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Eine Demonstration, an der laut Verfassungsschutz auch Islamist:innen teilnehmen, zog am Freitag durch die Hamburger Innenstadt. Es ist schon die zweite in diesem Monat. Das Motto lautete: „Gegen Respektlosigkeit gegenüber unserem Propheten Muhammad“. Sie soll sich auch gegen die Satirezeitschrift Charlie Hebdo und ihre Mohammed-Karrikaturen richten.

Die erneute Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen im September 2020 im Zusammenhang mit dem Prozessbeginn gegen mutmaßliche Komplizen der Charlie-Hebdo-Attentäter hat sowohl in der muslimischen Gemeinschaft in Frankreich als auch in der gesamten islamischen Welt antifranzösische Ressentiments bis hin zu Morden ausgelöst. Auch in Hamburg reagierten Islamist:innen entsprechend emotionalisiert.

Messerattentate in Paris als Folge von Muhammad-Karikaturen

In Paris begann Anfang September 2020 der Prozess gegen mutmaßliche Komplizen der Charlie-Hebdo-Attentäter vom Januar 2015. In diesem Zusammenhang wurden erneut Muhammad-Karikaturen veröffentlicht. In der Folge kam es zu mehreren Messerattentaten in Paris, u.a. der Enthauptung des Lehrers Samuel Paty am 16. Oktober 2020 in einem Vorort in Paris. Am 29. Oktober 2020 tötete ein weiterer Attentäter in Nizza drei weitere Menschen.

Diese Ereignisse bewegten auch die Angehörigen der islamistischen Szene in Hamburg. Die als Beleidigung des Propheten empfundenen Karikaturen wurde über alle organisatorischen Grenzen innerhalb der islamistischen Klientel beklagt und Frankreich scharf für seine vermeintliche antiislamische Politik verurteilt. Die Morde hingegen wurden kaum kritisiert, in einzelnen Fällen sogar begrüßt, als folgerichtig und für gerechtfertigt erachtet.

Salafisten feiern grauenvolle Tat im Internet

In den sozialen Medien veröffentlichten Salafist:innen positive Stellungnahmen zu den Anschlägen und huldigten dem Attentäter. So wurde der ermordete Lehrer als „Hund“ verunglimpft und zum Widerstand gegen die Meinungsfreiheit aufgerufen. Der Prophet sei „wichtiger als jede wertvolle Person in unserem Leben; niemand hat das Recht ihn zu beleidigen. Niemand soll zulassen, dass jemanden unsere ehrenvolle Religion mit Taten oder Worten angreift, egal was der Preis dafür ist.“ Am 18. Oktober 2020 postete ein Hamburger Salafist ein Bekenner-Video des Mörders von Paty, das mit einem französischen Naschid unterlegt ist. Auszugsweise heißt es in diesem Kampflied: „Wir müssen Frankreich schlagen, es ist die Zeit, sie zu demütigen. Wir wollen Leid und Todesfälle zu Tausenden sehen“.

Die grauenvollen Taten wurden aber nicht nur von Salafist:innen im Internet gefeiert und thematisiert. Der Leiter des Al-Azhari-Instituts thematisierte ebenfalls online die empfundenen Beleidigungen des Propheten und sorgte aktiv mit verschiedenen Statements für eine Polarisierung in der islamistischen Community.  Er unterstellte der deutschen Gesellschaft eine „Islamophobie“, die jeden Tag auf die Muslime diskriminierend wirke. In Hamburg würden die Moscheen respektlos behandelt, und Polizei und Verfassungsschutz würden Muslime immer wieder angreifen. Erneut sprach er sich gegen eine Integration aus und unterstrich, dass die Sharia ein zu beachtender Bestandteil des islamischen Glaubens sei, der nur von Muslimen „gedeutet“ werden dürfe. Am 8. November 2020 nahmen an einer vom Leiter des Al-Azhari-Instituts angemeldeten Demonstration 280 Menschen teil, darunter mehrheitlich Islamisten aus verschiedenen Organisationen. Auf eine Verurteilung der Morde wartete man vergebens.

Nach Demo am Sonntag: CDU und FDP in Hamburg fordern härteren Kurs gegen Islamisten

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