Mutmaßlicher Geiselnehmer in Lübeck vor Gericht

Der mutmaßliche Geiselnehmer vor Gericht in Lübeck. Foto: 17:30 SAT.1 REGIONAL

Ein als gefährlich geltender Straftäter steht von Dienstag an in Lübeck wegen Verdachts der Geiselnahme vor Gericht. Er soll neun Monate zuvor in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck-Lauerhof eine Psychologin als Geisel genommen und mehrfach mit einem Messer bedroht haben. Im Fall einer Verurteilung drohen dem Mann nach Angaben der Staatsanwaltschaft mindestens fünf weitere Jahre Haft.

Die Anklage wirft ihm vor, am 17. Juni 2019 auf der sozialtherapeutischen Station, auf der er untergebracht war, eine damals 33 Jahre alte Psychologin in seine Gewalt gebracht zu haben. Dabei soll er die Frau mit einem Küchenmesser aus der Anstaltsküche bedroht und sich mit ihr in ihrem Büro verbarrikadiert haben. Das Messer habe er von einem JVA-Mitarbeiter erhalten, um angeblich einen Geburtstagskuchen anzuschneiden, hatte Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) zwei Tage nach dem Vorfall im Landtag bestätigt.

Telefonisch soll der Angeklagte gefordert haben, mit der Anstaltsleitung und mit dem Bürgermeister der Hansestadt Lübeck zu sprechen. Er wollte erreichen, in sein Heimatland Rumänien abgeschoben zu werden. Der Angeklagte war wegen einer Sexualstraftat zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Nach rund fünf Stunden beendete die Polizei die Geiselnahme ohne Blutvergießen. Als der Mann beim Essenfassen kurzzeitig abgelenkt war, griff die Beamten zu und überwältigten ihn.

Der Vorfall hatte eine Diskussion über die Sicherheitsvorkehrungen in der JVA Lübeck ausgelöst. Dort war es in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Geiselnahmen gekommen, zuletzt an Heiligabend 2014. Damals hatten vier Männer einen Justizvollzugsbeamten in ihre Gewalt gebracht, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen.

dpa

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