweiten Gestell – quasi die mit einem Landkabel verbundene „Steckdose“ zur Stromversorgung der Messstation – blieb am Wochenende ohne Erfolg. „Die Suche wird damit endgültig eingestellt“, sagte Bange. „Glücklicherweise ist das Unterwasserobservatorium versichert, so dass der Schaden komplett ersetzt wird.“ Fürs erste Gestell mit den Sensoren hatte die Versicherung bereits gezahlt. „Wir müssen jetzt prüfen, ob die ein halbes Jahr im Wasser liegenden, teils veralgten Sensoren überhaupt noch funktionieren.“ Einige seien beschädigt oder fehlten ganz.

Messungen seit 1957

Seit 1957 werden regelmäßig die Verhältnisse in der Ostsee beim Boknis-Eck wissenschaftlich gemessen. 2016 wurde das Unterwasserobservation auf dem Meeresgrund verankert, um fortlaufend Echtzeitdaten zu erheben. „Der Boknis-Eck-Knoten ist eine der weltweit am längsten Daten liefernden Meereswasserstationen“, betonte Geomar-Pressesprecher Jan Steffen. Kontinuierlich erfasst werden am Meeresboden Umweltdaten wie Temperatur, Salzgehalt, Nährstoffe, Sauerstoff- oder Methankonzentration. „Wir werfen ein Auge auf das Ökosystem und können so auch Auswirkungen des Klimawandels feststellen.“

Es wird nach Einschätzung von Bange wohl ein Jahr dauern, bis das etwa 300 000 Euro teure Unterwasserobservatorium neu gebaut oder teils nur erneuert ist. «Uns fehlen für ein halbes Jahr die wissenschaftlichen Daten», nennt der Wissenschaftler als Hauptschaden. Um in Zukunft die neue Messstation besser gegen Schleppnetze oder andere Einwirkungen zu schützen, sollen ihre Stützen mit mehreren, jeweils 300 Kilo schweren Eisenbahnrädern beschwert werden.

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