Millionen Daten ungeschützt im Netz: So reagiert die Verbraucherzentrale Hamburg

Datenleck: Millionen Patientendaten sollen frei im Netz kursieren. Symbolfoto: Pixabay

Sensible Patientendaten von weltweit mehreren Millionen Patienten sind nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks auf offen zugänglichen Servern im Netz gelandet. In Deutschland seien mehr als 13.000 Datensätze von Patienten betroffen. Auch in Hamburg sind viele Patienten nun um ihre Daten besorgt. Die Verbraucherzentrale Hamburg äußerte sich nun zu dem Datenleck.

Sensible Daten in hochauflösender Qualität

Brustkrebsscreenings, Wirbelsäulenbilder, eines Brustkorbs, der Herzschrittmacher ist gut erkennbar. Es sind intimste Bilder, die über Jahre hinweg frei verfügbar im Netz zu finden gewesen sind. Diese Datensätze von weltweit mehreren Millionen Patienten liegen auf Servern, die nicht geschützt sind. Es lassen sich auch tausende Patienten aus Deutschland in diesem Datenleck finden. Das hat eine gemeinsame Auswertung des Bayerischen Rundfunks und des US-amerikanischen Rechercheportals ProPublica ergeben.

Die ProPublica ist eine gemeinnützige Nachrichtenagentur, die unter anderem auch Machtmissbrauch untersucht. Sie veröffentlichten auf ihrer Internetseite, dass die Aufzeichnungen mehr als fünf Millionen Patienten in den USA und Millionen auf der ganzen Welt abdecken. Hier haben sie in den USA 187 Server identifiziert, die nicht durch Kennwörter oder grundlegende Sicherheitsvorkehrungen geschützt waren.

Hamburger Verbraucherschutz fordert verstärkte Kontrollen

Die Daten waren noch bis vergangene Woche zugänglich und stammen von mindestens fünf verschiedenen Standorten. Der größte Teil der Datensätze entfällt auf Patienten aus dem Raum Ingolstadt und aus Kempen in Nordrhein-Westfalen. Hier soll es sich jedoch nicht um ein einzelnes großes Datenleck handeln, sondern um eine Vielzahl von ungeschützten Servern. Der Experte für Informationssicherheit Dirk Schrader, habe weltweit mehr als 2.300 Rechner gefunden, auf denen die Datensätze offen lagen. Bei den Daten handelte es sich oft um Bilder, die von Magnetresonanztomographie-Untersuchungen (MRT) stammen.

Bei den Bildern soll es sich oft um Bilder handeln, die bei einer MRT-Untersuchung gemacht werden. Wenn Patienten in einer MRT-Röhre untersucht werden, entstehen zwei- und dreidimensionale Bilder vom Körperinneren. Symbolfoto: Pixabay

Aber auch in Hamburg sind die Bedenken nun groß: Dr. Jochen Sunken ist der Abteilungsleiter für Gesundheit und Patientenschutz bei der Verbraucherzentrale Hamburg und fordert nun, dass es bei diesem Fall „kein staatliches Schulterzucken geben darf“. Er beschreibt den Vorfall als großen Skandal – schließlich seien Gesundheitsdaten hochsensible Daten, die einen besonderen Schutz benötigten. „Es muss sichergestellt werden, dass Unbefugte keinen Zugriff auf Gesundheitsdaten bekommen. Hierzu brauchen wir verstärkte Kontrollen im Gesundheitssektor und empfindliche Strafen bei Missachtung.“

USA besonders betroffen

In rund 50 Ländern von Brasilien über die Türkei bis Indien sollen 16 Millionen Datensätze offen im Netz stehen. Besonders betroffen seien Patienten aus den USA. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Ulrich Kelber, sprach von einem „verheerenden ersten Eindruck“. Nach jetzigem Kenntnisstand seien in Deutschland zwei Krankenhäuser betroffen, sagte Kelber der dpa. Nun müsse geklärt werden, ob möglicherweise auch Drittanbieter in der Verantwortung stehen.

 

mala/dpa/ProPublica

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