Mutter hat Söhne während des Lockdown misshandelt: BGH hebt Hildesheimer Urteil dennoch auf

Nach der Verurteilung einer Mutter wegen der Misshandlung ihrer Söhne hat der Bundesgerichtshof die Strafe aufgehoben und den Fall an das Landgericht Hildesheim (Niedersachsen) zurückverwiesen. Die Schuldsprüche in einigen Fällen hielten rechtlicher Überprüfung nicht stand, weil Feststellungen zur jeweiligen Tat lückenhaft seien, teilte der Bundesgerichtshof am Mittwoch zu seinem Beschluss vom 2. November mit. Nach schwerer Misshandlung ihres siebenjährigen Sohnes im Corona-Lockdown war die Mutter vom Landgericht Hildesheim zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden.

Gefühllose Gesinnung nicht erkennbar

Der Bundesgerichtshof stellte auf die Revision der Frau hin fest, eine gefühllose Gesinnung der Verurteilten sei nicht zu belegen – zumal die Strafkammer festgestellt habe, dass die Frau mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert gewesen sei. Anfänglich habe sie eine liebevolle Beziehung zu ihren Kindern gehabt. Vorgeworfen wurden ihr etwa Schläge mit einer Thermoskanne, Einsperren und Essensentzug als Strafe. Die Frau gestand und verwies auf den mangelnden Zugang zu ihren eigenen Gefühlen.

Ihr kleines Kind hatte bereits vor dem Lockdown Mitschüler um Essen angebettelt und viel gefehlt. Als die Alleinerziehende den Jungen am ersten Tag nach dem Lockdown im Juni 2020 wieder krank meldete, alarmierte die Schule das Jugendamt. Schließlich fanden Polizisten das Kind im Schrank versteckt in der Wohnung. Der Junge war völlig abgemagert, hatte ein Hämatom am Kopf und kam ins Krankenhaus. Es ging im Prozess auch um Übergriffe auf ihren heute erwachsenen ersten Sohn, die erst im Zuge der Ermittlungen herauskamen.

mit dpa

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