Mysteriöses Blaumeisensterben: NABU bittet Bevölkerung um Mithilfe

Das myteriöse Meisensterben hat auch Niedersachsen erreicht. Der Ausbreitungsschwerpunkt liege laut Naturschutzbund Niedersachsen vor allem im Nordwesten, das zeigten die hohen Werte etwa aus den Landkreisen Ammerland und Oldenburg.

Eine kranke Blaumeise. Foto: Otto Schäfer

Seit Kurzem erhält der NABU vermehrt Meldungen zu krank wirkenden Blaumeisen, die schnell versterben. Nachdem erste Fälle des mysteriösen Meisensterbens aus Rheinhessen gemeldet wurden, erhält auch der NABU in Niedersachsen vermehrt Hinweise auf diese Krankheit. Bis Dienstag wurden in Niedersachsen knapp 1.200 Fälle registriert. Der aktuelle Schwerpunkt der Ausbreitung liege laut Naturschutzbund im Nordwesten Niedersachsens, das zeigten die hohen Werte etwa aus den Landkreisen Ammerland und Oldenburg.

Kranke und tote Meisen über Online-Formular melden

Die Tiere sind offenbar von einer bislang nicht identifizierten, aber für Singvögel vermutlich sehr ansteckenden Krankheit betroffen. So waren auch bereits Kohlmeisen, Rotkehlchen, Sperlinge und ein Dompfaff betroffen. „Die Tiere fallen dadurch auf, dass sie nicht mehr auf ihre Umwelt reagieren, apathisch und aufgeplustert auf dem Boden sitzen und nicht vor Menschen fliehen. Oft wirken die Vögel als hätten sie Atemprobleme. Augen, Schnabel und Teile des Federkleids sind häufig verklebt“, erklärt Matthias Freter vom NABU Niedersachsen. Um mehr über die Ursachen und die Verbreitung dieser Krankheit zu erfahren, ruft der NABU dazu auf, kranke und tote Meisen über ein Online-Formular zu melden. Es können auch Fotos übermittelt werden.

Tote Tiere müssen nun untersucht werden

„Entscheidend ist jetzt, den Krankheitserreger schnell zu identifizieren. Daher müssen tote Tiere von Experten untersucht werden“, so Matthias Freter. Wer also einen gerade erst gestorbenen Vogel findet, sollte diesen – unter Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen und ohne den Vogel zu berühren – luftdicht verpacken und im Eisfach aufbewahren. Erste Anlaufstellen zur Untersuchung von Proben sind die offiziellen Veterinärämter und die dahinterstehende Behördenkaskade bis zum Friedrich-Löffler-Institut auf Bundesebene.

Eine gesunde Blaumeise. Foto: Frank Derer

Zum neuen Phänomen passt keine der bisher bekannten Vogelkrankheiten. Die meisten Tiere wurden, oft auch in größerer Zahl, in der Nähe von Vogelfütterungen gefunden. Der NABU rät daher dazu, die Fütterung und das Bereitstellen von Tränken sofort einzustellen, wenn mehr als ein kranker Vogel an einer Futterstelle beobachtet wird.

Hygienstandards bei der Vogelfütterung einhalten

Damit sich die Tiere beim Körnerholen oder Wassertrinken nicht gegenseitig mit Krankheiten anstecken können, ist Sauberkeit geboten. „In der Brutzeit holen sich die Vögel immer noch gern einen Leckerbissen zur Stärkung an der Futtersäule ab. Das ist auch kein Problem, solange das Futter sauber ist und die Vögel nicht mit dem gesamten Futter in Kontakt kommen können“, sagt Matthias Freter. Naturnahe Gärten und Grünflächen unterstützen zudem ganzjährig die Vögel bei der Nahrungssuche. Wer im Garten und auf dem Balkon die Blüten- und Insektenvielfalt durch heimische Pflanzen fördert, trägt dazu bei, dass Gartenvögel zur Brutzeit ausreichend Insekten zur Jungenaufzucht sammeln können.

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