Mütter aus Hamburg, Osnabrück und Bremen unter festgenommenen IS-Rückkehrerinnen

Unter den drei auf Antrag der Bundesanwaltschaft festgenommenen IS-Rückkehrerinnen aus Syrien befinden sich auch eine Frau aus Hamburg sowie eine Frau aus Osnabrück und eine Bremerin.

Allen drei Frauen werde unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen sowie, dass sie ihre Kinder im Sinne der radikal-islamistischen Ideologie der Gruppe erzogen haben. Die Hamburgerin habe sich außerdem wegen Entziehung Minderjähriger und der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu verantworten, teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag mit.

Die Frau aus Bremen soll vom Kampfgeld ihres IS-Schergen gelebt, Jesiden vertrieben und an öffentlichen Bestrafungsaktionen teilgenommen haben.  Die Mütter im Alter von 30 bis 38 Jahren sollen sich vor Jahren dem IS angeschlossen haben.

Mutter aus Osnabrück fungierte als Anwerberin der Terrormiliz

Den Angaben zufolge reiste die Frau aus Osnabrück im Jahr 2014 mit ihrer minderjährigen Tochter in das damals vom IS kontrollierte Gebiet in Syrien. Zudem soll sie für eine 16-Jährige die Ausreise dorthin organisiert haben. Die nun zurückgekehrte Frau habe in Syrien nacheinander mindestens sechs IS-Mitglieder nach islamischem Ritus geheiratet, heißt es. In sozialen Medien habe sie ihre Zustimmung zu Terroranschlägen in Europa ausgedrückt. Ihrer Tochter habe sie Hinrichtungsvideos gezeigt. Im syrischen Al-Rakka soll sie 2016 eine vom IS versklavte Jesidin angewiesen haben, Arbeiten im Haushalt zu verrichten und das muslimische Gebet zu sprechen. Des Weiteren soll sie Anhängerinnen für den IS angeworben haben.

Es bestand enger Kontakt zu Jennifer W.

Die Osnabrückerin hatte nach dpa-Informationen engen Kontakt zu der damals noch in Deutschland lebenden Jennifer W. aus Lohne (Kreis Vechta), die seit 2019 in München vor Gericht steht. Sie soll der Anklage zufolge mit ihrem Ehemann – einem IS-Kämpfer – im Irak eine Jesidin und deren Tochter als Sklavinnen „gekauft“ haben. Jennifer W. soll zugesehen haben, wie das kleine Mädchen ungeschützt in praller Sonne unter anderem an einer Atemlähmung verstarb, nachdem ihr Ehemann es angebunden hatte.

Insgesamt waren in der Nacht zum Donnerstag acht Frauen mit insgesamt 23 Kindern in einer von der Bundesregierung gecharterten Maschine in Frankfurt am Main gelandet. Ein Großteil der Rückkehrerinnen sei nach der Landung in Haft genommen worden, teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) mit. Gegen sechs Frauen lagen Haftbefehle vor, darunter drei vom Generalbundesanwalt beantragte. Ein Fall liegt nach dpa-Informationen im Bereich der Hamburger Staatsanwaltschaft. Allerdings handele es sich bei dieser Beschuldigten nicht um eine Hamburgerin, hieß es. Die Kinder befänden sich jetzt in staatlicher Obhut.

Hamburgerin reiste ohne Wissen des Vaters mit ihrer 3-jährigen Tochter in besetzte Gebiete

Nach Berichten des Norddeutschen Rundfunks war die Hamburgerin 2014 mit ihrer damals dreijährigen Tochter in die vom IS besetzten Gebiete gereist, ohne dass der getrennt von ihr lebende Vater des Kindes etwas davon wusste. Erst Jahre später habe der Mann erfahren, dass sich das Kind in einem kurdischen Gefangenencamp befinde. Seither hatte er sich dem Bericht zufolge vergeblich darum bemüht, das Kind nach Deutschland zu holen.

Zuletzt lebten sie mehrere Jahre im Gefangenenlager Roj im Nordosten Syriens, das unter kurdischer Verwaltung steht.

mit dpa

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